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Etwa 15.000 Menschen arbeiten im Empire State Building in New York. Mit über 380 Metern sicherlich ein imposantes Gebäude. Kein einzelner Mensch hätte ein solches Bauwerk erschaffen können - dazu war die Kooperation in der Gruppe erforderlich. Auch Tiere errichten in großen Gemeinschaften oft erstaunliche Bauten, gegen die die Skyline von New York schon fast mickrig wirkt.
Termiten als Klimaexperten
Die hoch in die Luft ragenden Bauten der Termiten etwa sind - proportional gesehen - viermal höher als das Empire State Building. Einige Millionen Tiere leben und arbeiten darin. Bei so vielen Mitbewohnern und einer Außentemperatur von 40°C ist eine ausgeklügelte Klimaanlage vonnöten. Dazu reichen lange Gänge mehrere Meter senkrecht in die Erde, bis zum Grundwasser. Erhitzt sich die Luft außerhalb des Baus, entsteht innen ein leichter Unterdruck und kühle Luft wird von unten angesaugt. Nach diesem Prinzip wurde mittlerweile sogar ein Gebäudekomplex in Zimbabwes Hauptstadt Harare konstruiert. Der Architekt Mick Pearce schaffte es auf diese Weise, die Kosten für die Klimaanlage niedrig zu halten. Auch in Mitteleuropa entstehen moderne Großbauten nach dem Vorbild des Termitenbaus.
Ameisen unter dem Heizkissen
Auch ein Ameisenbau ist weit mehr als nur ein aufgeschütteter Hügel im Wald. Die Kuppel dient als eine Art Heizkissen, das für ein günstiges Innenklima sorgt. Gerade die schrägen Sonnenstrahlen am Morgen oder Abend werden von der Streukuppel viel effizienter aufgefangen als vom flachen Waldboden. Diese Kuppel, die aus einer Innenschicht aus grobem und einer Außenschicht aus feinem Pflanzenmaterial besteht, ist von zahlreichen Kammern und Gängen durchzogen, die sich im Erdboden fortsetzen. Die Wände der Gänge sind mit einem Gemisch aus Erde und Speichel befestigt und geglättet.
Um einer Verpilzung der feuchtwarmen Kuppel vorzubeugen, schichten die Waldameisen das Pflanzenmaterial regelmäßig um. Feuchtes Material wird dabei nach außen gebracht, trockenes ins Innere. Andere Ameisenarten bilden frei hängende Luftschlösser aus Blättern, graben verzweigte Gänge unter Baumrinden oder erschaffen bis zu einem Meter hohe Gebilde aus Holzfasern, die sie mit Speichel vermischen.
Wachsproduktion im Akkord
Die sechseckigen Waben der Honigbiene schließen einander so nahtlos an, dass Ungeziefer kaum eine Chance hat, sich in unzugänglichen Hohlräumen einzunisten. Ein Bienenstock erzielt beim Wabenbau erstaunliche Leistungen. Mit den Wachsdrüsen am Unterleib erzeugen die Arbeiterinnen kleine Wachsplättchen. Jedes Plättchen wiegt 0,0008 Gramm, für nur ein Gramm Wachs werden also 1.250 Plättchen nötig. Pro Jahr bildet das Volk immerhin ein halbes Kilo Wachs.
Die Waben werden nicht einfach wild aneinander gebaut. Wabengassen werden nach exakten Größenvorgaben gebildet (die Breite lässt sich mathematisch ermitteln), nach oben geneigte Futterwaben (in einem Winkel von 16°-20°, damit der Honig nicht rausläuft) grenzen das Nest nach außen hin ein. Dann folgen die Pollen- und Brutwaben. Die Brutwaben erfüllen genaue Größenangaben, Drohnenwaben (befinden sich am Rand des Nestes) und Königinnenwaben sind größer als Arbeiterinnenwaben. Um eine optimale Sauerstoffversorgung zu gewährleisten, legen Bienen die Waben oft diagonal zum Flugloch an.
Eingang unter Wasser - Biberburgen
Insektenstaaten sind aber nicht die einzigen Organismen, die in der Gemeinschaft beeindruckende Bauwerke schaffen. Biber etwa stauen ganze Flüsse auf, damit der Eingang zu ihrem Bau stets unter Wasser liegt - ein idealer Schutz vor Feinden. Die Tiere regulieren selber den Wasserstand, indem sie die Dämme nach Bedarf öffnen und schließen. Baumstämme mit einem Durchmesser von bis zu 80 Zentimeter können die Nager fällen, eine Biberfamilie kann in einer Woche einen 10 Meter langen Damm errichten. Im Extremfall haben die Dämme sogar eine Länge von bis zu 200 Metern. Die aus Zweigen, Blättern und Schlamm erbauten Staudämme müssen ständig ausgebessert und erneuert werden.
Die Biberburg in der Mitte der Anlage wird von einem selbst angelegten Wassergraben umschlossen. Die gute Isolation der Burg bewirkt selbst bei Außentemperaturen von über 30°C ein kühles Klima von etwa 18-20°C im Innern.
Weit verzweigte Städte
Als die amerikanischen Siedler in den Wilden Westen vordrangen und dort die ersten Städte errichteten, ahnten sie nicht, dass sich im Erdboden bereits unterirdische Städte erstreckten, die in ihrer Ausdehnung größer waren als das heutige Stadtgebiet von Los Angeles: Riesige Erdhörnchen-Kolonien lebten dort. Man kann sich vorstellen, wie lange die Erdhörnchen mit ihren Krallen im Boden gescharrt, wie oft sie Erde in ihren Backentaschen weg transportiert haben und welch ausgeklügeltes Belüftungssystem nötig ist, um diese Megacities zu errichten und zu bewohnen.
Die Arbeit in der Gruppe hat sich anscheinend auch hier bewährt. Ein einzelnes Erdhörnchen wäre vermutlich schon an den Grabungsarbeiten für den drei bis fünf Meter langen Eingangsgang gescheitert. Oder vorher gefressen worden, denn niemand hätte es vor einem kreisenden Steinadler oder sich nähernden Puma gewarnt...
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