Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Weniger Sand - weniger Strand
Die Folgen des Tourismus

„Betreten der Dünen streng untersagt“: Auf diese oder ähnliche Schilder ist sicher fast jeder schon einmal an der Nord- oder Ostseeküste gestoßen – egal ob er nun in Holland, Deutschland oder Dänemark Urlaub gemacht hat. Doch genauso oft, wie man auf diese Hinweise stößt, genauso oft werden die Verbote auch gebrochen.

Falls nicht ein massiver Zaun oder Stacheldraht den Zutritt verweigern, haben in vielen Orten Touristenströme dafür gesorgt, dass immer wieder breite Trampelpfade durch eigentlich geschützte Bereiche entstehen. Zum Teil werden sogar mutwillig Strandhafer oder Strandweizen, die zur Befestigung der Dünen dienen, ausgerissen und kurze Zeit später am Strand oder anderswo prompt wieder weggeworfen.

Hotelanlage am Strand von Aruba 
Hotelanlage am Strand von Aruba
© Aztech
Doch dieser „Dünen-Frevel“ ist längst nicht das einzige Unheil, das den Sandstränden und ihrem unmittelbaren Einzugsgebiet durch den Massentourismus droht. Während man in Nord- und Mitteleuropa mittlerweile zu der Einsicht gekommen ist, keine neuen Häuser und Hotels mehr an Stränden oder in den direkt angrenzenden Dünen zu bauen, ist dies in Südeuropa, auf Sri Lanka oder in der Karibik noch ganz anders. Um den kräftig zahlenden Touristen den Aufenthalt so attraktiv und bequem wie möglich zu machen, entstehen hier häufig direkt am Wasser immer neue Appartment- und Hotelanlagen - zum Teil sogar in Naturschutzgebieten.

Beispiel Sri Lanka: Hier sind sie Realität, die Traumbuchten mit dem weißen oder goldenen Sand, palmengesäumt und mit Hotelzimmern, von denen man ohne langen Fuß- oder Autoweg quasi direkt ins Meer springen kann. Doch der Preis für die Idylle ist enorm. Nicht nur, dass durch die Hotels immer mehr unberührte Strandabschnitte als Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen verloren gehen, auch die natürliche Vegetation, die normalerweise Strand und Dünen schützt, ist dem Tourismus zum Opfer gefallen.

In vielen Regionen der Insel sind salztolerante Bodendecker oder Küstenwälder, die mit ihren Wurzeln dem Sand Halt geben, längst verschwunden. Die Folge: Die Strände und Dünen werden durch Wind und Wasser abgetragen und immer schmaler und steiler. Vor allem die Süd- und die Südwestküste der Insel sind von Küstenerosion bedroht. Mittlerweile wurde ein Coastal Resources Management Programm auf die Beine gestellt, das dafür sorgen soll, dass die am schlimmsten betroffenen Strände künstlich saniert werden können.

Doch es gibt hier und anderswo auch noch andere Probleme für die Strände. Um die sonnenhungrigen Besucher mit genügend Frischwasser zu versorgen - jeder Tourist auf Mallorca verbraucht beispielsweise täglich für Duschen, Klospülung oder Schwimmbadbenutzung bis zu 350 Liter H2O – werden häufig Stauseen an Flüssen angelegt. Wasser liefern diese künstlichen Gebilde mehr oder weniger reichlich, sie verhindern aber auch, dass die Sedimente der Flüsse ungehindert ins Meer gelangen. Während die Betreiber der Wasserkraftwerke und Stauseen mit den Ablagerungen vor der Staumauer zu kämpfen haben, fehlt an den Stränden schlicht und einfach der Nachschub an Sand.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Strand
Fragiles Idyll aus Wellen, Sand und Wind
Sammelsurium aus Formen und Farben
Sand
Bauwerke der Natur und künstliche Badeparadiese
Wie Sandstrände entstehen...
Produkt der Eiszeit
Die Nordseeküste
Von Haffen, Nehrungen und Strandhaken
Die Ostseeküste
Baden erlaubt!
Die Wasserqualität unter der Lupe
Strände vor dem Ende?
Erosion bedroht Badeparadiese
Weniger Sand - weniger Strand
Die Folgen des Tourismus
Frischer Sand für die Strände
„Suppleren“ sanieren Küsten
Meeresspiegelanstieg sorgt für Strandsterben
Der Klimawandel und seine Auswirkungen
Formel für den perfekten Strand
Forscher untersuchen Küsten mit Fuzzy-Logik
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen