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Sonntag, 21.10.2018
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Muskelabbau im Alter ist eine deutlich unterschätzte Gefahr

Sarkopenie

Schwund ist überall: Ohne Gegenmaßnahmen verliert der Mensch im Laufe des Lebens etwa 30 bis 40 Prozent seiner Muskelmasse.

Schwund ist überall: Ohne Gegenmaßnahmen verliert der Mensch im Laufe des Lebens etwa 30 bis 40 Prozent seiner Muskelmasse.

Als Fauja Singh mit über 100 Jahren einen Marathon lief, den der rüstige Inder nach knapp achteinhalb Stunden erfolgreich beendete, sorgte er 2011 für weltweite Schlagzeilen. Doch solche sportlichen Höchstleistungen sind selten. Schließlich erreicht der Mensch bereits im Alter von 20 bis 30 Jahren das Maximum seiner Muskelmasse. Danach erfolgt ein Abbau, was zu einer Muskelreduzierung von 30 bis 40 Prozent führt. Wenn Personen zum Lebensabend übermäßig viele Muskeln verlieren, sprechen Mediziner von Sarkopenie. Vor allem Krafttraining hilft den Betroffenen, die Muskelmasse erneut aufzubauen.

Muskeln für Mobilität: Risiken im Alter


Dass mit dem zunehmenden Alter die Kraft schwindet, ist normal. Wenn jedoch übermäßig viel Muskelmasse und Kraft verloren geht, nennen Ärzte den körperlichen Verfall Sarkopenie. Es ist wichtig, dem Schwund der Körperkraft vorzubeugen, rät der Fitnessexperte Muskelmacher.

Schließlich trägt die Muskulatur entscheidend zu einem selbstbestimmten Leben bei. Auch im Alter gilt es, die Treppen in der eigenen Wohnung zu meistern, die Gartenarbeit zu erledigen oder den schweren Einkauf nach Hause zu befördern. Wer nicht genügend Muskelkraft besitzt, verliert an wichtiger Mobilität.

Muskelabbau, der sich mit zunehmenden Alter verstärkt, begünstigen Faktoren, die der Mensch beeinflussen kann. Mediziner machen eine mangelhafte Ernährung und reduzierte Bewegungsabläufe als Hauptursachen aus. Außerdem beeinflussen weitere Erkrankungen oft den gesteigerten Abbau von Muskeln. Dann gefährden notwendige Operationen, die eine längere Bettruhe nach sich ziehen, die Betroffenen, die im Krankenhausbett noch stärker an Muskeln verlieren. Bei Erkrankungen wie Krebs bezeichnen Mediziner diesen Zustand allerdings nicht als Sarkopenie, sondern sprechen von einer Kachexie.

Reduzierte Muskelmasse? Test von Experten


Es gibt kleine Tests, durch die ältere Menschen den Zustand ihrer Muskulatur analysieren. Eine einfache Methode, die sich direkt durchführen lässt, benennt der Altersforscher Cornelius Bollheimer. Er ist Professor der Universität Erlangen-Nürnberg und am dortigen Institut für Biomedizin tätig, Der Mediziner empfiehlt, sich mit verschränkten Armen auf einen Stuhl zu setzen, dann aufzustehen und sich wieder hinzusetzen. Diese Prozedur wiederholen Menschen fünf Mal: "Wer dafür länger als zehn Sekunden benötigt, hat möglicherweise zu wenig Muskelkraft", urteilt Bollheimer. Betroffene sollten ihren Hausarzt aufsuchen, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Leider nehmen nicht alle Mediziner die Sarkopenie als Krankheit ernst. Dass Menschen im zunehmenden Alter immer gebrechlicher werden, erscheint ihnen normal. Dabei stehen Wissenschaftlern mittlerweile exakte Verfahren zur Auswahl, durch die sich die Muskulatur eines Patienten analysieren lässt. Durch Verfahren wie der Bioimpedanzanalyse messen die Mediziner die Masse, die Kraft und das Leistungsvermögen der Muskeln. Aus der Kraft der Hände leiten sie auf das Leistungsvermögen der übrigen Muskeln ab. Wenn die Masse, die Leistung oder die Kraft nicht mehr genügend vorhanden sind, sprechen diese Mediziner von einer Sarkopenie.

Krafttraining und Ernährung gegen Sarkopenie


Zum Aufbau von Muskelmasse empfehlen Ärzte den Betroffenen meist ein abgestimmtes Krafttraining. Je nach Zustand des Patienten raten Experten zur Krankengymnastik oder zu begleitenden Übungen, die sich im eigenen Heim oder im Fitness-Studios absolvieren lassen. Durch die Übungen und durch weitere sportliche Aktivitäten erfolgt ein neuer Aufbau der Muskelmasse. Sport ist selbst im Alter von "90 Jahren noch möglich", ist der Wissenschaftler Bollheimer überzeugt. Allerdings ist Vorsicht geboten, weil sich der Körper im Laufe der Jahrzehnte verändert.

Umso wichtiger ist ein zweiter Baustein, der körperliche Übungen wie Kniebeugen begleitet. Eine angemessene Ernährung gilt als Grundlage. Betroffene müssen darauf achten, dass sie ausreichend hochwertige Eiweißprodukte konsumieren, die den Aufbau von Muskeln unterstützen. Wissenschaftler wie Bollheimer empfehlen, dass die Menschen dreimal täglich zwischen 25 und 30 Gramm Eiweiß aufnehmen, die sich über diese Mahlzeiten verteilen. Gute Quellen für Eiweiß sind fettarme Fleischprodukte, viele Fische, Milchartikel oder Hülsenfrüchte. Tofu oder Nüsse bieten ebenfalls viel Eiweiß.

Aktuelle Untersuchungen zum Thema


Dass gesteigerte Sarkopenie-Risiko lässt sich im Alter halbieren, wenn Betroffene seit der Jugend regelmäßig Sport betreiben. Das geht aus einer Studie der Charité Berlin hervor, die 2015 publiziert wurde. Die Untersuchung ergab, dass betroffene Männer das Risiko um bis zu 50 Prozent reduzieren, wenn sportliche Aktivitäten seit sehr jungen Jahren auf der Tagesordnung stehen. Allerdings ist es nie zu spät, um Muskeln aufzubauen. Damit eine Sarkopenie im Alter vermieden wird, können Menschen immer neue Aktivitäten suchen. Im Alter helfen bereits kleine Spaziergänge, die ein guter Anfang sind.

Noch besser ist das gezielte Krafttraining in einem geeigneten Studio. Betroffene sollten sich zeigen lassen, wie die Geräte funktionieren. Manche Fitness-Einrichtungen bieten sogar Kurse an, die speziell für die Bedürfnisse älterer Nutzer entworfen wurden. Ab einem Alter von 35 Jahren gilt im Übrigen folgende Regel: Angehende Sportler suchen einen Mediziner auf, der individuelle Belastungen und mögliche Erkrankungen prüft, bevor sie die verausgabenden Übungen angehen. So reduziert sich die Gefahr, dass der gute Vorsatz ungewollte Auswirkungen hat.
(Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Autor Jens Funken. , 21.11.2017 - )
 
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