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Alarmiert durch den tragischen Zwischenfall stoppte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im Herbst 1999 sofort alle klinischen Studien, bei denen nach ähnlichem Muster Adenoviren verabreicht werden sollten und begann, die Hintergründe von Gelsingers Fall zu untersuchen. Entsetzt mussten die FDA-Forscher feststellen, dass sie dabei ein wahres Schlangennest aus Fehlern, Unterlassungen und Vertuschungen aufgedeckt hatten.
 | | Biohazard Adenoviren? © N.Podbregar | James Wilson, der Leiter der Studie gestand im Dezember 1999 vor einem Untersuchungsausschuss der Kontrollbehörde ein, zwei Todesfälle bei Tierversuchen mit ähnlich modifizierten Adenoviren an Affen verheimlicht zu haben. Auch die bereits vor Jesses Behandlung bei anderen Freiwilligen in der Studie aufgetretenen schweren Nebenwirkungen hatten die Forscher schlicht "vergessen".
Zudem hatten die Wissenschaftler eigenmächtig das ursprünglich für die Studie genehmigte Verfahren - die intravenöse Injektion der Adenoviren - abgeändert, ohne die Kontrollbehörden davon zu unterrichten. Statt in eine Körpervene erhielt Jesse die billionenschwere Virenfracht direkt in die ohnehin geschwächte Leber. Denn wie sich ebenfalls herausstellte, hätte Jesse eigentlich gar nicht an der Studie teilnehmen dürfen: Seine Ammoniak-Blutwerte waren unmittelbar vor Beginn der Gentherapie erhöht, ein Anzeichen dafür, dass seine Leber nicht gut genug arbeitete, um den Test zu überstehen.
Doch weder die Gesundheitsbehörden, noch Jesse oder seine Eltern wurden von den Komplikationen und Veränderungen unterrichtet, da die Tests dann sofort hätten abgebrochen werden müssen. Und für den Leiter der Studie hätte das nicht nur einen wissenschaftlichen Rückschlag bedeutet, sondern auch, wie sich im Laufe der Nachforschungen herausstellte, handfeste finanzielle Einbußen: James Wilson arbeitete nicht nur für die Universität von Pennsylvania, er besaß auch ein gutes Paket Aktien des Gentechnikunternehmens, dass das von ihm getestete Gentherapieverfahren mitfinanziert hatte.
Gefragt, warum er die Zwischenfälle und Veränderungen am ursprünglichen Konzept nicht gemeldet habe, antwortete Wilson vor dem Untersuchungsausschuss: "Es war ein Versehen...". Und auch einige andere Forscher sahen offenbar keinerlei Veranlassung für Schuldbewusstsein oder Reue, sie kommentierten den "Fall Gelsinger" öffentlich als ein "Schlagloch auf der Straße des Fortschritts"...
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