Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Alibi oder Abhilfe?
Sinn und Effektivität der Sequestrierung

Die Idee einer „Endlagerung“ des Kohlendioxids irgendwo in der Tiefe klingt verlockend – vor allem für Vertreter der konventionellen Energiewirtschaft: Denn praktischerweise könnte dabei in der Energieproduktion zunächst erstmal „Alles beim Alten“ bleiben. Die Industrie kann weiterhin beruhigt Kohle, Öl oder Gas nutzen und damit die althergebrachten Technologien und Verfahren nutzen. Einziger Unterschied: Das CO2 verschwindet hinterher nicht durch den Schornstein, sondern wandert über Pipelines oder spezielle Behälter in die Speicherorte im Untergrund oder wird über Schiffe im Ozean „verklappt“. Hier bleibt es dann für Jahrhunderte oder Jahrtausende gespeichert und ist damit „aus dem Weg“.

Ölpumpen in den USA 
Ölpumpen in den USA
© IMSI MasterClips
Eine vermeintlich bequeme Lösung. Und nicht ganz zufällig gelten gerade die notorisch klimaschutzfaulen USA als Vorreiter in Sachen CO2-Sequestrierung: Das amerikanische Energieministerium hat bereits 1997 ein umfangreiches Forschungsprogramm zur CO2-Sequestrierung begonnen. Ziel ist es, bis 2012 „kommerziell einsetzbare Technologien zu entwickeln, mit denen Kohlendioxid abgeschieden und gespeichert werden kann, die die Gesundheit von Mensch und Ökosystemen schützen und die Energiepreise um nicht mehr als zehn Prozent ansteigen lässt.“ Spätestens im Jahr 2009 soll der erste Großversuch der Lagerung von Kohlendioxid in einer geologischen Formation starten.

Und nicht nur in den USA, auch im „alten Europa“ werden mittlerweile vermehrt Anstrengungen unternommen, um Möglichkeiten und Verfahren der CO2-Abtrennung und -Lagerung im Untergrund zu erforschen. Die EU hat kürzlich beschlossen, ihren bisherigen Forschungsetat für diesen Bereich von 30 auf 200 Millionen Euro aufzustocken, und im Juni 2003 unterzeichneten die USA, die EU, Russland, Brasilien, Indien und China eine internationale Charta für das „Carbon Sequestration Leadership Forum“, in dem sie sich zu verstärkter Forschung verpflichten.

Auch in Deutschland untersuchen Wissenschaftler bereits Speichermöglichkeiten für CO2 in verschiedenen Untergrundgesteinen und arbeiten daran, neue Technologien für die Abtrennung und die Injektion des Kohlendioxids zu entwickeln. Vor allem das Forschungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN mit seinem Themenschwerpunkt „Erkundung, Nutzen und Schutz des unterirdischen Raumes“ bildet hier eine Plattform zur Bündelung der verschiedensten Forschungsaktivitäten.

Doch die Begeisterung für die neue „Patentlösung“ in Sachen Klimaschutz wird bei weitem nicht von allen Experten geteilt. Um einen nennenswerten Effekt auf die Treibhausgaskonzentrationen der Atmosphäre zu haben, müsste die Sequestrierung für mindestens die Hälfte der nötigen Reduktionen sorgen, schätzt das US-Energieministerium. Doch ob das technisch und wirtschaftlich überhaupt erreichbar wäre, ist umstritten. So geht das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in seinem Weltklimabericht von 2001 zwar auf Techniken und Potenzial der CO2-Sequestrierung ein, bewertet ihren Beitrag zur Erreichung einer Treibhausgasreduktion aber höchst unterschiedlich. Die Werte in den verschiedenen Szenarien variieren dabei zwischen Null und gerade einmal 23 Prozent...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
Ab in den Untergrund
Das Projekt Sleipner
Öl raus, Gas rein
Ölfelder als CO2-Speicher?
Gas rein, Gas raus
Speicherung in Gas- und Kohlelagerstätten
Trockeneis in die Tiefsee
Ozeane als Kohlendioxidspeicher?
Mit dem Eisenexpress in die Tiefe?
CO2-Speicherung durch Eisendüngung des Meeres
Ein endlicher Puffer...
Ozeane als „Lösung auf Zeit“
Alibi oder Abhilfe?
Sinn und Effektivität der Sequestrierung
Eine Frage des Geldes...
Die Kosten der Sequestrierung
Wie geht es weiter?
Zukunftschancen der Sequestrierungstechnologie
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links ud Literatur zum Thema
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen