Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
„...und nun zum Biowetter“
Wie entsteht die Medizin-Wettervorhersage?

„Für Personen mit hohem Blutdruck besteht heute eine erhöhte Neigung zu Herz-Kreislauf-Beschwerden. Außerdem ist mit einer wetterbedingt verstärkten Anfälligkeit für Krämpfe und Koliken sowie im rheumatischen Bereich zu rechnen. Bluthochdruckkranke sollten sich schonen und besonders die vom Arzt empfohlenen Maßnahmen beachten.“

Bioklimakarte (Ausschnitt) 
Bioklimakarte (Ausschnitt)
© MMCD
Der tägliche Biowetter- oder Medizin-Wetterbericht gehört bei uns schon fast zum Standard: Im Fernsehen als „Rausschmeißer“ am Ende des Magazins „Brisant“ oder aber im Internet als Service des DWD und anderer Anbieter – die Biowetterkarte zeigt, in welchen Regionen Deutschlands mit Wärme- oder Kältereizen zu rechnen ist und wo Schwüle droht. Außerdem gibt die Biowetterprognose meist Tipps, wie sich gesundheitliche Beeinträchtigungen vermeiden lassen.

Wie aber kommt die Bioklimakarte zustande?

Auch hier ist wieder einmal der „Klima-Michel“ mit im Spiel: Um eine Bioklima- oder Biowetterkarte zu erstellen, greifen die Meteorologen auf Erfahrungswerte zurück, genauer gesagt: Auf die Mess- und Beobachtungsdaten deutscher Wetterstationen der letzten dreißig Jahre. Die langfristig ermittelten Temperaturen, Luftdrucke, Windgeschwindigkeiten, Luftfeuchte und andere Faktoren an den verschiedenen Orten werden mit dem Klima-Michel-Modell verrechnet und in gefühlte Temperaturen „übersetzt“. Diese können jetzt in verschiedene Belastungsstufen beispielsweise durch Wärme, Kältereize oder Schwüle eingeteilt werden.

Um festzustellen, an welchen Orten sich die verschiedenen Belastungstypen häufen, müssen im letzten Schritt noch räumliche Gegebenheiten wie Geländeform, Landnutzung und geographische Lage mit einbezogen werden. So sind Kältereize beispielsweise in windgeschützten Tallagen weniger häufig als in den Hochlagen der Mittelgebirge, Wärmestress ist dagegen eher in Siedlungen mit dichter Bebauung zu erwarten als auf dem offenen Land.

Aus allen diesen Faktoren entsteht schließlich eine Bioklimakarte. An ihr ist für jedes Gebiet abzulesen, wie oft im Sommer oder Winter bestimmte gesundheitlich relevante Wetterverhältnisse auftreten. Auf der Basis dieser Karte in Verbindung mit der aktuellen Wetterlage haben Medizin-Meteorologen eine Reihe von Standard-Szenarien entwickelt, mit deren Hilfe sie jeweils die aktuelle „Medizinwetterlage“ beschreiben.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Wetterfühligkeit
Was ist dran am Biowetter?
Wetterleidende Deutsche?
Auftreten von Wetterfühligkeit in Deutschland
Wie wirkt das Wetter?
Die Wetterreaktion unseres Körpers
Die Suche nach Faktor X
Sind Schwerewellen schuld an der Wetterfühligkeit?
Lichtschnell und alles durchdringend...
Spherics als „Faktor X“?
Einer schwitzt und friert für alle
Die gefühlte Temperatur und der „Klima-Michel“
Wenn der Wind weht...
Der Windchill-Faktor
„...und nun zum Biowetter“
Wie entsteht die Medizin-Wettervorhersage?
„Die Jahreszeiten in ihrer Wirkung...“
Die Anfänge der Biometeorologie
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen