Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 12.03.2010
Indigene Völker und ihr Kampf um Anerkennung
Erst seit knapp 20 Jahren finden sie bei der UNO Gehör

Die Ureinwohner stehen ihrer Vertreibung längst nicht mehr tatenlos gegenüber. Sie wehren sich. Der Kontakt mit den westlichen Systemen hat letztlich auch bewirkt, dass sie, wenn auch erst nach Jahrzehnten, zunehmend beginnen, sich auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen. Und sie stehen nicht allein.

Inuitkind 
Inuitkind
© Jürgen Winkler
Inzwischen gibt es weltweit zahlreiche Organisationen, die sich für die Rechte der Ureinwohner einsetzen und die Öffentlichkeit auf die Situation der Völker aufmerksam machen. Zu den Größten in Deutschland zählt die Gesellschaft für bedrohte Völker, die, 1970 in Hamburg gegründet, nun schon in mehreren Staaten Europas Sektionen hat. Kleinere Organisationen kämpfen meist um die Rechte einzelner Gruppen. So setzen sich die Schützer von Regenwäldern meist auch für die dort lebenden indigenen Völker ein.

Die UNO nahm die Probleme der Ureinwohner lange nicht zur Kenntnis. Erst seit 1982 gibt es eine internationale Arbeitsgruppe zur Thematik, in der auch Vertreter indigener Völker beteiligt sind. Ihr Ziel war es vor allem, eine Erklärung auszuarbeiten, die die Menschenrechte und den Landbesitz der Völker festlegt und schützt. Es dauerte über zehn Jahre bis diese Erklärung zu Stande kam und sie ist bis heute nicht von der UNO verabschiedet.

Das einzige bislang verbindliche Instrument ist eine Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von 1989. Sie legt jedoch nur einen in vielen Kompromissen entstandenen Minimalstandard der Rechte der Ureinwohner fest. Insbesondere verpflichteten sich die Unterzeichner die indigenen Völker anzuerkennen. Es gibt jedoch noch immer nicht wenige Länder, die auch diese Standards mißachten. Umstritten ist vor allem die Reichweite der Selbstbestimmung der Ureinwohner innerhalb der Nationalstaaten.

Um die Situation der Ureinwohner stärker in das Bewußtsein zu rücken wurde das Jahr 1993 zum Jahr der indigenen Völker erklärt. Zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen in aller Welt fanden statt. Fortgesetzt wird dies seit 1994 in der UNO-Dekade der indigenen Völker, die im Jahr 2004 endet und in der Politik und Entwicklungsvorhaben stärker auf die Belange der Urbevölkerung ausgerichtet werden sollen.

Doch nach wie vor werden gerade im Namen von Entwicklung und Fortschritt die Territorien dieser Völker vereinnahmt und zerstört. Wenn sich die Menschenrechtsstandards nicht verbessern, so könnten innerhalb der nächsten Generation ein Viertel der indigenen Kulturen für immer aussterben , schätzt die Gesellschaft für bedrohte Völker.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Bedrohte Völker
Überleben zwischen zwei Welten
Was sind indigene Völker?
Geschichte, Lebensraum und Vorstellungen
Indigene Völker und ihr Kampf um Anerkennung
Erst seit knapp 20 Jahren finden sie bei der UNO Gehör
Im Dienste der Wissenschaft?
Inuit als Schauobjekte in vergangenen Jahrhunderten
Zwischen zwei Welten
Wie der Einfluss westlicher Kultur das Leben der Inuit verändert
Regenwald: Ohne Wald sterben Kulturen
Über die untrennbare Verknüpfung von Regenwald und Ureinwohnern
Die Yanomami in Brasilien
Haben sie den Kampf gewonnen?
Die Penan in Malaysia
Ein Volk zwischen Coca Cola, Bier und Traditionen
"Ihr habt die Welt, lasst uns den Wald"
Wie die Penan und ausländische Unterstützer um ihren Lebensraum kämpfen
Aborigines: Aufarbeitung der Vergangenheit
Die Benachteiligung der Aborigines unter den weißen Siedlern
"Stoppt die Jabiluka-Mine"
Uranabbau und die Folgen für Natur und Aborigines
Auch die Sprachen sterben aus
Schon drei Milliarden sprechen heute eine der fünf Hauptsprachen
Wintu - eine Sprache stirbt
Aber das Indianervolk in Kalifornien gibt nicht auf
Top-Diaschauen
Erdbeben
2012 und die Maya
Schatzkammer Ozean
Verlierer Mensch?
Hypatia von Alexandria
Aktuelle Dossiers
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen
Klima: Letzte Chance Kopenhagen
Der 15. Weltklimagipfel: Klimaschutz wohin?