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Freitag, 19.03.2010
Ein gutes Bauchgefühl
Vogelzug ist genetisch bedingt

An der Vogelwarte Radolfzell wird das Zugverhalten von Singvögeln, wie Haus- und Gartenrotschwanz, in Käfigen studiert. Das klingt im ersten Moment etwas seltsam. Doch die Vogelwarte benutzt keine ganz normalen Käfige, sondern vielmehr geräumige Messgehege gespickt mit Instrumenten. Aber was soll mit einem Käfig gemessen werden? Die Antwort ist: die Zugunruhe bei Vögeln.

Zugverhalten genetisch bedingt 
Zugverhalten genetisch bedingt
© MMCD
Schon vor langer Zeit wurde bei im Käfig gehaltenen Zugvögeln beobachtet, dass diese im Herbst außergewöhnlich unruhig werden, im Käfig zappeln und schnell mit den Flügeln schlagen. Die Vögel drängt es, in den Süden zu fliegen. Diesen Zustand bezeichnet man als Flugunruhe. Um die Dauer und Intensität dieser Zugunruhe zu messen, haben die Käfige in Radolfzell bewegliche Stangen, die an ein Registriergerät angeschlossen sind. Jedesmal, wenn der Vogel auf der Stange zappelt, wird dies aufgezeichnet.

Um festzustellen, in welche Richtung die Tiere gerne wandern würden, kommen sie in eine trichterförmige Vorrichtung, die mit besonderem Papier ausgelegt ist. Sie können aus dem Trichter nicht herausfliegen, weil oben drauf eine Glasplatte liegt. Anhand der Kratzspuren, die der Vogel auf dem Papier hinterlässt, kann die Zugrichtung bestimmt werden. Dass die Ergebnisse dieser Methoden nicht nur das Verhalten von Käfigvögel zutreffend beschreibt, haben Kontrolluntersuchungen mit freilebenden Tieren gezeigt.

Die Frage, die die Vogelforscher zur Entwicklung dieser Käfige bewegte, war: Was veranlasst die Vögel zu ihrem Aufbruch? Sind es die sich im Jahreszyklus verändernden Tag-Nachtlängen, ist es vielleicht die Temperatur? Oder kommt der Aufbruch von innen, sozusagen aus dem Bauch heraus und ist damit genetisch bedingt?

Mit verschiedenen Experimenten in ihren Messkäfigen konnten die Forscher der Vogelwarte zeigen, dass das Zugverhalten in aller erster Linie genetischen Ursprungs ist. Um das herauszufinden, wurden unter anderem Vögel für mehrere Jahre unter ständig gleichbleibenden Licht- und Dunkelverhältnissen gehalten. Trotz unveränderter äußerer Bedingungen zeigten die Messgeräte ein immer wiederkehrendes Bild der Zugunruhe der Tiere, das heißt, der innere Jahresrhythmus blieb gleich. Äußere Einflussfaktoren spielen demnach für den Beginn und die Länge der Zugunruhe nur eine sehr untergeordnete Rolle. Sie werden höchstens zur Feineinstellung ihres inneren Rhythmus genutzt.

Dieser innere Zeitmesser oder Rhythmus hat für die Zugvögel eine sehr elementare Bedeutung. Er bestimmt den Abflugtermin, sorgt dafür, dass die Tiere zum richtigen Zeitpunkt Fett zulegen, ihren Flug unterbrechen und dass sie sich während des Flugs orientieren können. Ganz wichtig ist, dass die innere Uhr auch die zeitliche Dauer des Zugs festlegt. So wie die Dauer ist auch die Richtung, in die die Vögel fliegen müssen, genetisch vorherbestimmt, dies wurde anhand der Vogelspuren-Papiere ermittelt.

Vögel fliegen demnach eine genetisch festgelegte Zeit in eine genetisch festgelegte Richtung und kommen dann genau und pünktlich im Winterruhegebiet an. Diese ererbte Programmierung für Zeit und Richtung erklärt, wieso zum Beispiel ein Kuckuck, der von Standvögeln aufgezogen wurde, auch als Zuganfänger ohne elterliche Begleitung den richtigen Weg ins Überwinterungsgebiet findet. Gleichzeitig sorgt seine innere Uhr dafür, dass er auf seiner Reise nicht verhungert

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