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Ein einzelnes Zebra auf weiter Flur käme einem hungrigen Löwenrudel vermutlich vor wie Ostern und Weihnachten zusammen. Denn ohne den Schutz der Herde befände es sich auf dem Präsentierteller und würde aller Wahrscheinlichkeit nach kurz darauf die Hauptmahlzeit der Löwenfamilie bilden.
So viel Glück werden die meisten Löwen vermutlich nie haben, denn die Bildung von Gruppen ist eine weit verbreitete Schutzstrategie: Gemeinsam kann der Feind viel eher wahrgenommen werden, so dass eine Flucht noch möglich ist. Außerdem haben viele Räuber Schwierigkeiten, in einem großen Verband ein Tier optisch zu fixieren - die gezielte Jagd wird also erschwert.
 | | Möwen halten bei Gefahr zusammen © IMSI Masterclips | Und nicht nur das: In der Gruppe sind die Gejagten nicht mehr nur hilflose Opfer, sondern können sehr wohl einen Gegenangriff starten: So greifen die kleinen Kiebitze durchaus große Raubvögel an. Durch den Lärm, den sie dabei machen, werden weitere Kiebitze dazu animiert, sich ebenfalls dem Kampf anzuschließen. Auch Möwen halten bei Gefahr zusammen. Bei den Sturmmöwen hält stets ein männliches Tier Wache und warnt die anderen. Die Kolonie fliegt dann in die Höhe und schlägt gemeinsam den Angreifer in die Flucht. Die frisch geschlüpften Jungvögel werden dabei aber nicht allein gelassen.
Auch Wellensittiche nutzen die Vorteile das Schwarms, der Raubvögel schneller bemerkt als ein Einzeltier. Neben dem Schutz vor Angreifern stellt die Gemeinschaft hier zusätzlich eine Maßnahme gegen die teilweise sehr kalten australischen Nächte dar. Dicht aneinander gedrängt spenden sich die 20 bis 60 Tiere der Gruppe dann gegenseitig Wärme.
Milben schützen sich durch Aggregation vor Fressfeinden. In kritischen Lebensphasen, etwa während der Häutung, bewirken Pheromone eine Ansammlung vieler Individuen. Die Räuber haben es dann schwerer, ein einzelnes Tier zu orten. Auch bei der Fortpflanzung wird diese Taktik angewandt: Durch die Aggregation vieler Individuen wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, auf einen passenden Sexualpartner zu stoßen.
Und sogar Bakterien nutzen den Vorteil der Masse. Sobald ein hoher Fraßdruck herrscht, schließen sich viele Bakterien zu fadenförmigen Filamenten zusammen. Auf diese Weise schützen sie sich vor Räubern, etwa vor Daphnien (Wasserflöhen) oder Ciliaten, denn die Bakterienfäden sind einfach zu lang, um in einem Stück gefressen zu werden.
Säugetiere zeigen zum Teil verblüffende Verhaltensweisen, um Gruppenmitglieder zu schützen. Delfine können zum Beispiel einen verletzten oder geschwächten Artgenossen über Wasser heben, so dass dieser weiter atmen kann. Bei Pavianen achten ältere Gruppenmitglieder darauf, dass sich die jungen und unerfahrenen nicht zu weit von der Gruppe entfernen und treiben sie notfalls zurück. Das Leittier hat oft eine besondere Verantwortung. Es achtet stärker auf Gefahr und warnt dann die anderen Mitglieder des Verbandes.
Ratten alarmieren einander vor Gefahr durch schlechte oder vergiftete Nahrungsmittel - mit dem Ergebnis, dass ganze Rattenrudel auf diese Art und Weise Abneigungen gegen bestimmtes Futter entwickeln können. Die Feinde können sich auf diese Strategie einstellen, etwa der Mensch: Rattengifte wirken daher heutzutage oft erst nach ein paar Tagen um sicherzustellen, dass das erste Opfer die anderen nicht warnen kann.
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