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Freitag, 10.02.2012
Zwischen Alarm und Entwarnung
Klettert der Methanpegel weiter?

Atmosphäre 
Atmosphäre
© NASA
Rekord: Rund 535 Megatonnen Methan gelangen im Moment jährlich aus natürlichen und vom Menschen gemachten Quellen in die Atmosphäre. Trotzdem konnten Wissenschaftler vor kurzem einen Hoffnungsschimmer in Sachen Methan vermelden. Wie Messergebnisse der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) belegen, ist der Anteil des gefährlichen Treibhausgases in der Atmosphäre zwischen 1999 und 2002 erstmals seit rund 200 Jahren nicht mehr weiter angestiegen.

Die Forscher vermuten, dass dafür verschiedene Faktoren verantwortlich sind. So haben nach Meinung der Experten Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen vor allem in Europa und in Teilen Nordamerikas Wirkung gezeigt, aber auch der Kollaps der ehemaligen Sowjetunion und der damit verbundene Rückgang bei der Gas- und Ölförderung haben den Methanausstoß in die Atmosphäre gesenkt.

Mehr Methan aus Landwirtschaft und Industrie?
Zu einem Problem werden könnte auch der erwartete Anstieg des Reisanbaus um 70 Prozent in den nächsten 30 Jahren. Nur wenn es durch neue Bewirtschaftungsmethoden oder neue Pflanzensorten gelingt, die Gasausdünstungen aus Reisfeldern in Grenzen zu halten.

Reisbauer bei der Arbeit 
Reisbauer bei der Arbeit
© Aztech
So hat die in China seit rund 20 Jahren betriebene kurzzeitige Trockenlegung der Reisfelder entscheidend dazu beigetragen, dass die Methanwerte nicht weiter angestiegen sind. „Das mithilfe von biogeochemischen Modellen errechnete Absinken der Methanemissionen in China passt gut mit der verlangsamten Steigerung des atmosphärischen Methans im selben Zeitraum zusammen,” sagt dazu Changsheng Li von der University of New Hampshire's Institute for the Study of Earth, Oceans, and Space.

Diesen positiven Entwicklungen steht ein Anstieg der Methanemissionen in anderen Bereichen gegenüber. So sorgen die mittlerweile rund zwei Milliarden oder mehr Köpfe zählenden Viehherden für eine ebenso große Treibhauswirkung wie alle Autos der Welt zusammen genommen.

Und auch aus anderen Gründen zeichnet sich für die Zukunft keine dauerhafte Entspannung beim Thema Methan ab. Der wirtschaftliche Boom in China und anderen Ländern, verbunden mit gigantischen Steigerungen bei der Nutzung von fossilen Brennstoffen werden für zusätzliches Methan in der Atmosphäre sorgen. Das drohende Scheitern des Kyoto-Protokolls und die Weigerung der USA, diesem beizutreten, tun ein Übriges hinzu.

Erwärmung beschleunigt Methanheizung
Wissenschaftler befürchten zudem, dass durch die globale Erwärmung sogar die in riesigen Mengen der am Meeresboden lagernden Gashydrate „auftauen“. Das darin enthaltene Methan könnte dann - wie vermutlich bereits in der Erdgeschichte mehrfach geschehen – spontan und in großen Mengen in die Atmosphäre abgegeben werden. Die Folgen für Mensch und Natur wären fatal. Vor rund 55 Millionen, im Eozän, dies haben norwegische Wissenschaftler vor kurzem herausgefunden, waren höchstwahrscheinlich Methanausbrüche aus dem Meer dafür verantwortlich, dass die Polkappen abschmolzen und am Nordpol sogar Palmen wuchsen.

Ein anderes Beispiel: Amerikanische Forscher haben festgestellt, dass im Norden Schwedens als Folge der globalen Erwärmung immer mehr Dauerfrostböden auftauen und zu Feuchtgebieten „mutieren“. Dann aber beginnen methanogene Bakterien sofort mit der Zersetzung des organischen Materials und der Methanproduktion. In anderen Regionen der Erde, wie in der Russischen Tundra und Taiga, sind ähnliche Phänomene zu beobachten.

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