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Donnerstag, 17.05.2012
Nicht nur das Meer hat's schwer...
Das giftige Erbe der Industrialisierung

Doch trotz aller Ölkatastrophen, es gibt am Kaspischen Meer auch einige wenige positive Signale für Natur und Umwelt. Die schlechte wirtschaftliche Situation und das Industriesterben in den Staaten rund um das Kaspisches Meer treibt zwar die Arbeitslosigkeit der Menschen in schwindelerregende Höhen, für den See jedoch ist diese Entwicklung ausgesprochen positiv. Die Schadstoffbelastung des des "salzigen Süßwassersees" ist seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erheblich zurückgegangen. Die Folgen dieses wirtschaftlichen Kollaps sind vor allem für die Fischer offensichtlich. Auf den riesigen Fischtrawlern und den kleinen Kuttern ziehen sie seitdem viel weniger kranke oder missgebildete Fische aus dem Wasser.

Sedimentfracht der Wolga 
Sedimentfracht der Wolga
© NASA
Rosig ist die Situation am Kaspi deshalb noch lange nicht. Weiterhin gelangen nach Informationen der Weltbank jährlich über eine Million Kubikmeter ungeklärter Industrieabwässer in das Kaspische Meer. Hauptübeltäter ist die Wolga, die mit ihren Fluten Unmengen an Umweltgiften in den See spült. Wenn der Wind ungünstig steht, kommen über dem Kaspischen Meer aber sogar Luftschadstoffe die vom fernen Teheran herübergeweht werden herunter und verschlimmern die Umweltprobleme noch weiter.

Die Sünden der Vergangenheit und der Gegenwart fordern bei vielen Tierarten ihren Tribut. So haben Wissenschaftler des Umweltforschungsinstituts in der russischen Stadt Astrachan festgestellt, dass sich in den Körpern der Meeresbewohner große Mengen an Giftstoffen angesammelt haben, die dann gelegentlich sogar zu einem Massensterben führen können. Zuletzt waren im Jahr 2000 die Kaspi-Ringelrobben von einem solchen kollektiven Exodus betroffen. Mehr als 4.000 verendeten damals innerhalb kürzester Zeit allein im kasachischen Teil des Kaspischen Meeres. Ein internationales Wissenschaftler-Team stellte im Auftrag der Weltbank fest, dass die durch die Giftstoffe geschwächten Robben vermutlich vom Canine Distemper Virus (CDV) befallen wurden und schließlich auch an der Infektion starben.

Auch wenn es das Meer schwer hat, die ökologischen Folgen der Schwerindustrie, der Landwirtschaft und vor allem der Erdölbranche an Land und in der Luft sind in der Kaspi-Region zum Teil noch viel dramatischer. Besonders betroffen: Die Apsheron-Halbinsel in Aserbaidschan, wo 100 Jahre Erdölförderung ein ganz besonders bitteres Erbe hinterlassen haben. Ungefiltert in die Atmosphäre geblasene Abgase, vergiftete Böden und Grundwasserrreservoire, riesige Seen mit Ölrückständen, jahrelang brennende Ölquellen haben ganze Landstriche zu Todeszonen gemacht.

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