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Freitag, 10.02.2012
Von Kalmaren, Riesenaxonen und dem Nobelpreisträgern
Tintenfische im Visier der Forscher

Loligo 
Loligo
© CephBase / John Forsythe
Tintenfische sind nicht nur trickreich, sondern auch erstaunlich schnell. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu drei Meter pro Sekunde, so haben Wissenschaftler ermittelt, schießen sie bei Gefahr oder während der Jagd durchs Wasser. Selbst ein Olympiaschwimmer hätte vermutlich Schwierigkeiten, ihnen dabei zu folgen.

Solche pfeilschnellen „Ausnahmeathleten“ sind aber eher die Ausnahme und gehören ausnahmslos zu den Kalmaren. Doch wie funktioniert dieser Turboantrieb der Tiere? Wie Tintenfischkundler herausgefunden haben, saugen die Kalmare zunächst eine größere Menge an Wasser in die Mantelhöhle ein. Dann verschließen sie diese und pumpen anschließend mit Muskelkraft das Meerwasser durch einen kleinen Trichter, den Sipho, wieder nach draußen. Der Trichter arbeitet dabei zugleich als Ruder und Gaspedal der Bewegung. Je nach Siphostellung und –größe können die Kalmare Tempo und Schwimmrichtung nach Wunsch variieren.

 Sepia officinalis
Sepia officinalis
© CephBase / John Forsythe
Zwar benutzen auch fast alle anderen Tintenfische dieses Rückstoßprinzip – vor allem bei Gefahr – doch längst nicht so effektiv. Und sie haben auch andere Möglichkeiten der Fortbewegung entwickelt: der Gemeine Tintenfisch beispielsweise verwendet den Flossensaum seines Mantels zum Schwimmen. Kraken dagegen laufen normalerweise einem Tausendfüfler ähnlich auf ihren Armen über den Meeresboden.

Spielobjekt der Wissenschaftler
Nicht nur Tintenfischkundler interessieren sich für Kalmare, auch die Neurobiologen haben schon vor langer Zeit diese Tiergruppe für sich entdeckt. Dies liegt daran, dass Kalmare Nervenfasern besitzen, die bis zu einem Millimeter groß sind. Das erscheint auf den ersten Blick nicht viel. Die Begeisterung für die Kalmare wird jedoch dann verständlich, wenn man erfährt, dass die Nervenfasern eines Menschen maximal ein Hunderstel dieser Größe erreichen.

So ist es wenig erstaunlich, dass man die Riesenaxone der Kalmare zunächst für Blutbahnen hielt. Erst der britische Forscher J.Z. Young erkannte im Jahr 1936 ihre wahre Natur. Er hatte damit das optimale Forschungsobjekt für die Neurobiologie entdeckt und den Grundstein für die Aufdeckung der Prinzipien bei der Übertragung von Nervenimpulsen zum Gehirn gelegt.

Die Neurobiologen Alan Lloyd Hodgkin und Andrew Huxley konnten schließlich in den folgenden Jahren die genauen Vorgänge in und an den Nervenzellen aufdecken. Ihre Forschungsarbeit wurde 1963 mit dem Nobelpreis belohnt. Seitdem gehört das komplizierte Zusammenspiel von Ionenflüssen, Aktions- und Ruhepotenzialen und dem Alles-oder Nichts-Prinzip der Erregungsleitung, das bei allen Tieren und auch dem Menschen nach dem gleichen Mechanismus abläuft, zum Standardrepertoire in jedem Biologie- oder Medizinstudium.

Perfekt getarnter Krake 
Perfekt getarnter Krake
© Reinhard Rohlmann / http://www.tauchfotos.info
Die Tintenfische besitzen jedoch nicht nur Riesenaxone, sondern auch ein hochentwickeltes Gehirn und sind deshalb viel intelligenter als beispielsweise Reptilien. Sie werden deshalb auch von vielen Wissenschaftlern auch als die „Weisen der Meere“ unter den wirbellosen Tieren bezeichnet. Kein Wunder, dass sie perfekte Schauspieler und Verwandlungskünstler sind, aber auch schnell lernen und Probleme, die ihnen Verhaltensforscher aufgeben, mit Bravour lösen...

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