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Freitag, 10.02.2012
So nah und doch so fern
Die Mondtäuschung

Am Horizont erscheint der Mond größer 
Am Horizont erscheint der Mond größer
© IMSI MasterClips
Es gibt ab- und zunehmenden Mond, Neumond und Vollmond. Doch ist bekannt, dass nicht etwa der Mond seine Größe ändert, sondern nur die von der Sonne beschienene Fläche des Mondes. Aber warum scheint der Mond plötzlich größer zu sein, wenn er knapp über dem Horizont steht?

Der Wahrnehmungspsychologie ist es bis heute nicht gelungen, dieses Phänomen eindeutig zu klären. Es deutet jedoch vieles darauf hin, dass schlicht das Unvermögen des Menschen, die Ausmaße leerer Räume korrekt einzuschätzen, zurückführen lässt. Womit wieder das Prinzip der Größenkonstanz ins Spiel kommt. Der entscheidende Faktor für die richtige Größenbewertung eines Objekts ist die Entfernung zu ihm. Aus dem Abbild auf der Netzhaut und der Information über die Entfernung schließt das Wahrnehmungssystem auf seine wirkliche Größe zurück. Ein Gegenstand in größerer Entfernung erzeugt ein kleineres Abbild auf der Netzhaut, der gleiche Gegenstand in geringerer Entfernung ein größeres Abbild.

Da der Mond nicht geneigt ist, seine Umlaufbahn zu verlassen, muss es sich um eine Täuschung handeln. Er ist stets etwa 385.000 km von der Erde entfernt - eine für den Menschen nicht unmittelbar wahrnehmbare Entfernung. Für uns scheint der Mond direkt oben am "Himmelszelt" zu stehen, kurz hinter den Wolken, weil wir in der gähnenden Leere des Weltraums keine Anhaltspunkte finden, die uns diese Ausdehnung verdeutlichen könnten. Diese unterschätzte Entfernung lässt ihn so klein erscheinen.

Der Abstand zum Horizont erscheint dagegen ungleich größer als zum Mond im Zenit. Das Firmament wird sozusagen "abgeflacht" wahrgenommen. Durch Tiefeninformation wie Bäume, Häuser oder Hügel wird die Entfernung zum Mond am Horizont "überschätzt". Bei gleich großer Abbildung auf der Netzhaut des Auges wird dann der scheinbar weiter entfernte Mond größer wahrgenommen.

Eine Paradoxie des Ganzen:
Obwohl die Mondtäuschung durch eine Überschätzung des Abstandes zum Horizont entsteht, scheint uns der große Mond über dem Horizont viel näher zu sein im Vergleich zum Mond im Zenitstand. Die unterbewusst stattfindende Täuschung der Größenkonstanz wird hier von der bewussten subjektiven Einschätzung "alles was größer ist, ist näher dran" überlagert. Die wirkliche Entfernung zum Mond liegt sowieso außerhalb unserer Vorstellungskraft.

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