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Sonntag, 18.11.2018
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Von Einstein bis zum MPI...

Kleine Chronik der bekanntesten Fälschungen, Irrtümer und Manipulationen

1915


Albert Einstein und der holländische Physiker Johannes W. de Haas führen ein Experiment zum sogenannten "gyromagnetischen Faktor" durch. Ihr Ergebnis entspricht dem vorher von ihnen berechneten Wert eins, aber nicht dem tatsächlichen Wert, der - wie später bekannt wird - bei zwei liegt. Während Einstein sich zu diesen Diskrepanzen niemals äußerte, erklärt de Haas später: "Die Zahlen die wir erhalten hatten, waren 1,45 und 1,02. Der zweite Wert war beinahe identisch mit dem klassischen Wert, so dass wir annahmen, dass es experimentelle Fehler waren, die den ersten Wert zu groß gemacht hatten. Trotz allem heißt das Phänomen noch heute ihnen zu Ehren "Einstein-de-Haas-Effekt"...

1926


In Berlin präsentiert der Physiker Emil Rupp Versuchsergebnisse, mit denen er den Wellen-Teilchencharakter des von Elektronenstrahlen ausgesandten Lichts beweisen will. Die Daten und Fotografien stellen sich erst zehn Jahre später als ausnahmslos gefälscht heraus.

1935


Der Heidelberger Universitätsprofessor Franz Moewius veröffentlicht aufsehenerregende Forschungen an Grünalgen und wird so zu einer der Koryphäen der frühen Molekularbiologie. 20 Jahre später auf einer Vortragsreise in Amerika wird der Biologe bei einem Täuschungsversuch ertappt und als Fälscher entlarvt.

1953


Der Schädel des Piltdown-Menschen stellt sich als Fälschung heraus. 1912 hatten der Rechtsanwalt Charles Dawson und der Paläontologe Arthur Smith Woodward den vermeintlich ersten englischen Frühmenschenschädel entdeckt und damit eine anthropologische Sensation verursacht. Rund 40 Jahre später zeigen Radiokarbondatierungen, dass es sich dabei nur um die geschickt eingefärbte Kombination eines Menschenschädels mit einem Orang-Utan-Kiefer gehandelt hat.

1974


Der Pflanzenphysiologe Hasko Paradies wird auf einen Lehrstuhl an der Freien Universität Berlin berufen. Ausschlaggebend für den Posten sind vor allem seine wegweisenden Arbeiten zur Kristallisierung der Transfer-RNA. Acht Jahre später wird nachgewiesen, daß die Arbeiten nicht an der t-RNA sondern an einem weitaus weniger komplexen Molekül durchgeführt und dann systematisch gefälscht worden waren.

1974


William Summerlin transplantiert erstmals Haut von einer Maus zur anderen, ohne eine Abstoßungsreaktion auszulösen, und kassiert neben Ehrungen auch hohe Geldbeträge. Nachdem Kollegen keine Reproduktion des Experiments gelingt, stellt sich heraus, dass das angeblich von der dunklen auf die weiße Maus übertragene Hautstück mit einem schwarzen Filzstift aufgemalt worden war.

1976


Der amerikanische Kernphysiker Robert Gentry gibt - pünktlich zur 200-Jahr-Feier der USA - die Entdeckung eines neuen Elements mit der Ordnungszahl 126 bekannt. Eine Nachprüfung ergibt, dass Gentry ungenau gemessen hat und es sich nur um die Umwandlung zweier bereits bekannter Elemente handelt.

1981


Es wird bekannt, dass der Mediziner John Darsee von der renommierten Harvard University eine kardiologische Studie mit gefälschten Daten veröffentlicht hat. Der Fall führt zum ersten öffentlichen Hearing über wissenschaftliche Fälschungen im amerikanischen Kongreß.

1988


Der französische Biologe Jacques Benveniste reicht der Fachzeitschrift "Nature" einen Artikel ein, in dem er versichert, den experimentellen Beweis für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel gefunden zu haben. "Nature" veröffentlicht ihn zwar, läßt aber gleichzeitig noch einmal die Versuche prüfen. Es zeigt sich, dass Benveniste in seinen Versuchen alle unliebsamen Ergebnisse systemaisch unterschlagen hat.

1989


Konfusion um die kalte Kernfusion: Die Chemiker Martin Fleischmann und Stanley Pons scheinen erstmals eine Kernfusion ohne nennenswerte Energiezufuhr im Reagenzglas vollbracht zu haben. Obwohl bald darauf Arbeitsgruppen in aller Welt glauben, dem Geheimnis der kalten Fusion auf der Spur zu sein, werden die sensationellen Ergebnisse der beiden Chemiker kurz darauf als Resultat schlampiger Arbeit und exzessiver "Datenkosmetik" entlarvt.

1997


Die Krebsforscher Friedhelm Herrmann und Marion Brach haben während ihrer Tätigkeit am Max-Delbrück-Zentrum für molekulare Medizin und an der Universität Ulm jahrelang Ergebnisse gefälscht und Daten anderer Forscher geklaut. Brach gesteht, Herrmann bestreitet die Vorwürfe.

Dem hochrangigen britischen Mediziner John Anderton wird die Approbation entzogen, weil er im "British Medical Journal" eine komplett frei erfundene Medikamentstudie veröffentlichte.

Einem Genetiker in den USA wird der Doktortitel verweigert, weil, so die Fachzeitschrift "Nature", 75 bis 80 Prozent der Daten in seiner Doktorarbeit erfunden waren.

1998


Eine Technische Angestellte des Kölner Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung wird entlassen, weil sie jahrelang Experimente manipuliert und Daten gefälscht haben soll. Mehrere Veröffentlichungen, unter anderem in "Nature" beruhen auf diesen gefälschten Daten. Der Laborleiter muss ebenfalls gehen, da er nicht nachweisen kann, nichts von den Vorgängen gewußt zu haben.

1999


Der Direktor des Heidelberger Max-Planck-Institus für medizinische Forschung, Peter Seeburg, gesteht, in der Silvesternacht 1978 ein von ihm selbst gentechnisch verändertes Bakterium aus dem Labor der Universität von Kalifornien gestohlen zu haben. Die Gentechnikfirma Genentech, in deren Diensten er damals stand, muß jetzt vor Gericht beweisen, dass dieser Mikroorganismus nicht die Basis für die Synthese des menschlichen Wachstumshormons war. Kann sie das nicht, drohen Lizenzgebühren in Milliardenhöhe. Die Max-Plank Gesellschaft richtet einen Untersuchungesausschuss zum Fall Seeburg ein, Seeburg selbst tritt für die Dauer der Untersuchungen von seinem Amt zurück.
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Stand: 13.02.2000
 
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