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Donnerstag, 17.05.2012
Der geplante Zufall
Ein norwegischer Pilz hilft bei Organtransplantationen

Alexander Fleming war das Glück sozusagen in die Petrischale gefallen. Diese Geschichte über die zufällige Entdeckung des Penicillins sprach sich natürlich rum. Noch immer bestand Bedarf nach neuen Antibiotika und daher gab es bald Firmen, die dem Zufall ein wenig auf die Sprünge helfen wollten. Im Schweizer Konzern Sandoz wartete man nicht, bis sich ein Pilz in eine Bakterienkultur verirrte, sondern musterte gezielt verschiedene Bodenproben auf potentielle Antibiotika durch. Eine einfache Bodenprobe aus Norwegen sollte bald eine der größten medizinischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts revolutionieren: Die Organtransplantation.

Zunächst wurde die Probe routinemäßig getestet. Die im Boden enthaltenen Schimmelpilze wurden auf einem Nährboden gezüchtet und dann auf eine bakterientötende Wirkung untersucht. In jener norwegischen Bodenprobe aus der Hardanger-Region wurden die Wissenschaftler jedoch zunächst nicht fündig. Keiner der enthaltenen Pilzstämme war zur Entwicklung eines Antibiotikums geeignet. Glücklicherweise war noch ein weiteres Programm vorgesehen, bei dem einige Substanzen auf pharmakologische Wirkungen hin untersucht wurden. Dabei stellte sich heraus, dass die Substanz die Immunabwehr des Körpers beeinflusst.

Bis zu der Entdeckung dieses Pilzes waren Organtransplantationen eher ein riskantes Glücksspiel, denn eine erfolgversprechende Lösung. Zu häufig wurden die transplantierten Organe vom Immunsystem des Körpers als fremd erkannt und angegriffen. Um ein Abstoßen der Organe zu verhindern, wurde daher das ganze Immunsystem lahmgelegt. Die fremden Antigene konnten so nicht mehr erkannt werden, allerdings waren die Patienten dadurch sehr anfällig für Infektionen.

Die Besonderheit des 1970 entdeckten Cyclosporins besteht darin, dass diese Substanz selektiv Lymphozytenkulturen hemmt. Somit werden nur Teile der Immunabwehr unterbunden, das Infektionsrisiko ist geringer und die Organe werden nicht als fremd erkannt. Schnell erkannte man das Potential des neuen Wirkstoffes, bereits 1982 wurde Cyclosporin mit Erfolg weltweit bei Transplantationen eingesetzt. Die Überlebensraten von Patienten nach Leber-, Herz- und Pankreastransplantationen verbesserten sich schlagartig, 1989 wurde die 100.000 Niere transplantiert.

Die Rechnung von Sandoz war aufgegangen, der geplante Zufall bescherte dem Konzern Millionengewinne.

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