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Bilder in der Fotografie oder im Fernsehen gelten im allgemeinen als exakte Kopie der Wirklichkeit und genießen somit einen Vertrauensvorsprung: man hält sie für glaubwürdig. Aber was wir in den Medien sehen muss keineswegs der Wahrheit entsprechen. Oftmals glauben wir, was uns glauben gemacht werden soll. Mehr oder weniger bewusst wird uns eine Wirklichkeit vorgespiegelt, die keine ist - und das nicht erst seit es die digitale Bildbearbeitung gibt.
Zeitgleich mit der Erfindung der Fotografie entdeckte man bereits die vielfältigen Manipultationstechniken. Zunächst waren es Schere und Retuschepinsel, mit denen in das Bildmaterial eingegriffen wurde. Besonders totalitäre Regime machten - und machen - sich Manipulationen an Fotografien zu Nutze, formten sich Geschichte und Gegenwart nach ihren Vorstellungen. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist das "Verschwinden" des Oberbefehlshabers der Roten Armee Leo Trotzki von Fotografien aus dem Jahr 1920. Trotzki fiel unter Stalins Regime in Ungnade. Deshalb ließ Stalin ihn 1927 kurzerhand noch zu Lebzeiten aus dem Bild entfernen - und nahm damit sein Schicksal vorweg. Auf Stalins Anweisung wurde Trotzki schließlich im mexikanischen Exil ermorden.
Inzwischen hat die digitale Bildbearbeitung der Manipulation von Bild- und Filmmaterial ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Veränderungen am Original sind kaum noch nachvollziehbar und die Glaubwürdigkeit von Fotografien und Filmen als Dokumente der Wirklichkeit wird damit in Frage gestellt.
Doch nicht nur Veränderungen am Bild selbst sondern auch der Kontext, in den es gestellt wird, kann falsche Vorstellungen von der Wirklichkeit provozieren. Erst vor kurzem kam Umweltminister Trittin mit der "Schlagstock-Affäre" in Verruf. Auslöser war ein in der Bild-Zeitung veröffentlichtes Foto, dass ihn auf einer Demonstration in Gesellschaft von scheinbar mit Schlagstock und Bolzenschneider bewaffneten Personen zeigte. Ein geschickt gewählter Bildausschnitt und die plakative Beschriftung schufen Fakten - in Wahrheit handelte es sich bei den Waffen um ein Seil und einen Handschuh.
Den Gipfel der Täuschungen bildet die inszenierte Wirklichkeit. Anfang der 90er Jahre sorgte Michael Born für einen Aufschrei in der Medienwelt. Die Glaubwürdigkeit des Nachrichtenjournalismus stand auf dem Spiel. Er hatte den Redaktionen verschiedener Nachrichtenmagazine über 20 komplett gefälschte Filmbeiträge angedreht, auch "Fakes" genannt. Von den Ritualen des deutschen Ku-Klux-Klans, über Katzenjäger bis hin zu einer Neonazi-Gruppe, die die Gebeine des Rechtsextremen Michael Kühnen verlegen wollte, reichte sein Themenspektrum. Die Redaktionen schielten auf die Einschaltquote und ließen Fünfe grade sein. Denn der Wahrheitsgehalt der Filme hielt einer eingehenden Prüfung nicht stand. Falsche Hakenkreuze, "Autonomes Umtopfkommando" als Name für die Neonazi-Gruppe und andere Ungereimtheiten hätten die Verantwortlichen warnen müssen.
Zu Gunsten von Einschaltquote oder Auflage wird zuweilen die journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässigt. Den Zuschauern und Lesern soll das Verlangen nach möglichst authentischen, sensationellen Enthüllungsgeschichten befriedigt werden. Die Glaubwürdigkeit der Bilder als Beleg für die Wirklichkeit bleibt dabei auf der Strecke. "Wer die Bilder beherrscht, der beherrscht die Köpfe", stellte Bill Gates einmal fest. Schöne neue Medienwelt.
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