Gene auf Wanderschaft Was verrät unser Erbgut über die Migration des Menschen?
Ein bisschen Spucke erzählt die Geschichte eines ganzen Volkes. Seit Wissenschaftler das Erbgut eines Menschen Buchstabe für Buchstabe identifizieren können, gewinnen sie daraus manchmal mehr Informationen als aus Tonscherben oder vergilbten Schriftstücken. So untersuchen Mark Stoneking und seine Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, wie sich verschiedene Völker ausgebreitet haben.
„Das hier ist die extrahierte, hochaufgereinigte DNA aus den Zellen im Speichel. Jedes Röhrchen enthält die Probe einer Person“, sagt Sean Myles. Er steckt es zu den anderen in den Styroporhalter und legt die Sammlung in den Gefrierschrank zurück.
Es sind nur wenige Tropfen klarer, gefrorener Flüssigkeit am Ende eines transparenten, spitz zulaufenden Plastikröhrchens. Doch sie verraten Geheimnisse über ganze Völker, über die Eroberung neuer Landstriche, die Wanderungen in entlegenste Winkel der Erde. Sie erzählen von Liebschaften oder Vergewaltigung, kulturellem Austausch oder Isolation über Jahrhunderte hinweg.
Und der Inhalt dieser Tropfen liefert Hinweise über die Entwicklung der Menschheit. Sean Myles ist Doktorand in der Arbeitsgruppe Molekulare Anthropologie von Mark Stoneking am Max- Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Das Team hat sich unter anderem darauf spezialisiert, die Folgen von Migration auf dem Planeten Erde zu untersuchen.