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Freitag, 10.02.2012
Heuschrecken-Schwärme
Wenn die Masse zur Bedrohung wird

Eine einzelne Heuschrecke kann kaum Schaden anrichten - im Schwarm sieht das ganz anders aus 
Eine einzelne Heuschrecke kann kaum Schaden anrichten - im Schwarm sieht das ganz anders aus
© IMSI Masterclips
Eine einzelne Heuschrecke ist nicht weiter gefährlich. Ist aber die Luft erfüllt von dem Surren eines riesigen Schwarms aus bis zu 40 Milliarden Einzeltieren, sieht die Sache schon ganz anders aus. Bereits im alten Testament waren die Insektenschwärme als Plage gefürchtet. Und auch heute noch stellen die Tiere vor allem für afrikanische Staaten eine immer wiederkehrende Bedrohung dar.

Madagaskar beispielsweise wurde 1997/98 von dieser biblischen Plage heimgesucht - 1,4 Millionen Hektar Land waren danach völlig zerstört. Zur Bekämpfung der Plage fehlt den Staaten oft das Geld. Zudem bleibt die Ausrottung einer solchen Masse von Insekten nicht ohne Folgen: Ende der achtziger Jahre wurden in Nordafrika 15 Millionen Liter Insektizide gegen die Wüstenheuschrecken eingesetzt - mit fatalen Nebenwirkungen auf Fauna und Flora. Allein in Marokko wurde beinahe die gesamte landwirtschaftlich nutzbare Fläche mit dem Gift behandelt.

Seitdem gibt es verstärkt Bemühungen, den Tieren mit biologischen Waffen beizukommen. Einige Versuche mit pathogenen Pilzen, die lediglich Heuschrecken, nicht aber andere Insekten befallen, haben bereits erste Erfolge gezeigt.

Sinnvoller als die Bekämpfung des Schwarms wäre es natürlich, die Schwarmbildung zu verhindern. Normalerweise leben Wanderheuschrecken als harmlose Einzelgänger. Wenn es aber in der Wüstenlandschaft ungewöhnlich viel regnet, finden die Tiere danach ein reiches Nahrungsangebot. Es kommt zu einer Massenvermehrung. Die zahlreichen geschlüpften Larven drängen sich dann oft um die wieder knapper werdenden Futterquellen - es kommt aufgrund der Enge zu verschiedenen Stressreaktionen. Durch hormonale Änderungen erhalten die Larven zum Beispiel eine dunklere Farbe und weisen eine erhöhte Neigung zur Schwarmbildung auf. Die Nahrung wird immer knapper und den Larven bleibt nichts anderes übrig, als auf die Wanderung zu gehen, um mehr Futter zu suchen. Sobald sie flugfähig sind, erhebt sich der zerstörerische Schwarm in die Luft.

Wie so oft im Reich der Insekten spielen auch bei der Schwarmbildung Duftstoffe eine besondere Rolle bei der Kommunikation. Auch hier setzt eine Methode zur Bekämpfung der Heuschrecken an. Wissenschaftlern ist es bereits gelungen, die Kommunikation der Insekten zu stören. Sie mischten Duftstoffe erwachsener Heuschrecken in eine Population noch junger Tiere. Das Ergebnis: der organisierte Schwarm junger Heuschrecken zerfiel plötzlich in seine Einzelteile, die Tiere wurden orientierungslos und hyperaktiv. Offensichtlich störten die Duftstoffe der erwachsenen Tiere die Kommunikation so sehr, dass keine geordnete Schwarmbildung erfolgen konnte.

Ein weiterer Ansatz zur Bekämpfung sieht den Einsatz von Satelliten vor. Mithilfe dieser Technologie sollen sich sammelnde Heuschrecken aufgespürt werden, bevor die Bildung eines Schwarms einsetzt.

Man darf also gespannt sein, ob der Mensch die Plage, die im Alten Testament über Ägypten hereinbrach, nun in den Griff bekommt.

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