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Freitag, 10.02.2012
Zwischen zwei Welten
Wie der Einfluss westlicher Kultur das Leben der Inuit verändert

Ab etwa 1818 hatten die Inuit auch in ihrer Heimat ständigen Kontakt mit Weißen, da die ersten Walfangflotten in die Region kamen. Schon bald legten sie feste Stationen auf den arktischen Inseln an und beschäftigten die Inuit als Walfänger. Im Laufe der Zeit wurden die in der Jagd geübten Ureinwohner auch immer mehr in das Pelzhandelgeschäft integriert.

Inuit-Frau in traditioneller Kleidung 
Inuit-Frau in traditioneller Kleidung
© Jürgen Winkler
Unter diesen Einflüssen übernahmen sie zunehmend westliche Lebensweisen und Güter. Der soziale Zusammenhalt veränderte sich. Besonders verheerend wirkte sich der eingeführte Alkohol aus. Viele Inuit wurden abhängig und verkauften ihr gesamtes Hab und Gut für Bier und Schnaps. Zudem schleppten Europäer Krankheiten wie Grippe ein. Innerhalb kurzer Zeit starben Hunderte Ureinwohner an den Folgen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Anpassung an die westliche Kultur immer weiter vorangeschritten, gefördert durch Programme der Regierungen zur Eingliederung in die Staaten. Inzwischen nutzen die Inuit Telefone, Motorschlitten, Geländerfahrzeuge und Gewehre. Statt in Iglus wohnen sie in festen Häusern. Diese Einheitshütten finanziert der Staat, damit die Ureinwohner ihre halbnomadische Lebensweise aufgeben und seßhaft werden.

Solche Umsiedlungen vertreiben die Inuit Stück für Stück aus ihrer arktischen Heimat und zerstören gleichzeitig ihre kulturelle Identität. Das Problem dieser Seßhaftigkeit: Die Ureinwohner können ihre Ernährung nicht mehr selbständig sichern. Hinzu kommen Umweltschutzverordnungen, die beispielsweise das Jagen von Robben verbieten. Diese gut gemeinten Gesetze treffen die Inuit hart, da sie so ihrer wichtigsten Tätigkeit der Jagd nicht mehr nachgehen können. Für ihren Lebensunterhalt müssen sie daher Jobs annehmen, von denen es in den kalten Regionen nur wenige gibt. Diese erzwungene Anpassung und Abhängigkeit von Sozialhilfe treibt viele in den Alkohol und Selbstmord.

Für die Inuit wird es zunehmend schwieriger ihre kulturelle Einheit zu bewahren. Während die Älteren trotz aller Anpassung versuchen, die Traditionen aufrecht zu erhalten, zieht es die junge Generation auf der Suche nach Jobs in den Süden. Aber nur selten können sie dort Fuß fassen. Sie werden benachteiligt und erhalten meist nur schlecht bezahlte Arbeit. Letztlich kommen sie in der neuen Umgebung nur wenig zurecht und entfremden sich von ihrer eigenen Kultur, so dass sie in beiden Welten kaum noch Perspektiven haben.

Um gemeinsam für die Erhaltung ihrer Kultur einzutreten, gründeten die Inuit in den 70er Jahren die "Inuit Circumpolar Conference". Sie repräsentiert die Interessen aller Inuit weltweit und beschäftigt sich vor allem mit den Bedrohungen für die Umwelt der Polargebiete wie Ozonlochausbreitung und Aussterben von Meeressäugern sowie den sozialen Problemen der Inuit.

Auch dem seit Entdeckung von Ölvorkommen zunehmenden Raubau an Rohstoffen und damit verbundenem Landverlust versuchen sie entgegenzutreten. So beanspruchten die Regierungen im Zuge der Erschließung der Bodenschätze große Landflächen, die seit Jahrhunderten von den Inuit genutzt werden. Aufgrund von Protesten sprach in den 90er Jahren beispielsweise die Regierung Kanadas den Ureinwohnern offiziell die alten Ländereien zu. Zudem wurde im April 1999 ein Autonomieabkommen mit den kanadischen Inuit unterzeichnet und Geld für Verwaltung und soziale Einrichtungen zugesprochen. Die Grundlage für eine stabilere Zukunft?

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