• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 17.11.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Energie aus Meereswellen

Science oder Fiction?

Meereswellen: Das klingt nach Brandungsrauschen, romantischen Sonnenuntergängen am Strand, spannenden Segeltörns oder akrobatischen Wellenreitern vor Hawaii. Meereswellen das bedeutet aber auch Sturmfluten, Deichbrüche, millionenschwere Sachschäden und zahllose Todesopfer. An die Nutzung der Wellen zum Zwecke der Energieproduktion denkt dagegen normalerweise kaum jemand.

Abendstimmung am Meer

Abendstimmung am Meer

Meereswellen entstehen meist durch kräftigen Wind, der längere Zeit in eine bestimmte Richtung weht. Luftdruckveränderungen über den Ozeanen und die Anziehungskräfte von Sonne und Mond unterstützen diesen Prozess. Die so entstandenen Wogen wandern mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von circa 15 Meter pro Sekunde über die Ozeane, im Extremfall können aber auch Spitzenwerte von bis zu 30 Meter pro Sekunde erreicht werden. Das Energiepotential, das sie in sich tragen ist dementsprechend enorm.

Weltweit haben findige Forscher deshalb zahllose Vorschläge zur Nutzung dieser alternativen Energiequelle gemacht. Allein in Großbritannien waren es zwischen 1856 und 1973 weit mehr als 300. Manche dieser Vorhaben muteten eher kurios an, andere dagegen waren durchaus ernst zu nehmend. Der endgültige Durchbruch für diese Form der Energieerzeugung war leider noch nicht darunter.

Viele dieser Projekte fanden sogar nicht einmal ihren Weg vom Reissbrett oder Computer der Erfinder und Forscher in die Realität. Der Leipziger Experte für Meeresenergie Kai-Uwe Graw hat in seiner Habilitationsschrift mehrere Hundert Wellenkraft-Projekte gesichtet und dokumentiert, lediglich zehn - so ermittelte er - wurden letztlich wirklich umgesetzt.

In den USA wurden die Forschungsaktivitäten zur Nutzung der Wellenenergie zwischenzeitlich sogar ganz eingestellt, da man eine ökonomische Nutzung dieser Energieform für schlichtweg unmöglich hielt.

Auch wenn die Nutzung der Wellenenergie weltweit noch immer in den Kinderschuhen steckt, versprechen sich viele Forscher mittlerweile für die Zukunft davon jedoch einiges. Wenn es beispielsweise gelingt nur einen Bruchteil der zwei bis drei Millionen Megawatt Energie zu nutzen, die die Brandungswellen in sich tragen, wären die schlimmsten Energieprobleme der Erde gelöst.

Immerhin gibt es bereits heute einige vielversprechende Projekte, die auf längere Sicht eine größere kommerzielle Nutzung der Wellenenergie möglich scheinen lassen. Dem Ideenreichtum der Wissenschaftler und Techniker sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Manche Vorhaben versuchen an den Küsten den Brandungswellen ihre Energie zu entlocken, andere basieren auf verankerten oder freischwimmenden Plattformen und wandeln die Bewegungsenergie der Meereswellen mithilfe von Knickflößen, Schaufelrädern, Zylindern und Turbinen in elektrische Energie um.

Der Energie-Output solcher Anlagen ist allerdings meist sehr niedrig. Um beispielsweise ein Kernkraftwerk wie in Grohnde mit einer Leistung von 1.360 MW zu ersetzen, müssten diese Kraftwerke schon riesige Dimensionen annehmen. Vor der schottischen Nordwestküste, wo die Energiepotentiale der Meereswogen erfahrungsgemäß sehr hoch sein können, wären selbst unter optimalen Bedingungen fast 100 Kilometer an genutzter Wellenfront dafür notwendig. Ob diese Projekte dann noch den Anspruch von billiger und umweltfreundlicher Energie erfüllen, ist mehr als fraglich.

So verlockend die Nutzung der Wellenenergie auch ist, sie hat auch ihre Tücken. Dies bekamen beispielsweise die Betreiber des Wellenkraftwerkes OSPREY vor der schottischen Küste zu spüren. Die auf dem Meeresboden verankerte Anlage wurde noch in der Bauphase während eines Sturms durch die Kraft gigantischer Wellen fast vollständig zerstört...

Stand: 14.05.2001
 
Printer IconShare Icon