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Freitag, 10.02.2012
Das Rätsel des schlechten Ranges
Wie kam es zu Platz 57?

Das schlechte Ergebnis des UN-Wasserberichts erstaunte. Galt doch das deutsche Trinkwasser bisher als eines der qualitativ hochwertigsten überhaupt, wie auch Andreas Troge, Chef des Umweltbundesamtes nicht müde wird zu betonen: "Die Qualität des Trinkwassers ist in Deutschland flächendeckend gut bis sehr gut. Trinkwasser ist in Deutschland ein sicheres und gesundes Lebensmittel." Wo also liegt das Problem?

Zum einen geht in die Bewertung der UNESCO-Studie nicht nur die Qualität des Trinkwassers, sondern des gesamten Süßwassers eines Landes ein. Und hier gäbe es in Deutschland trotz der inzwischen verbesserten Gewässergüte an vielen Flüssen noch einiges zu tun. Vor allem die Einträge der Landwirtschaft sorgen für erhöhte Nitrat- und Pestizidwerte in vielen Oberflächen- und Grundwassern, Kanalisierung und dichte Besiedelung beeinflussen die Gewässerqualität ebenfalls negativ.

"Unausgereifte Indikatorenentwicklung“
Aber auch diese Tatsache erklärt noch nicht die schlechte Position Deutschlands sogar hinter einigen Entwicklungsländern. Der Sache auf den Grund gingen dann Wasserexperten von Bund, Ländern und dem World Water Assessment Programme (WWAP) auf einer Veranstaltung am 17. Dezember 2003 in Bonn. Hier gestand der Vertreter des World Water Assessment Programmes (WWAP) ein, dass die im Bericht enthaltene Rankingtabelle nicht für den Report neu erstellt, sondern aus einer früheren Studie übernommen worden sei.

 Wasserleitungsbau
Wasserleitungsbau
© DOE
Die Studie "Environmental Performance Measurement - The Global Report 2001-2002" war von den AutorenD. Esty von der Yale University in den USA und P.-K. Cornelius vom World Economic Forum erstellt worden, krankte aber – so die nachträgliche Einschätzung der Experten - an einer „unausgereiften Indikatorenentwicklung“. Eine kritische Überprüfung des verwendeten Datenmaterials sei aber von Seiten des WWAP aufgrund des großen Zeitdrucks bei der Erstellung des Berichts bedauerlicherweise vernachlässigt worden.

Tatsächlich hatte eine ältere Studie der Weltbank aus dem Jahr 1994 noch bemängelt, dass im deutschen Wasserversorgungssystem zwar das technische Niveau hoch sei, die Effizienz aber gering. Im Klartext: In vielen Regionen Deutschlands waren damals die Leitungen so löchrig, dass lokal bis zur Hälfte des gesamten Wassers ungenutzt im Untergrund versickerte. Inzwischen hat sich diese Situation aber stark gebessert. Eine Vergleichsstudie zeigte 2007 sogar, dass "der Qualitätsstandard in Deutschland durch niedrige Wasserverluste, eine kontinuierliche Netzerneuerung und einen Anschlussgrad von 99 Prozent an das öffentliche Trinkwassernetz charakterisiert ist."

Was bringt eine Liberalisierung?
In den 1990er Jahren wurde zwischenzeitlich heftig darüber diskutiert, inwiefern eine Privatisierung eine Verbesserung bringen könnte. Ein vom früheren Wirtschaftsminister Werner Müller in Auftrag gegebenes Gutachten plädierte für eine Liberalisierung des Wassermarktes. Doch nicht nur ein Gegengutachten des Umweltbundesamtes, auch Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen und der Bundestag wiesen den Vorstoß als "gefährlich für Versorgungssicherheit und akzeptable Preise" zurück.

Doch zunehmend kommt die Privatwirtschaft durch die Hintertür: Weil es den öffentlichen Wasserwerken an Geld fehlt, lassen sie sich von privaten Konzernen unter die Arme greifen. Nicht immer zum Nachteil der Verbraucher: Im Sachsen-anhaltinischen Döbeln hatte der Einstieg des Privatkonzerns Vivendi gesunkene Wasserpreise und um zwei Drittel gesenkte Leitungsverluste zur Folge.

Doch die Erfahrungen mit der Privatisierung sind letztlich eher zwiespältig. Die Enquete-Kommission des Bundestages zur Globalisierung zitiert auch reichlich Negativbeispiele und zieht das - nicht sonderlich überraschende - Fazit: "Schlechtes privates Management ist auch dabei keine Seltenheit."

Deutschland rehabilitiert
Nicht nur das BMU, sondern alle Experten sind sich einig, dass Deutschland hinsichtlich seiner tatsächlichen Trinkwasserqualität sehr weit oben steht im weltweiten Vergleich. Inzwischen ist auch von den Verfassern Weltwasserberichts anerkannt, dass die zitierte Rangliste die Realität stark verzerrt. Zwar wurden bei der Studie zwar keine falschen Daten oder Messwerte verwertet. Jedoch wurde ein Indikator für "Wasserqualität" entwickelt, der in ungeeigneter Weise verschiedene – teilweise veraltete Messwerte zusammenfasst. Entsprechend wird die Rangliste auch nicht mehr verwendet.

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