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Freitag, 10.02.2012
Walfleisch als Sondermüll?
Der Leidensweg der Cetacea ist noch nicht zu Ende

Auftauchender Wal 
Auftauchender Wal
© NOAA/NMML
Spätestens seit 1979 gibt es echte Erfolge beim Schutz der Wale zu vermelden. Damals wurde für den Indischen Ozean ein großes Walschutzgebiet beschlossen. Nutznießer war damals vor allem der Blauwal, der in diesem Ozeangebiet seine Jungen großzieht. 15 Jahre später folgte das Schutzgebiet im Südpolarmeer. Damit wurden drei Viertel der Futter- und Jagdgebiete der Wale dem Zugriff der Walfänger entzogen. Initiativen für weitere Schutzzonen im Südatlantik und -pazifik scheiterten dagegen häufig am Widerstand hartnäckiger Walfangnationen wie Japan und Norwegen - zuletzt noch auf der 53. Jahreskonferenz der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) 2001.

Immerhin: Seit 1986 gilt ein internationales Verbot für den kommerziellen Walfang. Einige Länder jagen trotzdem weiter Wale - angeblich aus wissenschaftlichen Gründen. Sie nutzen dabei eine Lücke in der Konvention aus. Die Moby Dicks für die Walforschung landen nach Informationen von Greenpeace und anderen Umweltschutzverbänden irgendwann dann aber doch auf den Speisekarten der Restaurants und damit beim Endverbraucher. Bis zu 600 Mark pro Kilo Walfleisch sollen beispielsweise in Japan gefordert und auch bezahlt werden.

Kein Wunder, dass das Land von Geisha, Godzilla und Ginkgo beispielsweise allein dieses Jahr bis zum August schon mehr als 150 Minke-, Bryde- und Pottwale getötet hatte, doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor. Auch das Walfang-Moratorium selbst steht beständig auf der Kippe. Immer wieder haben die führenden Walfangnationen auf den IWC-Tagungen versucht, den kommerziellen Walfang wieder aus der Mottenkiste zu holen. Bisher zumindest ohne Erfolg.

Dabei gibt es durchaus friedliche Methoden, um mit Walen Geld zu verdienen. Whale Watching ist eines der Stichworte, das in den letzten Jahrzehnten vielen ehemaligen Walfängern den Schritt weg von der Jagd auf die Meeresriesen erleichtert hat. Immer mehr Menschen interessieren sich für die Bootstouren zur Walbeobachtung und bieten den Walfängern a.D. eine mitunter kräftig sprudelnde Einnahmequelle.

Beluga 
Beluga
© NOAA/NNL
Aber nicht nur der Walfang, noch ein anderes Man-made-Desaster macht den Walen heute arg zu schaffen: Die starke globale Umweltverschmutzung in den Weltmeeren. Vor allem die hoch giftigen Dauergifte oder POPs (vom engl. "Persistent Organic Pollutants") reichern sich auf ihrem Weg durch die Nahrungskette an und können schwere Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs auslösen.

PCBs, DDT, Dioxin oder Tributylzinn (TBT) - ein Gift, das in Schiffsanstrichen eingesetzt wird und von dem jährlich mehr als fünftausend Tonnen in unsere Umwelt gelangen - die Liste der Schadstoffe ist fast unendlich.

Räuber wie die Pottwale oder Orcas sind davon naturgemäß am stärksten bedroht. Aber auch Bartenwale vergiften sich durch die riesigen Mengen an Krill oder anderen Planktonorganismen, die sie täglich aufnehmen. Auch ihre Beute trägt die gefährlichen Dauergifte in sich und gibt sie an die Jäger weiter.

Ein besonders hohes Risiko tragen die Tiere der Polargebiete, da sich die Dauergifte aufgrund globaler Winde und Strömungen in den höheren Breiten besonders stark ansammeln. Wird Walfleisch deshalb schon bald als Sondermüll entsorgt werden müssen, anstatt auf den Tellern der Verbraucher oder den Seziertischen der Wissenschaftler zu landen?

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