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Freitag, 10.02.2012
Wie geht es weiter?
Zukunftschancen der Sequestrierungstechnologie

Das eine Sequestrierung des CO2 theoretisch durchaus einen Beitrag zur Reduktion der weltweiten Treibhausgasemissionen leisten könnte, bezweifelt im Prinzip kaum jemand. Ob sich diese Technologien und Verfahren allerdings zukünftig auch verbreiten und etablieren, ist vor allem von davon abhängig, ob sie sich „lohnen“.

CO2-Emittent Kraftwerk 
CO2-Emittent Kraftwerk
© BMU/H.G.Oed
Der Wirtschaftswissenschaftler Richard Eckaus vom Massachussetts Institute of Technology (MIT) hat gemeinsam mit Kollegen 1997 die Bedingungen untersucht, die die Verbreitung von Abscheidungs- und Speichertechnologien für CO2 beeinflussen. Dafür vergleichen die Wissenschaftler drei verschiedene Szenarien der Stromerzeugung: eine mit konventionellen Kraftwerken, eine mit erneuerbaren Energien und eine aus fossilen Brennstoffen gekoppelt mit einer CO2-Sequestrierung.
Die Ergebnisse dieser Studie werden auch im Bericht des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung von 2003 ausführlich zitiert.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die CO2-Sequestrierung nur dann überhaupt Marktchancen hat, wenn die Effizienzverluste durch die Abscheidung unter 20 Prozent liegen und die Zusatzkosten für Abtrennung, Transport und Lagerung des Kohlendioxids 20 bis 25 Prozent nicht übersteigen. Dann, und nur dann, könnte eine „mittlere Marktdurchdringung“ erreicht werden. Im Klartext heißt das: Bis 2050 wären maximal 20 Prozent aller Kraftwerke oder sonstigen CO2-Emittenten mit einer solchen Technologie ausgerüstet.

Und dies auch nur dann, wie die Autoren der Studie betonen, wenn weder erneuerbare Energien noch Emissionshandel in größerem Umfang genutzt werden. Denn ein internationales Emissionshandelssystem könnte die Preise für eine Tonne Kohlenstoff auf ein niedrigeres Niveau drücken. Die Stromerzeugung mit Sequestrierung wäre damit aber selbst mit maximaler Kostenreduktion absolut nicht konkurrenzfähig. Wird die Nutzung erneuerbarer Energien verstärkt und durch technologische Weiterentwicklungen auch in ihrer Effizienz verbessert, könnte dies, so die Einschätzung von Eckaus und Kollegen, die Markteinführung von Sequestrierungstechnologien um 15 bis 20 Jahre verzögern.

Angesichts der Tatsache, dass die CO2-Abscheidung und –Lagerung eigentlich von vielen gerade als Überbrückung und Zwischenlösung vor Erreichen eines „Energiewende-Zeitalters“ propagiert wird, stimmen diese Ergebnisse nicht wirklich hoffnungsvoll. Zumal in diesem Punkt in Wissenschaftlerkreisen weitestgehend Einigkeit herrscht. Greg Rau, Geowissenschaftler des Lawrence Livermore National Laboratory in San Francisco bringt das Dilemma auf den Punkt: „Sie [die privaten Energiekonzerne] brauchen eine Motivation, um mit der Sequestrierung des CO2 zu beginnen und sie brauchen Methoden, die effektiv sind und sowohl ökonomisch als auch ökologisch praktikabel.“

Viel wird daher davon abhängen, ob die intensiven Forschungsbemühungen der Wissenschaftler Wege finden, die Effizienzverluste und die Kosten für die Sequestrierung zu begrenzen. Aber gleichzeitig – und dies mahnen vor allem Kritiker der Sequestrierungs-Euphorie an – dürfen jedoch auch die anderen Möglichkeiten des Klimaschutzes nicht vernachlässigt werden.

So weist die Gesellschaft Deutscher Chemiker beispielsweise darauf hin, dass allein durch Rekultivierung, Aufforstung und verbesserte Anbaumethoden global mehr als 18 Milliarden Tonnen CO2 auf natürlichem Wege „sequestriert“ werden könnten. Das ist nicht nur ein Vielfaches dessen, was durch verfahrenstechnische Lösungen erreicht werden kann, sondern auch ungleich günstiger: Die Speicherung einer Tonne CO2 durch Aufforstung kostet im Durchschnitt fünf Euro, in Entwicklungsländern wegen der niedrigeren Löhne sogar nur einen Euro.

Dennoch: Im Hinblick auf den Klimawandel und steigende CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre kann die Menschheit sicher jede Chance zur Reduktion der Emissionen gut gebrauchen – egal ob durch Vermeiden, Nutzung von natürlichen Senken oder technisches „Wegsperren“. Dieser Ansicht scheint auch das IPCC zu sein, jedenfalls plant es für 2005 einen Bericht speziell zum Thema CO2-Sequestrierung...

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