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Freitag, 10.02.2012
Bescherung durch „Vater Rhein“
Das Hochwasser von Weihnachten 1993

Flutwand an der Kölner Rheinpromenade 
Flutwand an der Kölner Rheinpromenade
© DLRG
Die Bescherung fiel 1993 buchstäblich ins Wasser: Fast drei Tage lang stand die Kölner Altstadt trotz eilig aufgebauter Schutzanlagen unter Wasser und große Teile von Koblenz waren überflutet. Auf 10,63 Meter stieg damals der Rheinpegel in Köln – knapp sieben Meter höher als der normale mittlere Wasserstand. Und statt besinnlich Weihnachten zu feiern, mussten sich Hunderttausende von Koblenz bis zur Mündung Sorgen um ihre Häuser machen. Im Nachhinein hätte natürlich alles noch viel schlimmer kommen können, denn immerhin trotzten die Deiche erfolgreich den Fluten. Doch die Schäden waren auch so immens: Auf 400 Millionen Euro wurden diese damals geschätzt. Dunkelziffer unbekannt.

Dabei sah zunächst alles ganz vielversprechend aus. Noch im November hatte ein stabiles Hochdruckgebiet für gutes und trockenes Wetter gesorgt. Doch Anfang Dezember änderte sich dies nachhaltig. Zunächst sorgten sporadische Niederschläge für eine erste Sättigung des Bodens, so dass dieser in der Folge kaum noch Wasser aufnehmen konnte. Ab Mitte Dezember kam es dann richtig „Dicke“. Im Fachjargon war damals von einer "zyklonalen Westwetterlage mit raschem Durchzug einzelner atlantischer Tiefausläufer und breiten, ergiebigen Niederschlagsfeldern“ die Rede. Was im Klartext heißt: Regen, Regen, Regen...

Besonders hohe Niederschläge fielen damals an Neckar, Nahe, Mosel und Sieg – also in den westlichen Mittelgebirgen. Innerhalb von zwei Tagen kam hier soviel Regen herunter wie sonst im gesamten Dezember. Allein die auf 630 Millionen Kubikmeter geschätzten Wassermassen des Moselhochwassers hätten als See die Fläche des Bodensees mit einer Tiefe von 1,20 Meter gehabt. Und diese Flut traf in Koblenz auf den ohnehin schon stark angeschwollenen Rhein. Ein Jahrhunderthochwasser war die Folge. Ein vergleichbarer Pegelstand war in Köln zuletzt 1926 gemessen worden.


 Rettungsdienst im Einsatz
Rettungsdienst im Einsatz
© DLRG
Entsprechend groß war die Erleichterung, als die Deiche hielten. Auch wenn die Flut über die Wehranlagen in Köln, Bonn sowie Koblenz stieg und für verdreckte Wohnungen, überschwemmte Strassen und beschädigte Brücken sorgte, so wäre ein kompletter Deichbruch gleichwohl viel verheerender ausgefallen. Denn nach Berechnungen des Staatlichen Umweltamtes Krefeld schützen alleine in Nordrhein-Westfalen 328 Kilometer Deichanlagen eine Fläche von 1.500 Quadratkilometern – immerhin vier Prozent der Landesfläche. Etwa eine Million Menschen lebt hinter den Deichen und der Wert der potenziell bedrohten Industrieanlagen wird auf über 125 Milliarden Euro geschätzt.

Bereits im Frühjahr 1995 hieß es schon wieder „Land unter“ am Unterlauf des Rheins. Doch obwohl die Flut diesmal noch ein paar Zentimeter höher stieg als vierzehn Monate zuvor, waren die Schäden dank der gesammelten Erfahrungen weitaus geringer als befürchtet. Denn die Katastrophenpläne waren verbessert worden, der Informationsaustausch zwischen den Einsatzkräften lief reibungsloser und die Anwohner hatten Keller und Erdgeschosse vorsorglich leergeräumt oder abgedichtet. Weniger glimpflich verlief hingegen das Hochwasser in den Niederlanden: Rund 250.000 Menschen, 300.000 Rinder, eine Million Schweine und mehrere Millionen Hühner mussten vorsorglich evakuiert werden. Doch auch hier hatten die Anwohner Glück im Unglück. Die Deiche hielten wider Erwarten und nur Teile der Venloer Innenstadt wurden überflutet. Und doch wurde nicht nur den Niederländern erneut bewusst, dass es eine endgültige Sicherheit vor dem Risikofaktor Hochwasser nicht gibt. Denn am Rhein wohnen heißt auch, sich mit der Unberechenbarkeit des Stroms zu arrangieren.

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