Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Eine Reise durch die Nacht: Wenn der Vorhang fällt
Vom Wachsein in den Schlaf

Wir merken, wenn wir schläfrig werden, wenn unser Denken langsam immer wirrer wird und der Schlaf uns einholt. Doch was dann geschieht, entzieht sich unserem Bewusstsein: Während des Schlafens wissen wir nicht, dass wir schlafen. Erst im Nachhinein merken wir es, beispielsweise an der inzwischen verflossenen Zeit oder an der diffusen Erinnerung an den letzten Traum. Um herauszufinden, wie wir schlafen und wann wir träumen, begeben wir uns auf eine Reise durch die Nacht...

Vor dem Eintauchen
 EEG im entspannten Wachsein
EEG im entspannten Wachsein
© Podbregar/IMSI MaserClips
Es ist kurz nach halb elf abends. Langsam werden wir müde, die Glieder werden schwer. Wir entschließen uns, dem Schlafbedürfnis nachzugeben und gehen ins Bett. Gemütlich unter die Decke gekuschelt, schließen wir die Augen und beginnen, uns zu entspannen. Wir atmen tiefer und langsamer, die Gedanken beginnen zu schweifen. Noch nehmen wir gedämpft das Knarren einer Tür oder ein Knacken in der Heizung wahr, es scheint aber weit weg.

Im Gehirn wechselt die Aktivität von konzentrierter Wachheit in den entspannten "Alpha-Zustand". Das EEG zeigt nun ein regelmäßiges Muster von etwa acht bis zehn Wellen in der Sekunde, die so genannten Alpha-Wellen.

Das Einschlafen
 EEG in der Einschlafphase
EEG in der Einschlafphase
© Podbregar/IMSI MasterCLips
Einige Minuten später beginnt sich dieses Muster zu verändern: Noch langsamere, flachere Wellen erscheinen und lösen allmählich die Alphawellen ab. Wir treten in den Halbschlaf, die erste Schlafphase ein. Unsere Muskeln erschlaffen, die Atmung wird flacher und der Puls sinkt. Manchmal zucken die Muskeln noch einmal und wir schrecken kurz auf, doch schon wenige Sekunden später sinken wir wieder in den Schlaf. Leise Geräusche in unserer Umgebung hören wir jetzt nicht mehr, der Vorhang, der unsere Sinne von unserem Bewusstsein abgrenzt, fällt.

Langsam verschwimmt unser geordnetes Denken, nur noch bruchstückhaft und oft in wirrer Folge tauchen Bilder des Tages wieder auf. Diese Einschlafträume oder "hypnagogischen Halluzinationen" greifen oft Eindrücke auf, die uns unmittelbar vor dem Einschlafen beschäftigt haben - sei es die bevorstehende Klausur oder das Wohlgefühl eines heißen Bades. In dieser Phase sind wir relativ leicht zu wecken - und wären dann der festen Überzeugung, noch gar nicht geschlafen zu haben.

In leichtem Schlaf
 EEG im leichten Schlaf
EEG im leichten Schlaf
© Podbregar/IMSI MasterClips
Nach etwa fünf Minuten ändert sich das Hirnstrommuster erneut: Die kleinen Thetawellen des ersten Schlafstadiums werden jetzt ab und zu von charakteristischen, nur knapp eine Sekunde andauernden Wellenstrukturen unterbrochen: Den K-Komplexen, einzelnen Pulsen mit einer viermal höheren Amplitude als die Thetawellen, und den Schlafspindeln, einer kurzzeitigen Beschleunigung der Thetawellen auf fast die doppelte Frequenz. Beide sind eindeutige Anzeichen dafür, dass wir Schlafstadium 2 erreicht haben.

Von den Vorgängen der Umgebung abgeschottet, treiben wir in einem leichten Schlaf. Auch in dieser Phase können wir träumen. Allerdings sind dies nicht die typischen lebendigen und komplexen Träume des eigentlichen Traumschlafs, sondern meistens kurze, eher rationale und Gedanken-ähnlichere Episoden. Würde man uns jetzt wecken, wüssten wir wahrscheinlich, dass wir geschlafen - und vielleicht auch geträumt haben.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Träumen
Wenn das Gehirn eigene Wege geht...
"Nachtschicht" im Gehirn
Das Rätsel der Träume
Eine Reise durch die Nacht: Wenn der Vorhang fällt
Vom Wachsein in den Schlaf
Sprung in das Vergessen
Der Tiefschlaf
Unterwegs in einer fremden Welt
Der Traumschlaf der REM-Phase
Ein Reich mit eigenen Regeln...
Was träumen wir, wenn wir träumen?
In der Traumzeit...
Zeit und Zeitwahrnehmung im Traum
Bewegte Träume
"Traumabdrücke" in Muskeln und Gehirn
Ein Granatsplitter macht Geschichte
Was steuert den Traumschlaf?
Signale aus der Innenwelt
Wie träumt das Gehirn?
Sinnlos oder biologisch notwendig?
Warum träumen wir?
Lernen (wie) im Traum?
Lernen, Denken, Träumen...
Träumen Delfine?
REM-Schlaf und Traum bei Tieren
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen