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Sonntag, 14.03.2010
Überblick
Das Wichtgste in Kürze

  • Zahlreiche Krankheiten beruhen ganz oder zumindest zu einem Teil auf einem genetischen Defekt. In vielen Fällen ist dabei ein Gen mutiert, das ein bestimmtes, für den Körper essentielles Protein oder Enzym kodiert, wie bei der Immunschwäche ADA-SCID oder der Bluterkrankheit. Aber auch Mutationen in Steuerungsgenen für Zellvorgänge können Krankheiten wie beispielsweise Krebs auslösen.


  • Bei der Gentherapie soll eine in den Zellkern eingeschleust intakte Genkopie die Funktion der defekten Gene übernehmen. Dies geht nur, wenn das krankheitsauslösende Gen vorher identifiziert und isoliert werden konnte.


  • Die Ersatzgene können entweder mittels einer "Genfähre" direkt in die betroffenen Gewebe und Zellen des Patienten eingeschleust werden (in-vivo-Gentherapie). Oder aber der Gentransfer findet im Labor statt und nur die "reparierten" Zellen werden wieder injiziert (ex-vivo).


  • Um das therapeutische Gen in die Zelle zu schleusen, werden Transportvehikel, so genannte Vektoren benötigt. Eingesetzt werden dabei sowohl verschiedene entschärfte Viren, als auch künstliche Konstrukte oder "nackte" DNA.


  • Die meisten Gentherapiestudien nutzen Viren als Genfähren. Diese sind von Natur aus darauf ausgerichtet, ihre Gene in fremde Zellen einzuschleusen. Am verbreitetsten sind Adenoviren, zu denen auch die Schnupfenviren gehören, und Retroviren, deren bekanntester Vertreter das HI-Virus ist.


  • Die weltweit erste erfolgreiche Gentherapie fand 1990 statt. Dem an der Immunschwäche ADA-SCID leidenden vierjährigen Mädchen Ashanti DeSilva wurde mithilfe von retroviralen Genfähren ein neues ADA-Gen verabreicht. Bis heute ist das Kind gesund. Andere frühe Versuche, Gentherapie beispielsweise gegen Hirntumoren oder Darmkrebs einzusetzen, nutzten Adenoviren.

  • Adenoviren können jedoch heftige Immunreaktionen auslösen und haben zu mindestens einem Todesfall geführt. Retroviren tun dies zwar nicht, bauen aber Kopien des eingeschleusten Gens aber willkürlich an mehreren Stellen in das Zellgenom ein. Die zufällige Aktivierung von Krebsgenen ist dadurch möglich.

  • Der Tod des 18-jährigen Jesse Gelsinger 1999 im Rahmen einer Gentherapiestudie markierte den "Sündenfall" der jungen Genmedizin. In seiner Folge wurden zahlreiche Verstöße gegen wissenschaftliche und ethische Richtlinien aufgedeckt. Darunter auch mehr als 900 nicht gemeldete Zwischenfälle bei klinischen Studien.

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