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Dienstag, 23.10.2018
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Was uns glücklich macht: Faktoren für mehr Freude im Leben

Glücksforschung

Glück ist nicht nur ein subjektiver Eindruck, sondern lässt sich sogar empirisch messen. In diesem Rahmen wird alljährlich der Glücksreport herausgegeben, der Faktoren des Glücks auswertet und in einen internationalen Vergleich gibt. Wie sehr uns der Wunsch nach Glück im privaten und beruflichen Umfeld antreibt, zeigt auch die wissenschaftliche Komponente. Mittlerweile beschäftigen sich sogar Elite-Universitäten in ihren Studien mit dem doch nicht ganz so subjektiven Begriff des Glücks.
Freundschaften und Beziehungen sorgen für ein längeres Leben.

Freundschaften und Beziehungen sorgen für ein längeres Leben.

Eine Harvard-Studie untersuchte Faktoren des Glücks über einen Zeitraum von 75 Jahren und stellte dabei fest, was für den Menschen am wichtigsten ist, um als glücklich zu gelten. Die Antwort ist dabei so eindeutig wie auch wissenschaftlich belegbar: Glückliche Beziehungen und Freundschaften erzeugen Glück. Probanden der Studie, die besonders intensive Beziehungen vorweisen konnten, waren messbar glücklicher und körperlich fitter. Im Alter von 80 Jahren waren die glücklichen Probanden weniger von abnehmender Gehirnfunktion betroffen und lebten länger. Im Gegensatz starben Probanden, die ein einsames Leben führten früher und waren körperlich schneller eingeschränkt. Die Konklusion der Studie: Wer lange und glücklich leben möchte, braucht Freunde und Beziehungen, um Geist und Körper zu steigern. Es zeigt sich, dass zwischenmenschliche Kommunikation und Beziehungen die stärkste Triebfeder des Glücks sind. Das bedeutet jedoch auch, dass der Faktor nur bis zu einem gewissen Grad selbstbestimmt ist. Die Qualität der Beziehung hängt immer auch vom Gegenüber ab.

Skandinavien ist laut Glücksreport ein Hort der Glückseligkeit


Das zeigt sich spätestens beim Blick auf den alljährlichen Weltglücks-Report. Der im Vatikan vorgestellte Bericht zeigt, wo die glücklichsten Menschen beheimatet sind und warum diese messbar glücklicher sind. Auf dem ersten Rang der 2018er-Studie liegt Finnland. Das skandinavische Land hängt damit die nördlichen Nachbarn Norwegen, Dänemark und Island ab. Doch was macht gerade die Skandinavier und speziell die Finnen so viel glücklicher als beispielsweise Deutschland, das beim Glücksreport nur den 15. Rang belegt - trotz wirtschaftlicher Stärke und einem gemäßigteren Klima? Die Antwort ist mannigfaltig und ein Mix aus Natur, Regierung und Lebenseinstellung. Da wären zum Beispiel die hellen Nächte im Sommer, in denen die Sonne nicht untergeht und das ganze Land in Helligkeit hüllt. Statistisch gesehen sind die Finnen zu dieser Zeit besonders euphorisch und lebensfroh. Das Resultat: Neun Monate nach der Sonnenwenden-Feier werden in Finnland die meisten Babys geboren. Glück ist in diesem Fall die Abwesenheit von Dunkelheit und mehr Kraft durch die Sonne.

Weiterhin spielt auch die Flora des Landes eine erhebliche Rolle beim Glücklichsein. Das Land ist zu mehr als 80 Prozent von Seen und Wäldern bedeckt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass selbst die Einwohner der Hauptstadt Helsinki schnell einen Weg in die Natur finden und Smog und andere Schadstoffe kaum Chance haben, sich auszubreiten und auf die Lungen zu legen. Die Natur des Landes sorgt für eine gesunde Grundlage für ein langes Leben. Ein weiterer Faktor für ein gesundes Leben ist die Sauna-Kultur des Landes. Ähnlich wie bei den Wäldern und Seen ist es dank der knapp drei Millionen Saunen in Finnland einfach möglich, seinen Körper abzuhärten und gemeinschaftlich (siehe Harvard-Studie) die Zeit in der Sauna zu genießen.

Natur, Sauna, Sonne: Die Menschen in Finnland leben am glücklichsten.

Natur, Sauna, Sonne: Die Menschen in Finnland leben am glücklichsten.

Doch was nützt die schönste Natur, wenn der Alltag von Sorgen bestimmt ist? Um diesen ebenfalls so angenehm wie möglich zu gestalten, hat die finnische Regierung eine ausführliche Hilfe für Arbeitslose ins Leben gerufen. Dafür bezahlen die Einwohner Finnlands gerne höhere Steuern, um auch im Extremfall ihre Unabhängigkeit ausleben zu können. Das beweist auch eine Statistik, die den Anteil an Personen aufzeigt, die in Finnland von Armut bedroht sind. Im Jahr 2016 lag der Wert bei 16,6 Prozent und damit auf den zweitniedrigsten Stand der letzten zehn Jahre. Zum Vergleich. In Deutschland ist das Risiko von Armut betroffen zu sein um fast vier Prozent höher. Das Vertrauen, das die Finnen ihrer Regierung und dem eigenen Leben entgegenbringen, ist ein weiterer Faktor des Glücklichseins. Dank freier Bildung und einem hochwertigen Gesundheitswesen fühlen sich die Finnen innerhalb ihres Landes sicher.

Biochemie: Dank Hormonen fühlen sich Menschen glücklicher


Glück ist mannigfaltig und auf viele Faktoren hat der Mensch keinen Einfluss. Doch es gibt auch Tätigkeiten, die Glück hervorrufen und deshalb besonders häufig angestrebt werden. Ein unerwarteter Gewinn gehört in diese Kategorie. Aus diesem Grund neigt der Mensch auch zu kompetitiven Verhalten, sei es beim Sport oder beispielsweise beim Glücksspiel. Wie sehr dieses Verhalten in uns verankert ist, zeigt ein Blick in die Geschichte. Bereits im 14. Jahrhundert begannen in den Niederlanden und Italien erste Vorläufer. Bis heute spielen allein in Deutschland rund acht Millionen Bürger Lotto und versuchen, das große finanzielle Glück zu finden. Doch warum ruft der Gewinn, der rein rational gesehen nur eine Erweiterung des Geldbestandes ist, so extreme Glücksgefühle hervor? Schuld ist das Belohnungszentrum im Gehirn. Dieses stößt bei einer guten Nachricht, einer freudigen Begegnung oder einem unerwarteten Gewinn das Glückshormon Dopamin aus. Durch die Weiterleitung des Hormons an das Vorderhirn steigert sich die Aufnahmebereitschaft und das Gehirn arbeitet effektiver. Doch nicht nur Dopamin sorgt für Freude im Kopf. Endorphine sind Glücksbringer im wahrsten Sinne des Wortes. Bei sportlichen Aktivitäten wird das Hormon ausgeschüttet und sorgt dafür, dass Menschen sich zufrieden und glücklich fühlen, wenn sie körperlich aktiv waren. Aus diesem Grund ist Sex eine großartige Möglichkeit, um trübe Gedanken zu vertreiben und sofort Glückshormone zu erzeugen. Jedoch entsteht beim Liebesakt weniger Endorphin als Oxytocin. Dieses Hormon gilt gemeinhin als das Beziehungshormon und hilft beispielsweise bei der Einleitung der Wehen vor der Schwangerschaft.

Rein bio-chemisch gesehen, ist Glück nichts weiter als eine Ausschüttung von bestimmten Hormonen, die zu positiven körperlichen Reaktionen führen. Nimmt man diese Annahme zu Grunde, dürfte Geld nur eine untergeordnete Rolle bei der Findung des Glücks spielen, ist es doch nur eine Anhäufung materieller Gegenstände. Und das stimmt: Das Easterlin-Paradox beschreibt diesen Zustand sehr genau. Es besagt, dass die reinen Zahlen auf dem Lohnzettel eher nebensächlich sind. Vielmehr ist den Menschen der soziale Vergleich mit anderen Individuen wichtig. Das bedeutet, dass sich die Menschen tendenziell glücklicher fühlen, die mehr als ihre Mitmenschen verdienen. Es geht jedoch weniger um das reine Einkommen. Aus diesem Grund fühlen sich viele Deutsche gegenüber anderen Ländern in diesem Bereich als sehr glücklich. Das Einkommen in der Bundesrepublik ist im weltweiten Vergleich extrem hoch. Im Schnitt verdient jeder Deutsche pro Jahr mehr als 45.000 Euro. In Russland liegt das jährliche Gehalt im Gegensatz dazu bei gerade einmal 7.560 Euro.

Beim Sport wird das Glückshormon Endorphin ausgeschüttet.

Beim Sport wird das Glückshormon Endorphin ausgeschüttet.

Langfristiges und kurzfristiges Glück: Deutsche sehen sich als glücklich an


Dennoch dürfen materielle Güter nicht komplett aus der Glücksformel ausgeklammert werden. Dabei muss jedoch zwischen kurzfristigem Glück und langfristigem Glück unterschieden werden. Kurzfristig lassen sich durch den Kauf von Gütern Glückshormone ausschütten. Aus diesem Grund sind Spontan-Käufe und Shopping-Trips eine Möglichkeit, um positive Gedanken zu erhalten. Langfristiges Glück umfasst materielle Güter jedoch kaum. Stattdessen spielen Beziehungen, Sicherheit und die grundsätzliche Einstellung zum Leben eine Rolle, wenn das Glück gemessen werden soll. Bei Umfragen zum langfristigem Glück werden Probanden befragt, wie sie sich auf einer Skala von 1 (extrem unglücklich) bis 10 (wunschlos glücklich) in verschiedenen Bereichen ihres Lebens einordnen. In Deutschland finden Zahlen zwischen Sieben und Neun besonders häufig Anwendung. Daraus lässt sich resultieren, dass die Deutschen in ihrem Leben grundsätzlich Glück verspüren.

Eine allgemeingültige Glücksformel gibt es nicht. Doch es gibt einige Faktoren, die zu langfristigem Glück führen: Wer sich in einer stabilen Beziehung befindet, lebt statistisch länger und bleibt fitter. Wer mehr Geld verdient, steigert sein soziales Glück. Und wer in Finnland wohnt, hat gute Chancen, dauerhaft glücklich zu werden. Glück ist subjektiv, doch dank moderner Methoden lässt sich Glück empirisch gut belegen.
(Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Autor Daniel Theiss. , 23.05.2018 - )
 
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