Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Ein „Zellkloß“ gewinnt Struktur
Der Ablauf des Heilungsprozesses

An jungen, nur wenigen Zentimeter langen Exemplaren haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahrzehnten unter dem Mikroskop mitverfolgt, was bei einer Verletzung im Bereich der Wunde passiert. Der Start ist nicht ungewöhnlich: Dort, wo die Wunde entsteht, verschließen Blutgerinnsel schnell die beschädigten Blutgefäße. Bereits innerhalb von sechs Stunden kriechen Hautzellen vom Rand der Wunde über die verletzte Stelle und wachsen zu einem dünnen Häutchen zusammen.

Nahezu durchsichtig ist der Schwanz eines jungen Axolotl 
Nahezu durchsichtig ist der Schwanz eines jungen Axolotl
© MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik
Unterhalb dieses Häutchens geht es dann auf den ersten Blick ziemlich chaotisch zu: Scheinbar ohne jede Ordnung wandern aus dem am Stumpfende liegenden Gewebe einige 100 bis 1.000 Zellen an die Kante des Stumpfes und bilden dort einen unförmigen Zellpfropf, Blastem genannt.

Zuerst vermehren sich die Zellen einige Tage, bis es mehr als 100 000 sind. Dann formt sich aus dem ungeordneten Zellkloß innerhalb von zwei Wochen die innere Struktur eines neuen Schwanzes: Rückgrat, Rückenmark und Muskulatur finden ihren Platz. Zwar erreicht er die volle Größe je nach Alter des Tieres erst Monate später, doch der Schwanz ist bereits nach zwei Wochen mit allen Details ausgestattet.

Elly Tanaka kennt diese Phasen genau, Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Mikroskopbilder schmücken auch ihr Büro im Dresdener Labor. Doch was die Gruppe der jungen Amerikanerin jetzt interessiert, lässt sich auch durch das stärkste Mikroskop nicht fotografieren. „Wir wollen wissen, woher die Zellen die Informationen erhalten, was sie zu tun haben“, sagt sie.

Das Endergebnis der Regeneration ist der Beweis, dass es ein perfekt funktionierendes Timing gibt: Er- satzzellen werden zum richtigen Zeitpunkt zur Wunde gerufen, vermehren und entwickeln sich zum passenden Ersatz und hören schließlich auf zu wachsen, wenn das Organ ersetzt ist.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Axolotl
Das Heilwunder aus Mexiko
Reparatur mit Potenzial
Sind solche Reparaturmechanismen auch beim Menschen möglich?
Ein „Zellkloß“ gewinnt Struktur
Der Ablauf des Heilungsprozesses
Woher stammt die Information?
Auf der Suche nach den „Kontrolleuren“
Blutgerinnung liefert Startsignal
Zellkarawane übe Färbetrick verfolgt
Die Würfel fallen früh
Steckt ein Axolotl-Rest auch im Menschen?
Steckbrief: Axolotl
Als Jugendlicher alt werden
Steckbrief: Stammzellen
Schlüssel zur Regenerationsfähigkeit
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen