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Freitag, 10.02.2012
Auf die Stirn geschrieben
Von Fettschichten, Seife und Pickeln

Bakterienhorden tummeln sich beileibe nicht nur in den dunklen versteckten Regionen unseres Körpers, ganz im Gegenteil: Sie tanzen uns buchstäblich auf der Nase herum und stehen uns ins Gesicht geschrieben - wenn auch für uns unsichtbar.

Lebensraum Stirn 
Lebensraum Stirn
© IMSI MasterClips
Besonders beliebt unter unseren bakteriellen Mitbewohnern ist die Stirn. Dort ist die Haut permanent von einem dünnen Fettfilm bedeckt - optimaler Schutz vor allem für die Mikroorganismen, die ihr Leben am liebsten unter Luftabschluss verbringen, die anaeroben Bakterien. Unter der gummiartigen Schutzschicht sind sie nicht nur vor Sauerstoff und luftliebenden Konkurrenten geschützt, sie finden auch reichlich Nahrung: Nachschub in Form von Salzwasser, Stickstoffverbindungen und aminosäurehaltigen Fetten quillt aus den zahlreichen Talgdrüsen und Poren der Stirnhaut hervor und wird von ihnen dankend aufgenommen.

Diese optimalen Bedingungen erlauben es den nur ein bis zwei tausendstel Millimeter kleinen Mitbewohnern, sich rasant zu vermehren: Alle zehn Minuten teilen sich die Bakterienzellen und verdoppeln so ihre Anzahl. Aber der Bevölkerungszuwachs hält nicht lange, das Leben auf der Stirn birgt auch seine Gefahren: Kratzen wir uns nachdenklich an der Stirn oder schlagen die Hand vor den Kopf, vernichten wir mit einem Schlag Millionen unserer winzigen Untermieter.

Doch selbst ohne unser Dazutun lauert Gefahr für unsere Mitbewohner: Ständig lösen sich abgestorbene Hautschüppchen unvermittelt aus dem Zellverband und reissen Tausende von Mikroben mit sich hinweg. Sie werden mit der Luft verweht oder rieseln als für uns kaum sichtbare Schuppenspur zu Boden. Doch für Nachwuchs ist ja bereits gesorgt...

 Eiterpickel
Eiterpickel
© MMCD
Ein Teil dieser vermehrungsfreudigen Gäste ist auch schuld an den typischen weißen Eiterpickeln, die ab und zu unser Gesicht heimsuchen. Am Grunde von Haarfollikeln lebend, labt sich Proprionibacterium acnes besonders gerne an den fetthaltigen Sekreten der Talgdrüsen. Am liebsten dann, wenn diese durch eine Produktionsstörung schon einen zähen, festen Propf am Ausgang der Pore gebildet haben. Das Bakterium sammelt sich an und in diesem Propf und beginnt das Material zu zerlegen. Dabei vergrößert es nicht nur den Klumpen, es setzt auch entzündungsauslösende Stoffe frei - der typische, rotgeschwollene, von einem weißen Kern gekrönte Pickel entsteht.

Abhilfe gegen diese Mitbewohner der lästigen Art gibt es allerdings kaum. Antibiotische Präparate könnten ihrer zwar Herr werden, vernichten aber auch alle nützlichen Bakterien gleich mit. Die morgendliche Gesichtswäsche spült zwar all diejenigen Mikroben hinweg, die sich nicht rechtzeitig in die vielen feinen Kanälchen der Hautporen zurückgezogen haben. Doch schon kurze Zeit nach der Behandlung mit Wasser und Seife hat sich die Bakterienpopulation nicht nur von diesem Rückschlag erholt, ihre Zahl hat sogar noch zugenommen. Die Seife hat das normalerweise leicht saure und antibakterielle Milieu der Haut aus dem Gleichgewicht gebracht und damit eine Neubesiedelung sogar begünstigt. Bis zu zehn Stunden nach einer Wäsche können sich dadurch sogar deutlich mehr Bakterien auf unserer Haut tummeln als zuvor.

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