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Freitag, 10.02.2012
Vom passiven Spielball zum komplexen System
Paradigmenwandel in den Geowissenschaften

Die Erde ist ein Spielball von kosmischen und anorganischen Einflüssen. Die Sonneneinstrahlung, Kollisionen mit anderen Himmelskörpern, die Drift der Kontinente oder Veränderungen der Umlaufbahn um die Sonne wirken auf den Planeten und beeinflussen sein Klima und seine Entwicklungsgeschichte bis heute.

Lange Zeit konzentrierten sich daher Geowissenschaftler vor allem auf diese Faktoren, um die Erde und die Abläufe auf ihr zu erforschen. Dem vorherrschenden mechanistischen Weltbild folgend galt es, das große Ganze in möglichst kleine Einzelteile zu zerlegen, um ihre Funktionsweise zu ergründen.

Doch heute hat sich dieses Bild dramatisch gewandelt. Inzwischen sprechen Geowissenschaftler ganz selbstverständlich vom "System Erde" und Klimaforscher versuchen, mit immer aufwändigeren Computermodellen die komplexen Rückkopplungsmechanismen unseres Planeten zu ergründen und zu simulieren. Nicht mehr nur die Einzelkomponenten sind Gegenstand der Forschung, sondern das System Erde als Ganzes, die komplexen Wechselwirkungen, die unseren Planeten in der Balance halten.

Plato 
Plato
© IMSI MasterClips
Aber bis es zu dieser Sichtweise kam, war einiges an Umdenken nötig. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistete der Physiker James Lovelock mit seiner provokanten Gaia-Hypothese - der Sicht der Erde als einem lebendigen Organismus.

Diese Idee ist keineswegs grundsätzlich neu: Schon der griechische Philosoph Plato hatte konstatiert: "Wir bekräftigen, dass der Kosmos, mehr als allem anderen, einem lebendem Wesen gleicht, von dem alle anderen lebenden Wesen ein Teil sind." Und auch James Hutton, einer der Väter der Geologie, beschrieb im 18. Jahrhundert die Erde als eine Art Superorganismus, als ein physiologisches System.

Ein Zeitgenosse von Hutton, der Mediziner Lewis Thomas, sah die Erde ebenfalls als Einheit, als ein zellähnliches System: "Vom Mond aus betrachtet ist das Atemberaubendste an der Erde, dass sie lebendig ist. Sie hat das organisierte, selbsterhaltende Aussehen einer lebendigen Kreatur, voller Information, unglaublich geschickt im Umgang mit der Sonne. Ich habe versucht, von der Erde als einem Organismus zu denken, aber das funktioniert nicht, es gleicht mehr einer lebenden Zelle."

Doch ob Superorganismus, Organismus oder Zelle - spätestens seit dem Zeitalter der Aufklärung galten diese Sichtweisen bestenfalls als suspekt, meist jedoch als unwissenschaftlich und romantisierend. Entsprechend umstritten war und ist teilweise heute noch die Vorstellung von Gaia...

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