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Freitag, 10.02.2012
Notstand trotz Überfluss?
Die Wassersituation in Deutschland

Dürre in der Sahelzone, Wasserrationierung im mittleren Westen der USA, austrocknende Seen in Asien - während rings um uns herum Wasser immer knapper wird und ein Wassernotstand nach dem anderen ausgerufen wird, scheinen wir geradezu auf einer "Insel der Seligen" zu leben: In Deutschland herrscht kein Wassermangel.

Abwasser 
Abwasser
© USDA
Der Regen fällt hier reichlich und relativ regelmäßig und macht Deutschland zu einem der süßwasserreichsten Länder der Erde. 182 Milliarden Kubikmeter Wasser stehen jedes Jahr zur Verfügung. Blühende Landschaften sind daher, wenn auch nicht in Bezug auf die Wirtschaft, so doch zumindestens im Hinblick auf die Natur die Regel.

Genutzt wird von diesem Reichtum nur rund ein Viertel. Die Haushalte verbrauchen sogar nur ein Zehntel dessen, was allein an Grundwasser in jedem Jahr durch Versickerung neu gebildet wird. Dennoch fehlt es auch bei uns nicht an Apellen, Trinkwasser zu sparen. Alles Unsinn?

Nicht ganz. Denn entscheidend für die Wasserversorgung ist nicht allein die Wassermenge, sondern auch ihre Qualität: Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, die sich bei ihrer Verbrennung buchstäblich in Luft, genauer gesagt in Kohlendioxid, auflösen, wird Wasser auch nach einer Nutzung nicht weniger, es bleibt noch Wasser - wenn auch mit reichlich unliebsamen Zusätzen befrachtet. Und genau darin könnte in Zukunft auch in Deutschland ein Problem liegen.

Schon jetzt werden weltweit an jedem Tag zwei Millionen Tonnen Schadstoffe in Flüsse und Seen eingeleitet, unter ihnen Chemikalien aus der Industrie, Fäkalien und Pestizide und Dünger aus der Landwirtschaft. Insgesamt rechnet die UNO mit einer globalen Abwassermenge von rund 1.500 Kubikkilometern pro Tag. Da ein Liter dieser Brühe ausreicht, um acht Liter Süßwasser unbrauchbar zu machen, gehen täglich sogar mindestens 12.000 Kubikkilometer für die Trinkwasserversorgung verloren.

 Düngung gefährdet Wasserqualität
Düngung gefährdet Wasserqualität
© USDA
In Deutschland sorgt vor allem die Landwirtschaft für Ärger: Pflanzenschutzmittel, Dünger und Gülle sickern in den Boden und gelangen so über kurz oder lang auch in das Grundwasser. Da sich dieses nur sehr langsam neu bildet und regeneriert, kann es dadurch über Jahre oder sogar Jahrhunderte hinaus verunreinigt werden. Als Trinkwasser ist es damit unter Umständen unbrauchbar geworden. Insbesondere die Pflanzenschutzmittel erweisen sich dabei als tückisch: Einmal im Grundwasser angelangt, reagieren sie mit ihrer Umwelt und bilden neue chemische Verbindungen. Diese können noch giftiger oder langlebiger sein als die ursprünglichen Ausgangsprodukte und ihr Verhalten ist auch für Hydrogeologen nicht immer berechenbar.

Doch auch der Dünger hat es in sich: In Niedersachsen beispielsweise gelten trotz mittlerweile strengerer Auflagen rund 20 Prozent der gesamten Landesfläche als kritisch mit Nitrat belastet (>25 mg/l), weitere 40 Prozent sind gefährdet. Bei Kalium wurden bereits acht bis zehnfache Erhöhungen gemessen, in zwölf Prozent der Fälle lagen die Werte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser.

"Trotz aller Erfolge müssen wir um hohe Wasserqualität täglich und dauerhaft ringen," erklärt denn auch Andreas Troge, Leiter des Umweltbundesamtes anlässlich des Weltwassertages im März 2003 die Situation. Zwar gilt die Wasserqualität in Deutschland als "gut bis sehr gut", aber es gebe durchaus noch Handlungsbedarf.

Auch international wird diese Ansicht durchaus geteilt...

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