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Freitag, 10.02.2012
Ein Thema mit Variationen...
Die Suche nach dem ersten Insektenflügel

Insekten haben sechs Beine und zwei Flügel - diese Erkenntnis ist nicht wirklich weltbewegend neu. Doch die scheinbar so einfache Aussage birgt schon das Hauptproblem bei der Erforschung des Insektenfluges in sich: Während bei Vögeln die Herkunft der Flügel eindeutig ist - es handelt sich um die umgebildeten Vorderbeine - herrscht bei Insekten alles andere als Klarheit darüber, was Flügel, anatomisch gesehen, überhaupt sind. Relativ sicher ist nur eines: ehemalige Beine sind es nicht. Doch was dann?

Libelle 
Libelle
© T.W. Davies, S.S. Heaton - Cal. Acad. of Sciences
Bis heute stehen Insektenforscher hier vor einem Rätsel. Zwar gibt es einige sehr unterschiedliche und heiß diskutierte Theorien, aber beweisen lässt sich bisher keine von ihnen. Das könnte nur der Fund eines Missing Links, eines Fossils, das die Übergangsform zwischen flügellosen und geflügelten Insekten zeigt. Doch ein Beweisstück dieser Art gibt es - wenigstens bis jetzt - nicht. Die Wissenschaftler sind daher darauf angewiesen, die Entwicklung zu rekonstruieren, wie Detektive müssen sie sich ihre Anhaltspunkte dabei von den heutigen Insekten und ihren Flügeln "abgucken". Angesichts der verwirrenden Fülle der Flügelformen allerdings keine ganz leichte Aufgabe...

Der Grundbauplan ist bei allen Insektenflügeln der gleiche: Eine dünne häutige Membran, die durch feste, flüssigkeitsgefüllte Adern stabilisiert wird und mit Gelenken am Vorderkörper des Insekts ansetzt. Doch der Variationen dieses Grundprinzips scheint es unendlich viele zu geben.

Käfer haben ihre Vorderflügel in feste, dicke Schilde umgewandelt, die den empfindlichen Hinterleib und die Hinterflügel schützen, beim Fliegen werden sie - mehr oder weniger elegant - seitlich weggespreizt, um den Hinterflügeln Platz zu schaffen.

Hautflügler wie Bienen, Wespen oder Hornissen haben die Anzahl ihrer Flügeladern drastisch reduziert, sie verbinden ihre Vorder- und Hinterflügel mithilfe einer Art Klettverschluss, so dass beide Flügel dadurch synchron wie ein großes Paar schlagen.

Flügelschuppen 
Flügelschuppen
© T.W. Davies, S.S. Heaton - Cal. Acad. of Sciences
Schmetterlinge scheinen völlig aus dem Rahmen zu fallen: Ihre gesamte Flügelfläche ist über und über mit winzigen häutigen Schüppchen bedeckt. In unterschiedlichsten Farben schillernd, brechen und reflektieren die Schuppen das Licht und bilden auffallende, charakteristische Muster. Viele dieser Ornamente dienen der Abschreckung von Fressfeinden - Augen auf den Flügeln gaukeln ihnen ein erheblich größeres Tier vor, grelle Farben signalisieren Gift oder Ungenießbarkeit. Andere Muster sollen Geschlechtspartner anlocken oder sorgen für Tarnung.

Libellen gehören zu den Insekten mit der größten Flügelspannweite, bis zu einem Meter maßen die Flügel eines ihrer Vorfahren. Sie können ihre Vorder- und Hinterflügel unabhängig voneinander bewegen, beim normalen Flug schlagen beide Paare genau gegenläufig.

Fliegen und Mücken haben einen ganz eigenen Weg der Fügelentwicklung beschritten: Ihre Hinterflügel sind zu winzigen Schwingkölbchen, den Halteren, reduziert. Wie ein Gyroskop bei Flugzeugen und Raumsonden dienen sie als Stabilisatoren für die akrobatischen Meisterleistungen dieser jüngsten Insektengruppe. Die Zweiflügler können nicht nur halsbrecherische Flugmanöver durchführen, auch das Rückwärtsfliegen, aus dem Stand starten oder kopfüber Landen ist für sie kein Problem.

So faszinierend und erstaunlich diese Vielfalt auch ist, den Insektenforschern macht sie die Suche nach dem Ursprung der Flügel nicht gerade leichter. Doch einige Indizien haben sie inzwischen gefunden...

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