Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Das Leben mischt mit...
Beispiele für die Selbstregulation irdischer Stellgrößen

Wesentliche Beispiele für die Selbstregulationsmechanismen der Erde sind die globale Temperatur, die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Salinität der Weltmeere. In allen diesen Prozessen spielt auch das Leben eine wichtige Rolle. Erst durch die Interaktion von belebten und unbelebten Komponenten scheinen sich die Rückkopplungsschleifen vieler Systeme zu schließen.

Rückkopplungen 
Rückkopplungen
© NASA/Earth Observatory
Eine solche aktive Beteiligung des Lebens galt noch vor 30 Jahren als Widerspruch gegen alle gängigen Vorstellungen. Inzwischen jedoch hat die Biosphäre als zentraler Bestandteil des Systems Erde - neben Lithosphäre, Hydrosphäre und Atmosphäre - längst ihren festen Platz im neuen Weltbild der Geowissenschaften gefunden - nicht zuletzt dank der Debatten um Lovelock und seiner Gaia-Hypothese. Wie prägend allerdings biologische Einflüsse tatsächlich auf die Regulation des Gesamtsystems sind, ist in vielen Bereichen noch umstritten oder ungenügend erforscht.

Thermostat Erde
Seit der Entstehung der Erde hat die Sonneneinstrahlung um rund 25 Prozent zugenommen, dennoch sind die globalen Durchschnittstemperaturen nicht in gleichem Maße gestiegen, sondern schwankten im Laufe der Erdgeschichte mehr oder weniger stark um einen Mittelwert. Diese Regulation folgt im Grunde dem gleichen Prinzip wie das einfache Modell der Daisyworld. Auch für die Erde spielt beispielsweise die Albedo eine wichtige Rolle. Diese setzt sich jedoch aus mehreren Größen wie Eisbedeckung der Pole oder Wolkendichte und -art zusammen und wird ihrerseits von einer ganzen Reihe von Faktoren beeinflusst.

 Phytoplankton
Phytoplankton
© NASA/MODIS
Untersuchungen zeigen jedoch auch hier - entgegen früheren Annahmen - eine wichtige Funktion von Organismen in diesem System. Vor allem das Phytoplankton der Meere wirkt nicht nur als Kohlendioxidsenke, die winzigen Algen produzieren auch Dimethylsulfid (DMS), eine Substanz, die an die Atmosphäre abgegeben wird und dort als Kondensationskeim zur Wolkenbildung beiträgt. Wird es wärmer, nimmt das Algenwachstum in bestimmten Regionen zu und mehr DMS wird frei. Dadurch können vermehrt Wolken entstehen, diese reflektieren einen größeren Anteil der Sonneneinstrahlung und die Temperatur sinkt wieder.

Diese - vereinfacht dargestellte - Rückkopplungsschleife ist jedoch nur eine von vielen, die das irdische Thermostat in seiner Gesamtheit ausmachen. Sie wird zur Zeit unter anderem von Forschern der Max-Planck Gesellschaft untersucht. Bis heute gelingt es Klimawissenschaftlern jedoch noch nicht, die volle Komplexität dieses Systems zu erfassen oder gar in Computermodellen nachzubilden.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Organismus Erde?
Von der Gaia-Hypothese zum System Erde
Vom passiven Spielball zum komplexen System
Paradigmenwandel in den Geowissenschaften
Die Erde als lebendiges System
Gaia - eine Idee wird geboren
Tabubruch oder Pioniertat?
Gaia im Kreuzfeuer der Kritik
Daisyworld
Gänseblümchen erklären die Welt - und das Gaia-Prinzip
Von Gaia zum "System Erde"
Die heutige Situation
Das Leben mischt mit...
Beispiele für die Selbstregulation irdischer Stellgrößen
Das Rätsel des Meersalzes
Mikroorganismen als Regulatoren der marinen Salinität?
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen