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Freitag, 10.02.2012
Sammelsurium aus Formen und Farben
Sand

Sand und Kies 
Sand und Kies
© Dietmar Meier
Was an einem Sandstrand auf den ersten Blick einigermaßen einheitlich und gleichförmig weißlich-gelb erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als sehr inhomogene Mixtur. Fast runde Sandkörner sind darunter genauso zu finden wie eckige oder spitze. Und auch bei den Farben ist von fast weiß über rot, gelb oder dunkelbraun fast alles vertreten.

Rein wissenschaftlich betrachtet ist Sand nichts anderes als eine Ansammlung mineralischen Materials mit einer Korngröße von 0,063 bis zwei Millimeter Durchmesser. Alles was noch kleiner ist, nennt der Fachmann Schluff oder Ton, größere Strukturen bezeichnet man als Kies.

Der Sand an den Stränden oder auf den Sandbänken enthält oft sehr viel Quarz, da dieses Mineral sehr hart - Härte sieben auf der Mohs‘schen Skala, die von eins (Speckstein) bis zehn (Diamant) reicht - und deshalb sehr resistent gegen Umwelteinflüsse, wie Wind oder Wasser ist.

Doch wie kommt dieses eigentümliche Sammelsurium eigentlich zu Stande? Machen wir uns mit einem Sandkorn auf die Reise zu seinen Ursprüngen, auf einen Ausflug in die Erdgeschichte. Die Exkursion beginnt normalerweise fernab seines Fundortes in einem Hochgebirge oder Felsmassiv. Die Hauptrollen in diesem Millionen Jahre dauernden Epos spielen zunächst Erosion und Verwitterung.

Teamarbeit zerstört den Fels
Sonne, Regen, Frost, Wind und zahlreiche verschiedene Kleinstlebewesen sorgen in perfekter „Teamarbeit“ dafür, dass selbst härteste Felsformationen und Gesteine zerstört und in immer kleinere Fraktionen zerlegt werden. Dabei entsteht ein Gemenge aus verschiedensten Mineralen wie Salzen oder Tonmineralen, aber auch feine Quarzsande sind darunter. Letztere können direkt mit dem Wind abtransportiert werden und lagern sich meist dort ab, wo die Erdkruste durch tektonische Prozesse absinkt und sich riesige Senken bilden. Dabei sind im Laufe der Zeit gigantische Sandlager entstanden, die teilweise noch heute ausgebeutet werden und den begehrten Rohstoff für die Bauwirtschaft, aber auch für die Glas- und Chipproduktion liefern.

Bei den übrig gebliebenen Resten der Verwitterung, größeren Gesteinsbrocken oder Kieseln, betreten jetzt zwei neue Hauptdarsteller die Szene – Wasser und Eis. Gletscher und/oder Gebirgsbäche nehmen die noch relativ großen Verwitterungsprodukte auf und transportieren sie ab. Dabei werden die Überbleibsel ehemaliger Felsmassive im Laufe der Zeit immer weiter zerkleinert und setzen ihre Reise flussabwärts Richtung Meer fort. In den eiszeitlichen Flüssen lagert sich ein Teil dieser Sande und Kiese als mächtige Schichten ab.

Endlich am Ziel
Gemeinsam mit Unmengen anderer Partikel gelangt auch unser Sandkorn irgendwann mit dem Fluss ins Meer. Während des fast endlosen und hunderte Kilometer langen Transports im Flusswasser hat das Sandkorn durch Abrieb viel von seiner Größe verloren, es ist aber auch viel gleichmäßiger und runder geworden.

Durch Wellen, Gezeiten und Küstenströmungen wird es nun mitgetragen und schließlich an irgendeinem Strand deponiert. Diese Lebensgeschichte des Sandkorns mag zwar erklären, woher der „normale“ Sand am Strand kommt, aber warum gibt es auf Lanzarote oder Fuerteventura merkwürdige schwarze Strände? Aus welchem Grund findet man in Mali rote Sande? Und wieso ist gerade die Karibik für ihre besonders feinen fast weißen Sandstrände berühmt?

Vulkanismus und tierische Überreste
Für alle drei Fragen gibt es ganz einfache Antworten. Strände wie die Playa Salinas de Janubio oder die Playa El Golfo auf Lanzarote sind ein Hinweis auf den vulkanischen Ursprung dieser Inselgruppe vor der Nordwestküste Afrikas. Durch Verwitterung und Abtransport per Wind oder Wasser sind dort aus den dunklen Vulkangesteinen schwarze, häufig etwas grobkörnige Sande entstanden, die sich an den Küsten abgelagert haben. Die Farbe der roten Sande dagegen stammt meist von oxidiertem Eisen, das sich wie ein roter Schleier vor Jahrtausenden unabwaschbar in das Mineral eingebrannt hat.

Sand ist aber nicht nur das Ergebnis der physikalischen oder chemischen Verwitterung von Gesteinen, sondern kann auch anderen Ursprungs sein. Auf Barbados, Martinique oder in der Dominikanischen Republik beispielsweise besteht er zu großen Teilen aus zermahlenen Resten von Korallenstöcken oder Muschel- und Schneckengehäusen. Erst diese erstaunliche Mischung macht aus normalen Küsten karibische Traumstrände mit ihrem unverwechselbaren Aussehen und Flair.

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