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Freitag, 10.02.2012
Nur keine Platzangst
Kein Gedrängel im Fischschwarm

Wie durch Zauberei ändert ein ganzer Makrelenschwarm auf einmal die Richtung und schwimmt eine elegante Kurve - und das alles ohne hektisches Gewimmel, Ausbrecher aus der Gruppe oder Einzeltiere, die in die falsche Richtung schwimmen.

Warum bleibt ein solcher Schwarm zusammen? Wie wird verhindert, dass alle Fische auseinander driften oder gegeneinander stoßen? Die Lösung: Jeder einzelne Fisch des Schwarms versucht, möglichst in die Mitte zu gelangen - die Gruppe bleibt also beieinander. Gleichzeitig macht es das Seitenlinienorgan den Tieren möglich, kleinste Druckveränderungen im Wasser zu bemerken. Auf diese Weise stoßen die einzelnen Mitglieder im Schwarm nicht zusammen.

Zusammenhalt im Fischschwarm 
Zusammenhalt im Fischschwarm
© NOAA
Fischschwärme gehören zu den offenen anonymen Verbänden - die einzelnen Individuen kennen einander nicht persönlich und andere Artgenossen können sich dem Schwarm anschließen oder ihn verlassen. Nicht alle Fischgruppen sind dabei gleich organisiert. Bestimmte Fische bilden sich nur außerhalb der Paarungszeit größere Verbände, etwa Piranhas oder einige Seebarsche, andere bleiben ausschließlich während der Jugendphase im Verband. Einige Schwärme lösen sich zeitweise auf und die Tiere gehen einzeln auf Nahrungssuche, andere bilden sich nur, wenn die Gefahr durch Feinde besonders groß ist.

Ein typisches Beispiel für einen Schwarmfisch ist der Hering - er verlässt den Schwarm sein ganzes Leben nicht. Heringe dürfen dabei keine Platzangst verspüren, denn zwischen den Tieren bleibt maximal der Abstand einer Körperlänge. Die einzelnen Fische verständigen sich hier mithilfe von Pheromonen, die ins Wasser abgegeben werden.

Der Verband bietet den Fischen einige Vorteile. Zum einen sind die Mitglieder eines Schwarms besser vor Feinden geschützt. Dies ist mit Sicherheit auch ein Grund für das Bestreben der Einzelfische, stets in die Mitte zu gelangen, denn dort genießen sie den größten Schutz. Aber auch die Fische an der Peripherie haben einen Vorteil. Raubfische, die sich optisch orientieren, haben Schwierigkeiten, im Schwarm ein einzelnes Tier auszumachen und dieses gezielt zu ergreifen. Nachts, wenn die optische Orientierung ausfällt oder erschwert ist, bilden sich daher viel weniger Schwärme.

Zudem sehen natürlich viele Augen mehr als zwei und potentielle Angreifer werden schneller bemerkt. Einige Fischarten machen es dem Feind zusätzlich schwer, indem etwa der ganze Schwarm den Angreifer kontinuierlich umkreist oder gar angreift. In diesem Fall formiert sich dann eine Spitze dichtgedrängter Fische aus dem Schwarm und schießt auf den Raubfisch zu. Auf diese Weise können auch kleine Fische größere Feinde in die Flucht schlagen.

Umgekehrt jagt es sich in der Gruppe oft einfacher als alleine. Piranhas nutzen diese Strategie, um Beutetiere zu überwältigen, die viel größer sind als sie selbst.

Gute Futterplätze oder versteckte Schutzräume sind nicht immer reich gesät - auch hier kann es hilfreich sein, wenn alle danach Ausschau halten und so dem gesamten Verband einen Vorteil bringen. Und schon gleitet der Schwarm ohne ein von außen erkennbares Signal wie ein riesiger Organismus auf seine neue Futterquelle zu.

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