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Freitag, 10.02.2012
Virtuelle Fernsehwelten
Die Bluebox-Technik

Die Anfänge der Tricktechnik lassen uns heute über die ihre "billige" Machart lächeln. Nur zu gut lassen sich animierte Spielzeug-Raumschiffe in den alten "Star Trek"-Folgen und "Raumschiff Orion" erkennen oder die gemalten Kulissen in den Verfilmungen von Jules Vernes Büchern aus den 50er Jahren. Heute sind die Techniken so ausgereift, dass wir eine reale von einer virtuellen Kulisse kaum noch unterscheiden können. Die Kunst ist, reale und virtuelle Elemente so zu mischen, dass sie nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind bzw. als real wahrgenommen werden.

Beleuchtung, Größenverhältnisse, Perspektive - alles muss stimmen. Reale Akteure können sich frei in einer virtuellen Kulisse bewegen und bei jedem Kameraschwenk passt sich der Ausschnitt entsprechend an. Inzwischen werden Filme produziert, in denen reale und virtuelle Charaktere interagieren und man sich fragen muss, wer oder was da noch echt ist und was nicht.

Ein häufig verwendetes Verfahren zur Erzeugung virtueller Welten ist die Bluebox-Technik. Hierbei werden Videoaufnahmen vor einem unifarbenen, meist blauen Hintergrund gemacht. Blau eignet sich für Personenaufnahmen besonders, da diese Farbe in menschlichen Hauttönen nicht vorkommt.

Alle blauen Flächen werden nachträglich oder während der Produktion "ausgestanzt". Dazu wird die Farbe Blau als Transparent festgelegt, alle anderen Farben bleiben deckend. Dieses Verfahren nennt man auch "Chroma-Keying". Die dann transparenten Flächen werden von den Bildsignalen der computergenerierten virtuellen Kulisse überdeckt. Blaue Kleidung oder Gegenstände sind in einer Bluebox also eher ungeeignet. Die Kamera nimmt nicht nur die Bilder in der Bluebox auf, sondern auch parallel dazu Höhen-, Tiefen- und Breiteneinstellungen. Diese so genannten Trackingdaten werden im Computer mitverarbeitet und erzeugen den jeweils passenden Bildausschnitt für den virtuellen Hintergrund. Hierdurch gewinnt die virtuelle Kulisse ihre reale Raumwirkung und Personen können sich in ihr wie in der wirklichen Welt bewegen.

Fast alltäglich werden Bluebox-Studios heutzutage genutzt. Sie sind kostengünstig und flexibel gestaltbar, virtuelle Gegenstände können sogar dreidimensional erscheinen, sich bewegen und miteinander interagieren. Ein weiteres Merkmal ist die Echtzeitfähigkeit, was für den Einsatz bei Nachrichtenmagazinen von Interesse ist.

Zu Hause auf dem Fernseher ist von diesem technischen Aufwand nichts mehr zu sehen. Ulrich Wickert sitzt vor Tagesthemen-Design und wechselnden Nachrichtenbildern oder Joachim Bublath scheint bei "Aus Forschung und Technik" gerade mitten im Weltraum zu stehen. Wir wissen, dass es in Wirklichkeit nicht so ist. Aber es ist flexibler und billiger für die Produktionsfirmen, ansprechender fürs Auge und schadet der Seriösität dieser Sendungen nicht im geringsten.

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