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Freitag, 10.02.2012
Von Nixen, Sirenen und Meerjungfrauen
Die Welt der Seekühe

Seekuh oder Sirene 
Seekuh oder Sirene
© NASA/KSC
Kaum eine andere Tierordnung - vielleicht mit Ausnahme der Riesenkraken - hat die Fantasie der Menschen so sehr beschäftigt wie die Sirenen oder Seekühe. Ob in Griechenland, in Australien oder Südamerika, fast überall auf der Welt gehen die zahllosen Sagen, Mythen und Märchen von Nixen und Meerjungfrauen auf die Existenz der Sirenen zurück.

Homer liess sie in seinem Epos "Odyssee" einen betörenden Gesangsangriff - Madonna oder Britney Spears würden vor Neid erblassen - auf Odysseus und seine Männer starten, malinesische Märchen beschreiben die Verwandlung eines Mädchens zur Sirene und sogar Christoph Kolumbus soll laut Überlieferungen die Seekühe auf seiner ersten Amerikafahrt für Meerjungfrauen gehalten haben.

Wie aus den harmlosen, plump-schwerfällig wirkenden, völlig harmlosen Seekühen in der Vorstellung der Menschen schöne Nixen und betörende Meerjungfrauen werden konnten, die danach trachteten, Menschen und Schiffe ins Verderben zu locken, ist völlig rätselhaft. Allenfalls der typische horizontal gestellte Fischschwanz der Seekühe und die Milchdrüsen zwischen den paddelartig umgestalteten Vorderextremitäten erinnern bei den Seekühen vage an die berühmten Fabelwesen.

Elefanten als Verwandte
Ebenso erstaunlich wie die Mythen und Sagen, die sich um die Seekühe und Sirenen ranken, sind aber auch ihre Verwandschaftsbeziehungen. Nicht, wie man auf den ersten Blick meinen könnte, Walen oder Robben, sondern Elefanten, Schliefern und anderen Huftieren stehen sie stammesgeschichtlich am nächsten.

Bereits vor mehr als 40 Millionen Jahren lebten die Urformen der Sirenen in den Meeren und bevölkerten als so genannte Protosirenen weite Bereiche der Karibik und des Westatlantiks. Heute gibt es nur noch zwei Familien von Seekühen auf der Erde, die Gabelschwanz-Seekühe (Dugongidae) und die Rundschwanz-Seekühe (Trichechidae). Wie der Name bereits andeutet, lassen sie sich schon anhand der Form ihres Schwanzes leicht unterscheiden.

Während sich alle Seekühe gerne in flachen Gewässern aufhalten und dort in ein bis fünf Meter Tiefe nach Wasserpflanzen suchen, bevorzugen viele Arten Süß- und Brackwasser als Lebensraum. Die Fluss-Manitis haben sogar fast das gesamte Amazonas-Gebiet zu ihrer Spielwiese gemacht. Es gibt nur eine einzige Sirenenart, die fast ausschließlich das Meer bewohnt, den Dugong.

Nasen und Ohren der Sirenen sind als Anpassung an ihren Lebensraum verschließbar, und wie bei den Walen ist das Innenohr völlig vom Schädel abgetrennt. Sie besitzen deshalb ein gutes räumliches Hörvermögen und empfangen selbst Ultraschalllaute. Trotz des Fehlens von Stimmbändern senden die Sirenen auch selbst Ultraschalltöne und für den Menschen hörbare Laute aus.

Erstaunlich ist bei den Sirenen - mit Ausnahme der Dugongs - der Ablauf des Zahnwechsels. Fünf bis acht Backenzähne besitzen diese Tiere Zeit ihres Lebens in jeder Kieferhälfte. Da die Leibspeisen der Sirenen, die Wasserpflanzen, viel Kieselsäure enthalten und stark mit Sand versetzt sind, nutzt der vorderste Backenzahn schnell ab und fällt aus. Während am Hinterende der Zahnreihe ein neuer Backenzahn gebildet wird, rücken die anderen Zähne fast in militärischer Ordnung Stück für Stück weiter nach vorne und schließen die entstandene Lücke.

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