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Schon immer hat die "dunklere Schwester der Sonne" die Menschen fasziniert. Für die Griechen war sie Selene, die Mondgöttin, für die Chinesen ihr Zeitgeber des himmlischen Kalenders und noch bis in unser Jahrhundert hinein haben sich Geschichten vom "Mann im Mond" erhalten.
 | | Historische Zeichnung der Mondflecken © NASA | Der Mond ist nicht nur das zweithellste Objekt am Himmel nach der Sonne, er ist auch das einzige, bei dem sich selbst mit bloßem Auge schon Strukturen auf der Oberfläche erkennen lassen. Schon lange vor der Erfindung des Teleskops entdeckten griechische Wissenschaftler dunkle Flecken auf dem "Gesicht" des Mondes. Da sich diese auch im Laufe der Zeiten nicht veränderten, schlossen sie daraus bereits, dass der Mond der Erde immer die selbe Seite zukehrt.
Für die Anhänger des Philosophen Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) war der Himmel das Reich der Vollkommenheit und der Mond ein perfekter runder Spiegel ohne Fehler. Woher stammten dann aber die dunklen Flecken? Um das Weltbild des immerwährenden und perfekten Himmels aufrechtzuerhalten, postulierten sie, dass zwischen Sonne und Erde schwebende Sphärendämpfe das Licht teilweise verdunkelten oder aber dass der Mondspiegel auch irdische Unregelmäßigkeiten reflektiere. Bis ins Mittelalter hinein erhielt sich in vielen Kulturen dieses aristotelische Weltbild und mit ihm die Vorstellung eines vollkommenen Mondes.
Eine völlig andere Auffassung vertrat schon 100 v.Chr. der griechische Schriftsteller Plutarch: Er erklärte die Mondflecken damit, dass die Oberfläche des Mondes von tiefen Gräben und Flußtälern durchzogen sei, die vom Licht der Sonne nicht erreicht würden und daher dunkel erscheinen. Doch seine Ansicht konnte sich nicht durchsetzen. Bis ins späte Mittelalter hinein blockierte die herrschende Philosophie offenbar auch eine realistische Darstellung des Erdtrabanten. In Gemälden und Zeichnungen erscheint er bis ins 16. Jahrhundert fast ausschließlich ohne seine charakteristischen Flecken.
| |  | Mondzeichnungen von Galilei © NASA | Erst die Erfindung des Teleskops läutete eine neue Ära der Mondbeobachtung ein. Galileo Galilei sah 1610 damit nicht nur die bereits bekannten dunklen Flecken, er entdeckte auch, dass die dunklen Grenzen zwischen den hellen Flächen sich je nach Zeit leicht verschoben und in ihrer Breite änderten. Für den Astronomen konnten dies nur Schatten sein, die von Bergen und Tälern auf der Oberfläche des Mondes geworfen wurden, und die sich je nach Lichteinfall veränderten.
Für die aristotelische Philosophie der Kirchen war dies der endgültige Todesstoß. Einige der ersten noch sehr unvollständigen Mondkarten erschienen bald danach. 1645 zeichnete der belgische Astronom Michael Florent van Langren die erste Mondkarte, die alle bekannten Strukturen gleich deutlich beleuchtet zeigte - unabhängig vom jeweils veränderlichen Lichteinfall in Wirklichkeit.
Zwei Jahre später veröffentlichte Johannes Hevelius seine "Selenographia", das erste mondkundliche Fachbuch. Die wissenschaftliche Mondforschung war geboren. Hevelius' Mondkarte bildete das Modell für alle kommenden Abbildungen und die von ihm ersonnene Benennung der Oberflächenstrukturen blieb in protestantischen Ländern bis ins 18. Jahrhundert erhalten.
In katholischen Ländern und später auch weltweit setzte sich allerdings die Nomenklatur des jesuitischen Astronomen Giovanni Battista Riccioli durch. Er bezeichnete die großen, mit bloßem Auge sichtbaren Flecken als Meere und taufte die hellen Krater nach Philosophen und Astronomen seiner Zeit. Seine Benennung ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
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