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| Produkt der Eiszeit |
| Die Nordseeküste |
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 | | Die Nordseeküste im Überblick © NASA/GSFC/MODIS | Wenn man die gesamte Erdgeschichte als Vergleich nimmt, sind die vielen Sandstrände an der Nordsee, aber auch die Inseln von Texel im Westen bis nach Sylt oder Fanø im Nordosten, heute vom Alter her noch nicht einmal den Windeln entwachsen.
Ein Blick zurück in die Zeit vor rund 6.000 Jahren: Der Meeresspiegelanstieg nach der letzten Eiszeit lässt allmählich nach. Ebbe und Flut aber auch Sturmfluten sorgen langsam aber sicher dafür, dass große Teile des Sands, der sich während der Kaltzeit beispielsweise im ausgetrockneten Ärmelkanal abgelagert hat, immer weiter Richtung Festland geschwemmt wird.
Mit der Zeit sammeln sich vor den Küsten gewaltige Mengen an Sand und anderen Sedimenten an. In einer dicken Schicht überziehen sie den flachen Meeresboden im Küstenvorland und bilden große Sandbänke, aber auch die Grundzüge der Wattlandschaften, die noch heute auf einer Länge von fast 500 Kilometern das Landschaftsbild in dieser Region prägen.
Vor rund 3.000 Jahren sind Sylt und Amrum Teil eines langestreckten Sand- und Dünenwalls, der bis in Höhe der Eidermündung reicht und das dahinterliegende Gebiet einschließlich der Halligen vor dem offenen Meer schützt.
Das Wasser steigt...
Etwa um 1.000 nach Christus ändert sich die Situation wieder. Der Meeresspiegel steigt an und immer heftigere Sturmfluten beginnen an den Küsten und Stränden zu zerren. Innerhalb weniger Jahrhunderte holt sich die Nordsee beispielsweise in Nordfriesland das zurück, was sie den Menschen vorher geschenkt hat.
Zwei große Sturmfluten, die so genannten Manndränken von 1362 und 1634, sorgen dafür, dass die ehemalige Küstenlinie völlig zerschlagen wird und nur noch die Halligen und Sylt, Föhr und Amrum als Vorposten des Festlandes übrig bleiben. Weit über 100.000 Menschen und unzählige Tiere kommen in den Fluten ums Leben.
So weit das rekonstruierte Szenario. Auch wenn man heute noch nicht sicher weiß, ob sich das Ganze damals wirklich so abgespielt hat, gibt es doch einen guten Einblick in die Prozesse, die letztendlich zur Bildung der heutigen Nordseeküste geführt haben könnten.
Geburt einer Inselgruppe
| |  | Die Ostfriesischen Inseln © NASA/GSFC/MODIS | Unter Küstenforschern lange Zeit heftig umstritten war die „Geburt“ der ostfriesischen Inseln. Die Anhänger einer so genannten Strandwall-Hypothese vermuteten, dass vor rund 4.500 Jahren durch Ebbe und Flut große Mengen an Sand an der Küste der Nordsee angeschwemmt wurden. Daraus entstand - so die Theorie – ein gewaltiger zusammenhängender Strandwall, der bis zu 20 Meter hoch gewesen sein soll. Als der Wasserspiegel später weiter anstieg, zerstörte die Nordsee dieses Bollwerk an vielen Stellen und Reste des alten Systems blieben nur in Form der noch heute existierenden Inseln erhalten.
Ganz anders sehen das jedoch die Befürworter der Barriere-Hypothese. Nach ihrer Meinung sind Wangerooge, Borkum & Co das Ergebnis von Wind, Wellen und Küstenströmungen. Diese ließen Sandbänke entstehen, die zunächst noch hin und wieder überschwemmt wurden. Mit der Zeit – so die Forscher - sammelten sich jedoch immer mehr Sedimente an und die nun immer höheren und stabileren „Junginseln“ verfestigten sich. Nach und nach trudelten auch die ersten Tiere und Pflanzen ein. Im Laufe der Jahrhunderte erhielten die Inseln schließlich das uns vertraute Aussehen mit langen Sandstränden und schönen Dünengebieten.
Viele neuere Forschungsergebnisse unterstützen mittlerweile die Barriere-Hypothese und man geht heute daher davon aus, dass die Ostfriesischen Inseln tatsächlich auf diese Weise entstanden sind.
Auch Inseln können wandern...
Doch die Geschichte der Inseln ist noch lange nicht zu Ende. Wind, Gezeiten, Sturmfluten und Küstenströmungen sorgen dafür, dass auch heute noch beständig Sand abgelagert und abgetragen wird. Manche Inseln werden größer – Spiekeroog hat innerhalb von 100 Jahren vier Kilometer an Länge gewonnen – andere Inseln „wandern“ mit den vorherrschenden Wind-und Wasserströmungen von West nach Ost. So liegt der Punkt an dem die erste Kirche Wangerooges stand mittlerweile metertief im Wasser.
Gelegentlich kommt es sogar vor, dass inmitten der Nordsee neue Inseln entstehen. So geschehen seit Mitte der 1970er Jahre östlich von Borkum, wo durch Aufspülungen aus einer ehemaligen Sandbank mittlerweile eine mehrere Kilometer lange und rund einen Kilometer breite Insel, die Kachelotplate, geworden ist...
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Stand 02.04.2004 |
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