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Donnerstag, 09.02.2012
Guano
Das weiße Gold Perus

In der Inkasprache Quechua bedeutet der Name Huanu "Mist, mit dem man düngt". Durch einen Aussprachefehler wurde aus Huanu schließlich Guano, ein heute gängiger Begriff für Seevögelexkremente, die als Mineraldünger genutzt werden.

Kormorane 
Kormorane
© NOAA
Die fischreichen Auftriebsgebiete des Humboldtstroms ermöglichen vor allem auf Inseln vor der Küste Chiles und Perus die Bildung riesiger Populationen von Kormoranen, Tölpeln, Pelikanen und anderer Seevögeln. In dem dort herrschenden, wüstenhaften Küstenklima wird deren Kot wegen der Regenarmut nicht von den Felsen abgewaschen, sondern trocknet aus. Über Generationen reichert sich somit eine unvorstellbare Menge an Vogeldung an. Auf den Chincha-Inseln vor der Südküste Perus waren die Guanohaufen bis zu 30 Meter hoch.

Bereits schon zu Beginn der Nasca-Kultur in der Zeit zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert v. Chr. wurde an der Westküste Südamerikas Vogelmist als natürlicher Dünger verwendet. Der Guanoabbau durch die Inkas Mitte des 15. Jahrhunderts war besonders auf eine langfristige Nutzung und auf eine ständige Erneuerung des wertvollen Dunges bedacht. Zur Brutzeit der Vögel war es daher unter Androhung der Todesstrafe verboten, die streng bewachten Vogelinseln zu betreten oder einen Vogel gar zu töten. Um den Gott des Guanos Huamancantac milde zu stimmen, hinterlegten die Inkas vor jedem Abbau des Guanos Opfergaben auf den Guano-Inseln. Darunter befanden sich auch wertvolle Gegenstände aus Silber.

Ohne Rücksicht auf Verluste
Dieser respektvolle und nachhaltige Umgang der mit den natürlichen Düngemittelressourcen fand ein Ende, als Alexander von Humboldt den peruanischen Guano in Europa einführte. Seit 1848 boomte der Exporthandel des begehrten Stickstoff- und Phosphatdüngers. Hauptabnehmer war England, gefolgt von Frankreich, Deutschland und Belgien.

Durch einen rücksichtslosen Raubbau wurden bereits 1861 376.667 Tonnen peruanischer Guano in einem Wert von knapp 17 Millionen US$ verladen, berichtet M. Wipki von der Technischen Universität Berlin. Unter ständiger Belästigung der Guyanas, den Kormoranen, auch während der Brutzeit, steigerte sich der Abbauertrag schnell ohne Rücksicht auf die Natur. 1870 wurden bereits 520.000 Tonnen Guano alleine nach Deutschland exportiert.

Kein Wunder, dass die natürlichen Vorräte auf den peruanischen Inseln bereits 1871 völlig erschöpft waren. Spätestens ein Jahrhundert später war die Blütezeit der Guano-Gewinnnung endgültig vorbei. 1971 konnte lediglich nur noch ein Zwanzigstel der Rekorderträge aus dem vorigen Jahrhundert abgebaut werden.

Dies hatte mehrere Gründe. Zum einem wurde den Seevögeln Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Hauptnahrungsquelle durch die florierende Anchovis-Fischerei von der Fischmehlindustrie streitig gemacht. Zum anderen fiel ein beträchtlicher Teil der Guanovögel der mehrmals wiederkehrenden Naturkatastrophe El Niño zum Opfer. Die Vögel verhungerten, weil die Anchovis-Schwärme dem Plankton im kalten Wasser unter der warmen Wasseroberfläche folgten. Die nährstoffreiche, kalte Wasserschicht verschiebt sich in El Niño Jahren in Tiefen, in die kein Seevogel hinabtauchen kann.

Alternativer Guano
Um den "echten Peru-Guano" zu ersetzen, wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit künstlichen Mischungen aus Pinguin- und Robben-Guano von minderer Qualität gehandelt. Auch in Europa arbeitete man mit alternativen Düngemitteln. Mit Schwefelsäure behandelte Fische und Fischabfälle wurden getrocknet und kamen zu Pulver zermahlen als "Helgoländer Fisch-Guano" auf den Markt. Auch "Altonaer Algen-Guano" und entsprechend behandelte Walfischabfälle, der"Walfisch-Guano" kamen auf den Markt. Besonders exotisch war die Verwendung von Maikäfern in Form von Guano für Düngezwecke.

Die heute verwendete gängige Alternative zu Vogel-Guano und synthetischen Düngern sind Fledermausexkremente. Dabei hat Fledermaus-Guano einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu Vogel-Guano hat Fledermaus-Dung keinen strengen Eigengeruch, denn auf dem Speiseplan der Fledermäuse stehen nicht Fische, sondern Früchte und Insekten.

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