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Sonntag, 24.09.2017
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Wie reagiert das Gehirn auf (Online-) Glücksspiele?

Neurobiologie

Der Markt im Online-Casino-Bereich boomt. Das Geschäft mit dem Reiz des Menschen zum schnellen Gewinn scheint für die Unternehmend sehr lohnend zu sein. Doch wie genau wirken Glücksspiele auf das menschliche Gehirn und welche Verhaltensregeln sollten daraus abgeleitet werden?
Glücksspiel fördert die Ausschüttung von Dopamin.

Glücksspiel fördert die Ausschüttung von Dopamin.

Glück gehört zu den schönsten Empfindungen und für die meisten Menschen zu den erstrebenswerten Zielen. Die Aussicht auf einen hohen Gewinn stößt dieses System bereits erfolgreich an. Serotonin und Dopamin werden ausgeschüttet und sorgen für eine gehobene Stimmung.

Besonders, wenn eine Verhaltensweise ein direktes Wohlgefühl als Folge hat, festigen sich die Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen. Wird das Spielverhalten also mit einem Gewinn belohnt, brennt sich diese Erfahrung ins Gehirn ein. Die Person neigt dann dazu, dieses Verhalten zu wiederholen, um erneut das Glücksgefühl auszulösen.

Ebenso „eingebrannt“ wird der gesamte Kontext in dem das Spielen und Gewinnen erfolgt. Im Falle von Online-Casinos sind das bestimmte Sounds, die bei den verschiedenen Spielen erscheinen, oder bestimmte Bildfolgen und Farbkombinationen. Auch das Gefühl, welches bei dem Besuch der Seite und dem Spielen entsteht, verfestigt sich im Gehirn. Gerade wenn das Gefühl zu Spielen mit Entspannung verbunden ist, werden diese Internetpräsenzen dann auch bevorzugt besucht, wenn das Gefühl von Entspannung wieder gewünscht ist. Dieser Prozess ist auch unter Konditionierung bekannt. Das Gehirn lernt die Umgebungsreize mit dem Glücksspiel zu verknüpfen.

Spielgewinn fördert die Ausschüttung von Glückshormonen


Tritt der Gewinnfall ein, werden im Gehirn vermehrt verschieden Glückshormone ausgeschüttet. Eines der wichtigsten Hormone, die für den Lerneffekt im Gehirn eine Rolle spielen und einen „High-Effekt“ auslösen, ist das Dopamin.

Die Erwartung auf einen Gewinn führt zu einem höheren Spielreiz.

Die Erwartung auf einen Gewinn führt zu einem höheren Spielreiz.

Dopamin spielt besonders bei Lernprozessen im Zusammenhang mit dem Belohnungssystem eine Rolle. Der Kick, der bei Online-Casino-Spielen entsteht, ist somit auf eine erhöhte Dopamin-Ausschüttung zurückzuführen. An diesen Dopamin-Kick kann sich das Gehirn schnell gewöhnen, wodurch es in einigen Fällen bis zur Ausbildung einer Spielsucht führen kann. Bereits die Erwartung eines Gewinns kann zu einer Ausschüttung des Dopamins und damit auch zu einem Suchtverhalten führen.

Bonusangebote für die Kunden


Um die Casinos kennenzulernen, ermöglichen einige Anbieter spezielle Kennenlernangebote. Von virtuellen Online-Casinos, in denen erstmal ohne Geld gespielt werden kann, bis hin zu realen Online-Casinos, in denen dem Kunden ein Bonus gewährt wird.

Durch diesen Casino Bonus erhalten die Spieler ein Startguthaben ohne eigene Einzahlung. Dadurch wird die Hemmschwelle zum Spielen herabgesetzt. Denn durch den Bonus muss zunächst kein eigenes Geld eingesetzt werden. Mit etwas Glück, kann der Spieler dann ohne eigenen Einsatz einen Gewinn geltend machen.

Auch andere Bonusarten wie zusätzliche Freispiele oder Gratisdrehungen werden als Anreiz gesehen. Werden sie häufig in Anspruch genommen oder führen sie zu einer Gewinnausschüttung, wird hier schnell wieder das Dopamin-System angesprochen. Nicht umsonst wird häufig vom Spielglück beim Glücksspiel gesprochen.

Das jugendliche Gehirn reagiert stärker auf Glücksspiele


Bei der Ausbildung einer möglichen Sucht sind Jugendliche dabei besonders gefährdet. Viele Jugendliche sind heutzutage weitaus länger im Internet aktiv, als Erwachsene. Gleichzeitig befindet sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung und ist noch aktiver in der Ausbildung neuer Verknüpfungen.

Eine der Gehirnregionen, die am längsten für die Entwicklung benötigen, ist der präfrontale Cortex. Diese Hirnregion ist erst mit Mitte bis Ende Zwanzig vollständig entwickelt. Die Region ist zuständig für Planungen, Priorisierungen und Impulskontrolle.

Somit kann erklärt werden, warum viele Ergebnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass die Impulskontrolle bei jungen Menschen noch nicht so stark ausgeprägt ist, wie bei Erwachsenen. Bemerkbar macht sich dies unter anderem durch impulsives Verhalten, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken.
Auch bezüglich des Spielverhaltens wird hier schnell den eigenen Impulsen gefolgt und nachgegeben. Das Gehirn ist somit anfälliger, in einem stärkeren Ausmaß auf das Glücksspiel zu reagieren.

Kritisches Spieleverhalten erkennen


Allerdings gibt es auch Erwachsene, deren Gehirn anfälliger für Suchtverhalten ist, als es bei anderen Menschen der Fall ist. Vor allem Menschen die häufig und regelmäßig spielen, sind die Netzwerke stark ausgebildet.

Eine hohe Selbstreflexion ist erforderlich, um ein übermäßiges Spielverhalten zu erkennen.

Eine hohe Selbstreflexion ist erforderlich, um ein übermäßiges Spielverhalten zu erkennen.

Insofern haben Online-Glücksspiele ein höheres Potential zu einem problematischen Verhalten zu führen. Denn während realen Casinos aus dem Weg gegangen werden kann, ist das Internet nahezu allgegenwärtig. Der Zugang zum Glücksspiel ist zu jeder beliebigen Zeit mit nur wenigen Klicks möglich. Sich hier zurückzuhalten ist für viele Spieler weitaus schwieriger, als wenn sie noch erst eine längere Wegstrecke zurücklegen müssten.

Die Zunahme an Online-Casinos korreliert somit auch mit der Zunahme an Spielern und Spielsüchtigen. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist die Zahl der Spielsüchtigen bereits von etwa 400.000 in 2014 auf etwa 650.000 in 2016 angestiegen.

Die Verantwortung liegt somit bei den Spielern selber. Die Reflexion des eigenen Spielverhalten ist der erste Schritt, um bei übermäßigem Spielverhalten protektiv einzugreifen.

Verhaltensregeln für das Online-Glücksspiel


Ähnlich wie auch bei dem Besuch eines realen Casinos müssen bei Online-Casinos oder anderen Online-Glücksspielen klare Vorgaben und Vorbereitungen erfolgen.

Zunächst sollten sich Minderjährige generell nicht an Glücksspielen beteiligen. Denn diese sind aufgrund des Jugendschutzgesetzes erst ab 18 Jahren erlaubt. Eine falsche Altersangabe führt im Falle eines Gewinns dazu, dass das Online-Unternehmen den Gewinn in der Regel nicht auszahlt. Das eingesetzte Geld ist dennoch verloren.

Bevor tatsächlich gespielt wird, müssen auch klare Regeln gesetzt werden. Eine vorher festgelegte Summe, die maximal für das Glücksspiel eingesetzt wird, eine bestimmte Maximaldauer oder Häufigkeit, die mit Glücksspiel verbracht wird. Diese Regeln sind konsequent einzuhalten.

Außerdem sollten sich Spieler die Mühe machen, die AGB und das Kleingedruckte zu lesen. Ansonsten können Missverständnisse oder unvollständige Informationen zu geringeren Gewinnchancen oder höheren Verlusten führen. So ist ein angebotener Bonus oft nur unter speziellen Bedingungen erhältlich und gilt auch nicht gleichermaßen für alle angebotenen Spiele. Beispielsweise kann der Bonus im Falle von Spiel A zu 100 Prozent eingesetzt werden und wird bei Spiel B nur zu 10 Prozent angerechnet. Ebenso müssen die Spielerkonten nach den Ansprüchen des Spielanbieters geführt werden, Abweichungen können im Gewinnfall zur Verwehrung der Auszahlung führen.

Merkt der Spieler, dass er die selbst gesetzten Regeln immer weiter abändert und langsam die Kontrolle über sein Spielverhalten verliert, muss sich professionelle Hilfe geholt werden. Starke Indizien für einen Kontrollverlust sind Geldprobleme und aggressives Verhalten gegenüber Verwandten und Bekannten, die einen auf das Spielverhalten ansprechen.
( , 06.07.2017 - KSA)
 
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