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Freitag, 10.02.2012
X für ein U? - das Gehirn wird ausgetrickst
Geometrisch-optische Täuschungen

Müller-Lyer'sche Täuschung 
Müller-Lyer'sche Täuschung
© Daniela Baum
Ein X für ein U kann man uns zwar nicht so leicht verkaufen. Vermeintliche Längen- oder Größenunterschiede, gegeneinander kippende Parallelen oder eingedellte Quadrate können uns unter bestimmten Voraussetzungen jedoch durchaus die Sinne verwirren.

Geometrisch-optische Täuschungen sind die geläufigsten visuellen Illusionen - dennoch deutet der Betrachter die wahren physikalischen Gegebenheiten immer wieder falsch. Schon ganz simple Strichzeichnungen vermögen es, die Gesetzmäßigkeiten der Wahrnehmung auf unterschiedliche Art und Weise auszutricksen. Weshalb das so ist, können Wissenschaftler heute mehr oder weniger eindeutig erklären - einige Täuschungen stellen jedoch nach wie vor ein Rätsel dar.

Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurden die meisten der zahlreichen bekannten Täuschungsfiguren entdeckt und nach ihren Entdeckern benannt.

Eine der bekanntesten ist die sogenannte Müller-Lyer'sche Täuschung: Die Linie zwischen den nach außen gerichteten Pfeilspitzen sieht deutlich kürzer aus als die Linie zwischen den nach innen gerichteten Pfeilspitzen, obwohl beide Linien identisch sind. Hierzu gibt es gleich mehrere Erklärungsmöglichkeiten.

Eine basiert auf den unterschiedlichen Augenbewegungen, die zum visuellen Abtasten der beiden Figuren nötig sind. Demnach wird die Streckenlänge anhand der insgesamt zurückgelegten Augenbewegung ermittelt, wodurch dieser Wahrnehmungsunterschied zustande kommt.

Die Täuschung lässt sich möglicherweise jedoch auch auf neuronale Mechanismen zurückführen. In der Netzhaut sind mehrere Sehzellen untereinander zu sogenannten rezeptorischen Feldern zusammengefasst, die beispielsweise auch zur Erkennung von Linien einer bestimmten Steigung dienen können. Treffen zwei Linien aufeinander, treten diese Felder in Wechselwirkung miteinander. Spitze Winkel hemmen die rezeptorischen Felder - die Linie erscheint verkürzt, stumpfe Winkel hingegen regen sie an - die Linie erscheint verlängert.

Nicht zuletzt bietet das perspektivische Sehen eine Erklärung:
Wir tendieren dazu, zweidimensionale Abbildungen räumlich zu betrachten. Im Fall der Müller-Lyer'schen Täuschung wird demnach die obere Linie näher zum Betrachter wahrgenommen als die untere. Dieser Eindruck wird von der Ordnungsliebe unserer Sinne gefördert, die gerne möglichst prägnante Formen erkennen möchten, wozu auch rechte Winkel zählen. Deshalb versucht unser Wahrnehmungssystem beliebige Winkel in perspektivisch verzerrte rechte Winkel zu deuten.

Die obere Linie scheint somit vor der Bildebene zu liegen, mit nach hinten gekippten rechten Winkeln, die untere Linie dagegen weiter hinten mit nach vorne herausragenden rechten Winkeln. Durch die Größenkonstanz nehmen wir die "weiter entfernt liegende" Linie nun länger wahr als sie eigentlich ist.

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