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Montag, 19.11.2018
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Die Kunst des Glücklichseins

Positive Psychologie

Woraus es auch besteht, jeder Mensch definiert Glück anders.

Woraus es auch besteht, jeder Mensch definiert Glück anders.

Die individualisierte Herdengesellschaft


Spätmoderne Menschen kennen das Phänomen der beschleunigten Gesellschaft nur zu gut: Erwartungsmuster, die es zu bedienen gilt, warten überall und viele sehen sich nur vom einen zum nächsten Punkt auf ihrer alltäglichen Aufgabenliste hetzen. Bei einer derartigen Geschwindigkeit, mit welcher das Leben zu bestreiten ist, verwundert es nicht, das eine ganze Reihe von Menschen die persönliche Sinnhaftigkeit ihrer Existenz aus den Augen verliert. Ferner gibt es gesellschaftliche Entwicklungen – wie den Bedeutungsverlust von Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Gemeinsinn und Prinzipientreue – die sehr verstörend wirken. Fakt ist: Die Fähigkeit, Macht auf sich selbst auszuüben, stets flexibel zu sein und seine Optionenvielfalt zu wahren, wurden zu unumstößlichen Maximen der spätmodernen Gesellschaft. Untermauert von der permanenten Suche nach Authentizität und Erlebnissen sowie von einem Apparat post-panoptischer Selbstbeherrschungstechniken strebt der Mensch fortwährend „in der Mode“ befindlicher Vorstellungen eines „guten Lebens“ hinterher, ohne jedoch eigene Reflexionen als maßgeblich sinndefinierend zu klassifizieren.

Die Formel zum individuellen Glück


Gerade in Zeiten der hoch individualisierten, spätmodernen Gesellschaft liegt Glück – ebenso wie das Verständnis von Schönheit – ganz in den Augen des Betrachters. Diese Erkenntnis muss jedoch ergänzt werden, da im Allgemeinen zwischen „aktivem“ und „passivem“ Glück zu differenzieren ist. „Passives“ Glück impliziert die bewusste Rezeption dessen, was ist, wie beispielsweise die Bewunderung eines schönen Naturereignisses. „Aktives“ Glück ist vielmehr ein vom Menschen bewusst steuerbares Glück. Das Glücksempfinden kann hierbei als eine Art Überwindungsprämie betrachtet werden. Überwindung bedeutet, die eigene wie auch immer geartete „Komfortzone“ verlassen zu können und ein Ziel zu erreichen bzw. den Zustand zwischen Ist und Soll anzugleichen. Ein nach Glück strebender Mensch sollte daher zum Einen das Prinzip des achtsamen Lebens und der Langsamkeit neu lernen – also nicht immer nur Kopfmensch sein – und sich zum Anderen mit persönlichen „Glücklichmachern“ – jenseits von externen Erwartungszwängen – auseinandersetzen.

Resonanzbereiche für Glücksuchende


Eine Spielart des „passiven“ Glücks stellt das Glückspiel dar. Hierbei steht die Zufallskomponente des in Aussicht stehenden Glücksempfindens im Vordergrund. Glück zu haben, bedeutet demnach, nicht etwa aktiv den Ausgang des Spielvorgangs beispielsweise durch den Verstand beeinflussen zu können, sondern lediglich zu hoffen, passiv den Launen des Zufalls gewogen zu sein. Während schon römische Kaiser begeisterte Glücksspieler waren und auch im Mittelalter das Glücksspiel stets Ausdruck eines adeligen Lifestyles (unteren Schichten war es verboten) war, so ist dieses heutzutage legal der breiten Bevölkerung zugänglich. Bereits im Jahre 1994 wurde die erste Glücksspiel-Software für die digitale Welt entwickelt. Seitdem lässt sich nirgendswo das eigene Glück bequemer und einfacher bei Blackjack, Poker und Sportwetten auf die Probe stellen als im Internet. Da das sogenannte „Social Gambling“ auf sozialen Netzwerken mittlerweile ein Fünftel des Online-Marktes für Glücksspiele ausmacht, wird deutlich: In der Geschichte gab es zwar immer wieder Versuche, den menschlichen Hang zu Glücksspielen einzudämmen, doch die allzu humane Tendenz, sein Glück herausfordern zu wollen, wird nie gänzlich verschwinden.

Regelmäßig Glück zu empfinden, lässt sich trainieren. Doch hierfür ist es unabdingbar, sich bewusst Situationen zu schaffen, welche sich erfolgreich und endgültig abschließen lassen. Das liegt daran, dass das „Belohnungszentrum“ im Gehirn nur dann aktiviert wird, wenn der Mensch eine Aufgabe gezielt erledigt hat. Der infolgedessen ausgeschüttete Neurotransmitter Dopamin sorgt dabei für Glücksgefühle. Ein vorwiegend passiver bzw. Aufgaben aufschiebender Mensch nimmt sich daher die Chance, dieses Glücksempfinden aktiv zu kultivieren. Glücklich machen können beispielsweise Gartenarbeit, ein eigenes Heimwerker-Projekt, das konsequente Treiben einer Sportart oder das Übernehmen einer besonderen Verantwortung im Job. Allgemein empfiehlt es sich, schlichtweg den Sachen nachzugehen, für die man tatsächlich „brennt“. Somit hat jeder Mensch seinen eigenen Glückskompass, auf den er nur lernen muss, zu achten. Dass Feedback, Komplimente und Lob ebenfalls – wenn auch nur kurzfristige – Glücksgefühle auslösen, verdeutlicht hierbei auch die Relevanz harmonischer, sozialer Beziehungen.

Im Endeffekt geht es bei der Suche um Glück lediglich um ein wie auch immer geartetes Erreichen von Resonanz. Dabei gilt es nicht nur die Abwesenheit jeglicher Störfaktoren zu erreichen oder eine ausgeprägte Fürsorge gegenüber Anderen und Selbstsorge an den Tag zu legen. In diesem Zusammenhang soll auch nicht auf das typische Verhalten einer auf Weltflucht fixierten Erlebnisgesellschaft abgestellt werden. Vielmehr geht es um die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse zur Erreichung von Resonanz zu sich selbst, zu Anderen und zur Welt an sich. Es geht um das Finden, einer eigenen entschleunigenden Antwort auf die moderne, schnelllebige Gesellschaft. Schließlich gilt: Zu viel Aktivität und Stress können das Glücksempfinden eines jeden Menschen nachhaltig gefährden (→ Burnout).

Die 6 Säulen des Wohlbefindens


Glaubt man der US-amerikanischen Psychologin Carol Ryff so ließe sich das Streben nach dem persönlichen Glück durch das Befolgen der sogenannten „6 Säulen des Wohlbefindens“ begünstigen. Diese sind demnach:
  • Aktive Umweltgestaltung (Soziale Umgebung)
  • Autonomie erleben (Unabhängigkeit)
  • Lebenszweck finden (beruflich und privat)
  • Persönlich wachsen (beruflich und privat)
  • Selbstakzeptanz (Schwächen akzeptieren)
  • Soziale Beziehungen (harmonisch, positiv und stabil)

Zu diesen 6 Imperativen des Wohlbefindens gehört auch die Fähigkeit eines Menschen, sich an veränderte Lebensbedingungen und Probleme stetig anpassen zu können. Ob ein Mensch letztendlich glücklich ist oder nicht hängt einzig und allein davon ab, wie er auf Ereignisse in seinem Leben reagiert und welche Bedeutung er diesen beimisst. Demnach geht es glückstechnisch nicht darum, ob ein Mensch ein leichtes oder ein schweres Leben hat, sondern vielmehr, ob er in der Lage ist, mit schwierigen Ereignissen und Situationen umzugehen. Glück hängt also nicht davon ab, wer ein Mensch ist oder was er hat, sondern nur davon, was er denkt.

Vorsicht vor der selbsterfüllenden Prophezeiung


Da das Glücksgefühl eines Menschen davon abhängt, was er denkt, sollte er nicht das Falsche denken. Denn wer sich für einen Glückspilz hält, wird auch mehr glückliche Zufälle wahrnehmen und umgekehrt. Hinzukommt, dass positive Gefühle die Gesundheit schützen können, denn das Immunsystem glücklicher Menschen wehrt entzündliche Körperprozesse besser ab. Die Kunst des Lebens besteht also darin, seine eigene Wahrnehmung stets für das Positive zu schulen und Momentaufnahmen des Glücks zu sammeln. Wiegen Sie negative Erlebnisse mit positiven auf, erkennen Sie günstige Gelegenheiten und seien Sie gelassener. Denn wer ständig glücklich sein will, sorgt für sein eigenes Unglücklichsein.
(Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Autor Daniel Theiss., 25.04.2018 - )
 
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