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Freitag, 10.02.2012
Die Sinneszellen sind übersättigt
Nachbilder

Fixieren Sie das schwarze Kreuz zwischen den roten Rechtecken 
Fixieren Sie das schwarze Kreuz zwischen den roten Rechtecken
© Daniela Baum
Probieren Sie es doch einmal aus: Fixieren Sie das schwarze Kreuz zwischen den roten Rechtecken etwa 10 Sekunden lang. Sobald die roten Flächen verschwunden sind, sehen sie ein grünes Nachbild. Es wandert mit ihrem Blick und verschwindet nach kurzer Zeit wieder. Es ist demnach kein wirkliches Bild, sondern "eingebrannt" in die Netzhaut.

Normalerweise sind unsere Augen immer in Bewegung. Der Mensch vollführt kleinste so genannte sakkadische Augenbewegungen, die eine Überlastung der Sehzellen verhindern. Die unnatürliche Fixierung auf einen Punkt erschöpft die Sehzellen durch den anhaltenden gleichen Farbreiz, sie passen sich an diesen Zustand an. Blicken wir nun auf eine weiße Fläche entsteht vor unseren Augen ein negatives Nachbild: Flächen erscheinen in der Komplementärfarbe ihrer ursprünglichen Farbe bzw. Weiß als Schwarz und umgekehrt.

Die übersättigten Sinneszellen sind nicht in der Lage, die gleiche Sehleistung zu erbringen wie die zuvor nicht beanspruchten. Die an das Gehirn weitergeleiteten Signale ergeben sich aus dem Weiß der betrachteten Fläche abzüglich der "eingebrannten" Farbe - was gleichbedeutend mit der komplementären Farbe ist.
Ein interessanter Effekt ist die Wahrung der Größenkonstanz bei Nachbildern. Da das eingebrannte Bild auf der Netzhaut eine feste Größe hat, ist der Abstand zur "Projektionsfläche" ausschlaggebend für die Größe des Nachbildes. Blicken wir auf eine weiße Wand in fünf Metern Entfernung, erscheint das Nachbild entsprechend vergrößert.

Eine Anpassung des Auges an Bewegungen ist ebenfalls möglich. Betrachtet man längere Zeit einen bewegten Gegenstand, entsteht beim Blick auf ruhende Bereiche ein Nachbild, das sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Voraussetzung ist auch hier, der Bewegung nicht mit den Augen zu folgen sondern einen Punkt zu fixieren.

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