Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Der Berg rutscht
Naturgefahren im Hochgebirge

Muren, Hangrutschungen, Steinschläge - Katastrophenmeldungen dieser Art hören wir all zu oft. Besonders aus den Alpen scheinen sich die Meldungen zu häufen.

Murgang 
Murgang
© USGS
Tatsächlich ist es so, dass der abschmelzende Permafrost riesige Mengen von Schutt und Lockermaterial freisetzt. Sobald das Eis als "Kitt" verschwunden ist, hat die Erosion ein leichtes Spiel. Bei extremen Unwettern lösen sich die Schuttpakete von den Flanken der Hänge und werden zu zerstörerischen Schlammlawinen. Permafrost hat bereits ein Drittel aller Murgänge in den Alpen ausgelöst.

Man hat die Bedeutung des Permafrosts in den Gebirgen der mittleren Breiten lange unterschätzt. Mit zunehmender Klimaerwärmung wird sich die Situation noch weiter verschärfen. Die Grenze zum Dauerfrostboden zieht sich in immer höhere Lagen zurück und schon in 50 Jahren könnten die meisten Permafrostböden für immer verloren sein.

Dem Berg macht es an sich nicht so viel aus, wenn seine Hänge sich Richtung Tal verabschieden - solche Ereignisse sind für ihn Alltag. Dem Menschen allerdings verursacht es um so mehr Kopfzerbrechen. Er ist es, der sich gegen diese Naturgewalten schützen muss. Bis an die Grenzen des Möglichen ist jeder Winkel der Alpen genutzt, ob als Weide, Skihang, Wanderpfad oder einfach als Siedlungsfläche. Die Übernutzung beschleunigt den Prozess noch durch Zerstörung von schützenden Vegetationsdecken oder Errichtung von Gebäuden im Permafrost. In der Schweiz sind allein 300 Seilbahnen im Permafrost verankert. Sollte dieser abschmelzen und nachgeben, sieht es schlecht aus für die Skifahrer.

Inzwischen wird die Verteilung und Mächtigkeit des Permafrosts auch in den Europäischen Hochgebirgen intensiv erforscht. Ziel ist es, ähnlich wie bei Lawinen Gefahrenzonen zu bestimmen, die von der Nutzung durch den Menschen verschont bleiben. Naturkatastrophen lassen sich so zwar nicht verhindern, aber vielleicht ihre verheerenden Folgen begrenzen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Facts
Das Wichtigste im Überblick
Artikel zum Thema
Permafrost
Kalter Boden und seine globale Bedeutung
Was ist Permafrost?
Annäherung an ein unsichtbares Phänomen
Die Spielarten des Permafrosts
Von fleckenhaft bis flächendeckend
Von Spitzbergen bis zu den Anden
Wo findet man Permafrost?
Verbreitung des Phänomens
Permafrost auf der Nordhalbkugel
Periglaziale Dynamik und Solifluktion
Wenn der Boden zu fließen beginnt
Pingos, Palsen und Polygone
Kryoturbation und Bodeneis
Getarnter Gigant
Blockgletscher
Lebensraum Permafrost
Extreme Bedingungen
Schatzkammer Permafrost
Die Ausbeutung und ihre Folgen
Der Boden "merkt" sich alles
Permafrost als Klimarchiv
Illusion eines "Ice Age Parks"
Unternehmen Mammut
Die arktische Kühltruhe taut
Klimaerwärmung lässt Permafrost schwinden
Der Berg rutscht
Naturgefahren im Hochgebirge
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen