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Mittwoch, 20.09.2017
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Elektrische Prüfung von Betriebsmitteln – Was Sie beachten müssen

Unfallverhütung

Multimeter
Gerade im Elektrobereich ist die sachgemäße Prüfung von Geräten und Maschinen eine Pflicht, um die kein Unternehmer herumkommt. Der Grund ist naheliegend: Tritt ein Defekt an einem Ihrer Geräte auf und es wird trotzdem weiter benutzt, kann dies schwerwiegende Folgen für Ihre Mitarbeiter haben. Eine fehlerhafte Isolierung reicht aus und schon wird der elektrische Strom vom praktischen Helfer zur ernsten Gefahr.

Doch was muss bei einer solchen Prüfung beachtet werden? Und wer darf eine solche Kontrolle überhaupt durchführen? Wichtige Fragen, deren Antworten sich nicht in einem einzelnen Regelwerk nachlesen lassen. In diesem Leitfaden haben wir Ihnen daher die wichtigsten Informationen zusammengetragen und geben Ihnen Tipps zur sachgemäßen Prüfung Ihrer elektrischen Maschinen und Anlagen.

Welche Betriebsmittel müssen einer elektrischen Prüfung unterzogen werden?


Eine elektrische Prüfung ist Pflicht für alle elektrischen Betriebs- und Arbeitsmittel, die in Ihrem Unternehmen zum Einsatz kommen. Egal ob es sich dabei um eine einfache Kaffeemaschine, eine elektrische Fertigungsanlage oder ein Telefon handelt: Alles, was mithilfe elektrischer Energie betrieben wird, muss regelmäßig überprüft werden. Auch die privaten Geräte Ihrer Mitarbeiter sind betroffen, sofern in Ihrem Unternehmen keine Regelung besteht, die das Mitbringen solcher verbietet.
Die Regelungen der Betriebssicherheitsverordnung und der DGUV gehen sogar noch einen Schritt weiter: In den DGUV-Regeln 3 und 5 sowie im §14 der BetrSichV werden elektrische Geräte in ortsfeste, ortsveränderliche, stationäre und nicht stationäre Betriebsmittel eingeteilt.

Kugelschreiber ud Formular

Wann müssen elektrische Betriebsmittel geprüft werden?


Eine Überprüfung ist immer dann zwingend erforderlich, wenn ein Gerät neu in Betrieb genommen wird oder eine Instandsetzung erfolgt ist. Aber auch unabhängig von Änderungen an Ihren Arbeitsmitteln sind Sie verpflichtet diese regelmäßig überprüfen zu lassen. Wie lange die Abstände zwischen solchen Prüfungen sein dürfen, hängt dabei von vielen einzelnen Faktoren ab. Zwar gibt es in den betreffenden Regelungen Angaben über angemessene Fristen – diese dienen Ihnen allerdings nur zur Orientierung und bilden den gesetzlichen Rahmen, in dem sich Ihre Prüffrist bewegen sollte.

Wie lange Sie nun zwischen einzelnen Prüfungen warten können, muss eine qualifizierte Elektrofachkraft unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen und Erfahrungswerte einschätzen. Auch die Bedienungsanleitung des Herstellers und Ihre betriebsinterne Gefahrenbeurteilung muss dabei zu Rate gezogen werden.

Grundsätzlich gilt: Ist ein Gerät anspruchsvollen Bedingungen ausgesetzt, ist das Auftreten von Mängeln wahrscheinlicher – es sollte also in relativ kurzen Abständen überprüft werden. Vor allem elektrische Komponenten, die in Bädern und anderen feuchten Umgebungen eingesetzt werden sind davon betroffen. Kommen Ihre Betriebsmittel in eher anspruchslosen Bereichen zum Einsatz, können Sie Ihre Prüftermine flexibler wählen. Vor allem im Büro ist das der Fall, denn hier sind Ihre Geräte weder Feuchtigkeit noch übermäßigem Schmutz oder Staub ausgesetzt.

Wer darf meine Betriebsmittel prüfen?


Die Durchführung einer elektrischen Prüfung ist gemäß der DIN VDE 0701-0702 einer befähigten Person vorbehalten. Je nach Umfang der Prüfung muss allerdings auch hier noch einmal differenziert werden. Der Gesetzgeber unterscheidet hier zwischen einer Elektrofachkraft und einer elektrotechnisch unterwiesenen Person.

Der Unterschied zeigt sich hier ganz klar in der Qualifikation: Eine Elektrofachkraft muss auf jeden Fall eine abgeschlossene, einschlägige Ausbildung mitbringen und mindestens ein Jahr Berufserfahrung gesammelt haben. Nur so kann sie als Prüfer alle auftretenden Risiken und Gefahren einschätzen und mögliche Unfälle verhindern.

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person braucht keine besondere Ausbildung – muss aber theoretisch und praktisch unterwiesen werden, um elektrische Prüfungen durchführen zu dürfen. Besonders die möglichen Gefahren und die richtige Verwendung der Prüfutensilien werden vermittelt, was eine unterwiesene Person zur Durchführung von Wiederholungsprüfungen qualifiziert.
Allerdings wappnet auch das nicht für eine Erstprüfung – diese dürfen auch von einer eingelernten Kraft nur unter Aufsicht durchgeführt werden, damit auftretende Gefahren rechtzeitig erkannt werden.

Wie läuft eine Prüfung ab?


Eine elektrische Prüfung besteht grob aus diesen Bestandteilen:
  • Sichtprüfung
  • Messtechnische Prüfung
  • Bewertung der Messergebnisse
  • Funktionsprüfung
  • Dokumentation
Für den Prüfer bedeutet das, dass zunächst einmal das Äußere des Prüflings unter die Lupe genommen wird. Schwerwiegende Mängel können so direkt erkannt bzw. ausgeschlossen werden. Besteht das Gerät die Sichtprüfung, werden die elektrischen Ströme gemessen und interpretiert. Zuletzt folgt ein einfacher Funktionstest, um zu sehen, ob das Gerät die ihm angedachte Aufgabe auch korrekt ausführt. Gibt es auch hier nichts zu beanstanden, hat der Prüfling die Kontrolle bestanden – und kann weiterverwendet werden.

Als bestanden gilt die Prüfung, wenn das Gerät äußerlich frei von Mängeln ist und auch die Messergebnisse aller einzelnen Prüfungen innerhalb des vorgeschriebenen Toleranzbereichs liegen. Die Beurteilung der Ergebnisse ist dabei in jedem Fall Aufgabe einer Elektrofachkraft. Soll eine elektrotechnisch unterwiesene Person eine Prüfung durchführen, werden spezielle Prüfgeräte mit vereinfachter Anzeige benötigt.

Soweit zum grundsätzlichen Aufbau einer elektrischen Prüfung. Je nach Schutzklasse einzelner Geräte sieht die DIN VDE 0701-0702 noch weitere Prüfungsetappen vor. So ergeben sich für Geräte der Schutzklassen eins, zwei und drei unterschiedliche Prüfabläufe.

Geräte mit der Schutzklasse 1


Schutzklasse 1
Die Schutzklasse 1 besagt, dass das betroffene Betriebsmittel mit einem Schutzleiter zwischen dem Gerät und der Netzanbindung ausgestattet ist. Hier sieht der Aufbau einer Prüfung ein wenig anders aus:
  • Sichtprüfung
  • Überprüfung des Schutzleiters
  • Messung des Isolationswiderstands
  • Messung des Schutzleiterstroms
  • Messung des Berührungsstroms
  • Nachweis der sicheren Trennung
  • Funktionsprüfung
  • Beurteilung und Dokumentation
Zur Schutzklasse 1 zählen vor allem Großgeräte wie Spülmaschinen oder elektrische Anlagen, deren Spannung besonders gefährlich für Menschen werden kann. Ein Gerät der Schutzklasse 1 hat daher einige Prüfungsschritte mehr zu durchlaufen, damit Risiken bei der Benutzung jederzeit ausgeschlossen werden können.

Geräte mit der Schutzklasse 2


Schutzklasse 2
Die Schutzklasse 2 verlangt von Geräten, dass eine doppelte – oder zumindest verstärkte – Isolation verbaut wurde, die den Verwender vor einem Stromschlag schützt. Hier sind für eine Prüfung folgende Schritte vorgesehen:
  • Sichtprüfung
  • Messung des Isolationswiderstands
  • Messung des Berührungsstroms
  • Nachweis der sicheren Trennung
  • Funktionsprüfung
  • Beurteilung und Dokumentation
Hier also im Groben derselbe Ablauf, wie bei einem Gerät mit Schutzleiter. Einzig die Messung des Schutzleiters entfällt, da dieser in der Schutzklasse 2 nicht vorgesehen ist. Beispiele für diese Klasse sind Bohrmaschinen und Handkreissägen.

Geräte mit der Schutzklasse 3


Schutzklasse 3
Geräte mit der Schutzklasse 3 arbeiten normalerweise mit einer Sicherheitskleinspannung (SELV) oder einer Schutzkleinspannung (PELV) – also einer Wechselspannung von maximal 50 Volt und einer Gleichspannung von höchstens 120 Volt. Die Prüfung ist hier folgendermaßen aufgebaut:
  • Sichtprüfung
  • Messung des Isolationswiderstands
  • Nachweis der sicheren Trennung
  • Funktionsprüfung
  • Beurteilung und Dokumentation
In den Bereich der Schutzklasse 3 fallen vor allem Kleingeräte, die nur über einen Adapter ans Stromnetz angeschlossen werden, damit nicht die volle Spannung des Stromnetzes daran anliegt.

Wie werden elektrische Prüfungen dokumentiert?


Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine bestandene Prüfung zu dokumentieren. Hier sehen die Vorschriften der BetrSichV und DGUV keine bestimmte Form vor. Ein Prüfungsbuch ist zum Beispiel eine gute Möglichkeit, die Ihnen direkt eine Übersicht über die Entwicklung der Ergebnisse liefert. Auch die Dokumentation über Karteikarten oder Erfassungsbögen ist möglich. Mit fortschreitender Digitalisierung setzt sich allerdings die EDV-unterstützte Dokumentation immer weiter durch. Die ermittelten Daten werden dafür in eine spezielle Prüfungssoftware mit Datenbankanbindung eingetragen und sind so digital jederzeit abrufbar. In Verbindung mit Barcodes zur Inventarkennzeichnung und einem Barcodescanner zur digitalen Datenerfassung werden Fehler so auf ein Minimum reduziert.

Prüfplakette
Bewährt hat sich auch das Anbringen von Elektroprüfplaketten am Prüfling selbst. Vorgeschrieben sind diese zwar nicht, dafür zeigen die kleinen Aufkleber relevante Daten direkt am Gerät an und erinnern so zuverlässig an anstehende Prüftermine. Auch Kabel sind dabei keine Ausnahme: Flexible Kabelprüfplaketten aus Vinyl helfen Ihnen selbst bei der Kennzeichnung Ihrer elektrischen Leitungen.

Je nach Art der Prüfplakette können diese für verschiedene Prüfungen eingesetzt werden. So gibt es allgemein gehaltene Prüfaufkleber, die Ihnen nur den nächsten Prüftermin anzeigen – aber auch Prüfplaketten gemäß VDE, BetrSichV oder den Regeln der DGUV sind erhältlich. Es liegt also an Ihnen, ob Sie nur den Prüftermin oder die passende Richtlinie angeben möchten – Prüfplaketten helfen Ihnen dabei in jedem Fall.
( , 28.08.2017 - )
 
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