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Freitag, 10.02.2012
Ab in den Untergrund
Das Projekt Sleipner

Sie ragt 120 Meter aus der aufgewühlten See, fördert 25 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag und gilt als wegweisend: Die 250 Kilometer vor der norwegischen Küste liegende Gasförderplattform „Sleipner“. Zum ersten Mal wird hier in kommerziellem Rahmen ein Verfahren der CO2-Sequestrierung erprobt.

Die Gasförderplattform Sleipner 
Die Gasförderplattform Sleipner
© Statoil
Auf der Bohrinsel fallen jeden Tag rund 2.800 Tonnen Kohlendioxid an. Eine gewaltige Menge, die für die Energieproduktion nutzlos ist und normalerweise einfach in die Luft abgegeben wird. Aber nicht auf „Sleipner“: Denn hier läuft seit 1996 im Auftrag des norwegischen Ölkonzerns Statoil und anderer Firmen ein Pilotprojekt, bei dem das Kohlendioxid vom Erdgas abgetrennt, verflüssigt und anschließend mithilfe einer Pipeline wieder in den Untergrund gepumpt wird.

Das flüssige CO2 landet 800 Meter unter dem Meeresboden in der ausgedehnten „Utsira“-Sandsteinschicht. Diese mit salzhaltigem Grundwasser gefüllte Schicht porösen Gesteins erstreckt sich über mehrere hundert Kilometer Länge und rund 150 Kilometer Breite und bietet dem Treibhausgas damit reichlich Platz, sich auszubreiten. Eine undurchlässige Deckschicht sorgt dafür, dass das Kohlendioxid nicht nach oben entweichen kann.

Sicher verstaut?
 CO2-Injektion in die Utsira-Formation
CO2-Injektion in die Utsira-Formation
© Statoil
Dass tatsächlich kein Gas aus seinem unterirdischen „Grab“ heraussickert, haben inzwischen Untersuchungen des EU Forschungsprojekts SACS („Saline Aquifer CO2 Storage“) am Utsira-Sandstein gezeigt: Mithilfe von seismischen Messungen testeten die Wissenschaftler unter der Leitung von Statoil-Wissenschaftler Tore A. Torp die Ausbreitung des Kohlendioxids und gaben 1999 Entwarnung: Innerhalb des zu diesem Zeitpunkt bereits drei Jahre dauernden Befüllungszeitraumesgab es keinerlei Hinweise auf ein Austreten des Gases aus der Sandsteinschicht. Und auch in den nächsten paar hundert Jahren hält Torp ein Leck für höchst unwahrscheinlich. Er erklärt: „Wir können natürlich nicht versprechen, dass es für immer dort unten bleibt, aber bis zur nächsten Eiszeit in fünf- bis zehntausend Jahren sollte es halten."

Und bis dahin ist nicht nur noch viel Zeit, es gibt auch noch jede Menge Platz für weiteres CO2: Sleipner injiziert zur Zeit jährlich gerade einmal eine Millionen Tonnen. Bei einer Dicke von rund 250 Metern könnte der Sandstein aber allein an dieser Stelle 600 Milliarden Tonnen des Treibhausgases aufnehmen – genug, um die gesamte CO2-Produktion der europäischen Kraftwerke für 600 Jahre aus dem Verkehr zu ziehen.

Großes Potenzial
Auch weltweit gilt eine Speicherung von CO2 in solchen salinen Aquiferen als besonders vielversprechend, den sie besitzen nach Ansicht von Experten von allen unterirdischen Speichern das größte Potenzial. Der IPCC schätzt die globale Kapazität auf bis zu 1.000 Gigatonnen Kohlenstoff, andere Studien gehen von mindestens 90 bis 650 Gigatonnen Kohlenstoff aus. In Deutschland könnten nach Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe immerhin 23 bis 43 Milliarden Tonnen CO2 in solchen salzigen Grundwasserleitern eingelagert werden – genug, um darin 100 Jahre lang die Emissionen sämtlicher deutscher Kohlenkraftwerke unterzubringen.

Ermutigt durch den Erfolg mit Sleipner planen die Norweger bereits das nächste Kohlendioxidlager: Im Snovhit-Gasfeld in der Barentssee, 200 Kilometer vor der norwegischen Küste, sollen in Zukunft 23 Millionen Tonnen CO2 – das entspricht zwei Prozent der gesamten CO2-Emissionen Norwegens – „versenkt“ werden.

Doch auch anderswo wird inzwischen eifrig „in die Tiefe“ geblickt...

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