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| Wahrnehmen |
| Wir sehen Gestalten |
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 | | Prägnante Formen werden leichter wahrgenommen - hier zwei Dreiecke © Daniela Baum | Mit der Aufnahme von Lichtreizen über das Auge ist es noch lange nicht getan. Eine Eins-zu-Eins-Wiedergabe des Gesehenen heißt nicht, dass wir es auch verstehen. Vielmehr bedarf es einer Musteranalyse im Gehirn: Die weitergeleiteten Lichtreize müssen zunächst interpretiert werden, bevor wir sie einordnen können. Ein Großteil des Sehens findet demnach erst im Gehirn statt.
Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Psychologen dem Prinzip, auf die Schliche. Die "Gestalttheorie" nach dem Frankfurter Professor Max Wertheimer besagt, dass der Mensch gar nicht anders kann, als "Gestalten" zu sehen. Wir nehmen nie eine Summe oder Folge von einzelnen Sehreizen wahr, sondern das Bild als Gesamtheit. Dieses stellt etwas komplett anderes dar als die Summe seiner Einzelempfindungen, denn unser Wahrnehmungssystem fasst die einzelnen Bildbestandteile nach Gruppierungsgesetzen zu Gestalten zusammen. Dabei streben unsere Sinne stets nach Ordnung, nach einer möglichst einfachen, sinnvollen Interpretation des Gesehenen. Wolfgang Metzger, ein Vertreter der Gestaltpsychologie, nennt diesen Zustand auch "Lieblingskind der Sinne".
Gruppierungs- und Gestaltungsgesetze
Den übergeordneten Gedanken der Gestaltungsgesetze fasst das "Prinzip der Prägnanz" zusammen: Das Wahrnehmungsergebnis wird immer so gut sein, wie es die herrschenden Bedingungen erlauben. "Gut" umfasst nach dem Psychologen Ernst Koffka Eigenschaften wie Regelmäßigkeit, Symmetrie, Geschlossenheit, Einheitlichkeit, Ausgeglichenheit, maximale Einfachheit, Knappheit und die Tendenz zur Orientierung senkrecht-waagrecht.
Die Betrachtung einer Szene führt demnach immer zur Wahrnehmung einer möglichst einfachen Struktur. Sehr prägnante Formen sind beispielsweise Kreise, rechte Winkel und Geraden.
Die grundlegenden Gruppierungsgesetze, nach denen unsere Wahrnehmung eine Musteranalyse vollzieht, lauten folgendermaßen:
Gesetz der Ähnlichkeit
Ähnliche Elemente werden zu in sich möglichst einheitlichen Gruppen zusammengefasst.
Gesetz der Nähe
Die Gruppierung erfolgt auf Grundlage eines möglichst geringen Abstands der Objekte, so dass möglichst dichte und stark voneinander isolierte Gruppen entstehen. Das Gesetz der Ähnlichkeit wird überstimmt.
Gesetz der guten Fortsetzung
Linien, die einen durchgehenden Linienzug besitzen und möglichst wenig gekrümmt sind, gruppieren sich am besten zu einer sinnvollen Einheit.
| |  | Durch Erfahrung sind wir in der Lage, den Buchstaben zu erkennen © Daniela Baum | Gesetz der Geschlossenheit
Geschlossene Linienzüge vereinigen sich leichter zu einer Gestalt als solche, die keine Fläche umschließen. Überstimmt das Gesetz der Nähe.
Gesetz der Erfahrung
Vorwissen und Erfahrung spielen bei der Gruppierung von Bildelementen eine bedeutende Rolle.
Gesetz des gemeinsamen Schicksals
Sich in die gleiche Richtung bewegende Elemente werden als Gruppe wahrgenommen
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Stand 16.01.2002 |
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