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Freitag, 10.02.2012
ELWIS lebt
Ein Frühwarnsystem mit Zukunft

Die Rheinschiffer kennen es, die Anlieger auch und der Katastrophenschutz erst recht: ELWIS, das „Elektronische Wasserstraßen Informationssystem“. Es hilft, die Pegelstände von Rhein und seinen Nebenflüssen zu überwachen. Bei steigenden Fluten schlägt es rechtzeitig Alarm und gibt den Rettungskräften die nötige Zeit, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Denn die größte Gefahr beim Hochwasser ist nach wie vor der Faktor „Überraschung“. Umso länger die Vorwarnzeit, desto geringer fallen zumeist die Schäden in den überfluteten Gebieten aus. Und im Extremfall bleibt mehr Zeit für eine notwendig erscheinende Evakuierung.

Hochwasser in Köln 1993 
Hochwasser in Köln 1993
© DLRG
Frühwarnsysteme gibt es auch bei anderen Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen oder Hurrikans. Doch bei Flüssen lassen sich die Vorhersagen wesentlich genauer treffen, da hierzu bloß die Messung der Pegelstände, eine halbwegs genaue Wettervorhersage und Kenntnisse um die jeweilige Fließdynamik der Gewässer nötig sind. Am Rhein ist dieses Vorhersagenetz nahezu lückenlos verfügbar. In einer länderübergreifenden Kooperation werden zwischen der Schweiz, den Niederlanden und den deutschen Bundesländern ständig Messdaten und Prognosen ausgetauscht. Die Fäden laufen dabei in den Hochwasserschutzzentralen von Bern, Karlsruhe und Mainz zusammen. Von hier aus werden bei Bedarf weitere Warnungen an die regionalen Katastrophendienste ausgesprochen.

Die wichtigste Berechnung betrifft dabei nicht die Entwicklung des Rheinpegels, sondern vor allem die seiner großen Nebenflüsse. Denn zumeist lösen erst diese zusätzlichen Wassermassen die Katastrophe aus. Zusätzlich wird das Wettergeschehen mit in die Vorhersagen einbezogen: Regnet es bereits, schmilzt der Schnee in den Alpen oder droht gar ein Sturmtief mit langanhaltenden Niederschlägen? Alles Warnzeichen, die auf ein baldiges Hochwasser hindeuten könnten. Allein in Nordrhein-Westfalen werden an über 500 Messstationen die Pegelstände und Abflussmengen automatisch kontrolliert – ein Großteil davon am Rhein und seinen Nebenflüssen. Minutengenau können die aktuellen Wasserstände von jedermann übers Internet oder per Videotext abgerufen werden. Und in den Meldezentralen fließen diese Daten in die Modellberechnungen zur Hochwassergefährdung ein.

Durch diesen lückenlosen Informationsfluss verlängerten sich entlang des Rheins die Vorhersagezeiten zwischen 1995 und 2000 um fünfzig Prozent. Am Mittel- und Niederrhein beträgt dadurch die Zeit zwischen Warnung und Eintreffen der Hochwasserwelle inzwischen sechsunddreißig Stunden. Am Rheindelta sind es sogar drei Tage. Und mit der ständigen Verbesserung der hydrologischen Modellberechnungen und der Zulieferung noch genauerer, meteorologischer Daten werden auch diese Prognosen immer präziser.

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