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Samstag, 17.11.2018
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Geräuschlos und sauber

Die Nutzung der Meeresströmungen

Nicht nur die Luft der Atmosphäre, auch die Wassermassen der Ozeane sind in ständiger Bewegung. Die großen Meeresströmungen wie der warme Golfstrom vor der Küste Europas oder der kalte Humboldt-oder Peru-Strom vor Südamerika transportieren das Meerwasser rund um die Erde. Angetrieben werden die Meeresströmungen vom Wind, von den Gezeiten, dem Wassertemperaturgefälle durch die unterschiedlich starke Sonneneinstrahlung in den verschiedenen Ozeanbereichen und den differierenden Salzgehalten der Meere. Die Fließgeschwindigkeiten des Wassers sind dabei teilweise enorm. Kein Wunder, dass man mittlerweile auf die Idee gekommen ist, auch diese zur Stromproduktion zu nutzen.

Karte der Meeresströmungen

Um an die Energie, die in den Strömungen steckt heranzukommen, verankern Meerestechniker an geeigneten Stellen vor der Küste riesige Rotoren, die das fließende Wasser in Drehung versetzt. Über einen Generator wird dabei Strom erzeugt, der in vielfältiger Weise genutzt werden kann. Die Rotoren der "Windanlagen unter dem Meer" sind an einem Turm befestigt, der bis über die Wasseroberfläche hinausragt und im Meeresboden mit einem Betonsockel fixiert ist.

Die Vorteile dieses modernen Technik liegen auf der Hand: Die Energieproduktion erfolgt geräuschlos und sauber, die weitgehend unter der Wasseroberfläche liegenden Kraftwerke zerstören das Landschaftsbild nicht und die Energiegewinnung kann ohne größere Schwankungen und sehr kontinuierlich erfolgen - Meereströmungen ändern ihre Richtung und Intensität nur sehr langsam. Und selbst für diesen Fall der Fälle sind die Macher gerüstet: Sollte sich der Verlauf der Strömung doch einmal verschieben, kann man die Ausrichtung des Turms - des sogenannten Monopile - und damit auch der Rotoren so lange anpassen, bis wieder optimale Fließverhältnisse herrschen.

Kann die Nutzung der Meereströmungsenergie die Energiequelle für das nächste Jahrtausend werden? Für eine erfolgreiche kommerzielle Nutzung müssen moderate Strömungsgeschwindigkeiten von mindestens zwei bis zweieinhalb Meter pro Sekunde in Wassertiefen zwischen 20 und 35 Metern vorhanden sein. Laut einer ersten, unvollständigen, wissenschaftlichen Studie sind optimale Bedingungen für die Nutzung von Meeresströmungen allein in Europa an mehr als 100 Standorten zu finden. Über 12.000 MW Leistung könnten installiert werden - so viel wie zehn durchschnittliche Atomkraftwerke liefern.

Ganz so weit ist man aber noch nicht. Ein echter Praxistest steht noch aus. Sollte sich die Technik aber bewähren, sind in Zukunft gewaltige Unterwasser-Parks geplant, die ganze Landstriche mit Energie versorgen sollen. Die Stromproduzenten und -Verbraucher in Deutschland allerdings haben leider keinen Grund in Euphorie auszubrechen. Wie schon bei den Gezeitenkraftwerken gibt es auch für die Nutzung der Meeresströmungen an unseren Küsten wohl keine geeigneten Standorte.

Anders sieht dies an der britischen Küste aus. Vor Cornwall entsteht zurzeit eine 300-KW-Pilotanlage zur Nutzung der Meeresströmungsenergie mit dem Namen "Seaflow". An diesem Projekt beteiligt sind auch deutsche Forscher vom Institut für Solare Energieversorgung und vom Institut für Elektrische Energieversorgungstechnik der Gesamthochschule Kassel. Unklar war bis zuletzt noch, ob das Kraftwerk mit einen Rotor von 15 Metern Länge bestückt wird oder ob nicht doch zwei etwa zehn Meter lange "Wasserräder" günstiger sind. Für mindestens ein Jahr soll das Kraftwerk im Testbetrieb Strom in das englische Stromnetz einspeisen. Experten rechnen damit, dass diese Technik vielleicht in zehn Jahren wettbewerbsfähig sein könnte....
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Stand: 14.05.2001
 
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